Johann Hermann Schein: Banchetto Musicale (Leipzig 1617). Ausführende: Sex Chordae Consort of Viols, dir. John Dornenburg [John Dornenburg, Julie Jeffrey, Amy Brodo, Michael Sand, Farley Pearce]. Aufgenommen im März 1996 in der Kreuzkapelle am Pacific Lutheran Theological Seminary, Berkeley, Kalifornien. Veröffentlicht 1997 als Centaur CRC 2357. Gesamtspielzeit: 58'11".
Eine in mancherlei Hinsicht ungewöhnliche Scheibe: Fünf Musiker aus Kalifornien, von denen einer, Michael Sand, eigentlich als Virtuoso auf der Barockgeige bekannt ist, spielen auf unterschiedlich großen Gamben deutsche Tanzmusik aus der Zeit des Dreissigjährigen Krieges ein, und das für ein Plattenlabel aus Baton Rouge, Louisiana! Doch nach dem Hören kann man nur sagen: Warum nicht? Den fünf Amerikanern gelingt das Kunststück, acht aus den vier Sätzen "Padouana" - "Gagliarda" - "Courente" - "Allemande-Tripla" bestehende Folgen, im Beiheft als "Suiten" bezeichnet, obwohl Schein selbst diesen Ausdruck vermied, so differenziert, so lebendig und so nahe beim tänzerischen Original zu spielen, dass auch nach fast einer Stunde keine Langeweile aufkommt. Dabei achten sie darauf, nie in das für englische Violenconsorts typische "Wehklagen" zu verfallen, und John Dornenburg hat in seinen Anmerkungen auf eine ganze Reihe verschiedener Stellen hingewiesen, in denen Schein englische Vorbilder (hauptsächlich Stücke von Dowland) zitiert, sich aber gleichzeitig angeeignet hat. Solange man nicht Wunderdinge erwartet, wird man verstehen, weshalb die Scheibe in "Alte Musik Aktuell 7/8 1998" zur "Platte des Monats" gewählt und mit Lobsprüchen wie "Wärme und Spielfreude" oder "straff und energisch" überhäuft wurde. Scheins Gambenconsorts reichen sicherlich weder an die Werke William Byrds oder John Dowlands noch an die freudige Tanzsammlungen eines Michael Praetorius heran, doch hörenswert sind sie allemal und vermitteln einen guten Eindruck deutschen Musizierens zur Zeit des Übergangs von der Renaissance zum Barock.