Das müsste man die fünf Jungs von Deep Purple wohl fragen. Und in diesem Jahr scheint die Antwort Ja zu lauten - im positiven Sinn! Bananen sind Rock'n'Roll. Bananen sind sozialkritisch. Bananen kommen grün in die EU und reifen erst dort, eine Sache, die Ian Gillan mächtig ärgert. Diesen Ärger hört man ihm und seinen vier Bandkollegen aber nicht an...
Bananas ist das allererste Deep-Purple-Studioalbum ohne Keyboarder Jon Lord, dessen Stelle dauerhaft von Don Airey (Ex-Rainbow) übernommen worden ist. So viel kann man aber vorwegnehmen: Wer das nicht weiß, wird es beim Anhören des Albums nicht merken. Der Wechsel von Lord zu Airey scheint sich deutlich weniger bemerkbar zu machen als der Wechsel von Blackmore zu Morse. Bemerkbar macht er sich höchstens an der Tatsache, dass sich Airey mehr in die Band einbringen will, als es Lord in den letzten Jahren (abgesehen vom Concerto-Jubiläum) getan hat. Ansonsten ist die Spielweise sehr ähnlich.
Insgesamt enthält "Bananas" 12 Songs, die alle von einer überdurchschnittlichen Spielfreude zeugen. Die Richtung, die Deep Purple mit "Purpendicular" und "Abandon" eingeschlagen haben, wird zwar beibehalten, aber in bemerkenswerten Performances erweitert und in viel Detailarbeit ausgearbeitet, so dass dieses Album wohl deutlich mehr überzeugen kann, als es seine beiden Vorgänger getan haben, gleichwohl auch sie musikalisch gesehen absolute Qualität hatten.
Laut Selbstaussage hat sich Gillan gesanglich mehr ins Zeug gelegt als in den vergangenen Jahren und man muss zugeben, dass er mit seiner Stimme noch immer eine ganz beträchtliche Wirkung erzielen kann, auch wenn er nicht mehr schreien kann wie 1970. Glücklicherweise zeichnen sich Sänger aber nicht nur durch Schreierei aus...
Ian Gillan hat bereits gestatet, dass Bananas das beste Purple-Album ist. Und wer sich daran erinnert, dass er so einen Satz auch nach The Battle Rages On losgelassen hat - ein Album freilich, das mit keinem einzigen Song mehr auf DP-Konzerten vertreten ist -, weiß, dass man mit so einer Aussage vorsichtig sein muss. An "In Rock", "Machine Head", "Perfect Strangers" und dergleichen reicht es nicht heran, aber das muss es schließlich auch gar nicht. Es muss einfach nur eine gute, überzeugende Scheibe sein - und das ist es!
"Haunted" ist die erste Single von "Bananas" - für viele DP-Fans der schwächste Song auf dem Album, aber er ist eben radiotauglich produziert (von Michael Bradford, der das ganze Album produziert hat), das heißt Streicher und weiblicher Gesang im Hintergrund. Erfolgreich wird diese Single garantiert nicht, schließlich weigern sich die Herren ja permanent ein Video zu produzieren, was übrigens ihr gutes Recht ist.
Eine der harmonischsten Nummern auf dem Album ist "Never A Word", das mit einem mehr als zwei Minuten langen Intro aufwartet, um schließlich in dem elegischen Gesang von Ian Gillan zu enden, der bei diesem Stück gesanglich-harmonisch mehr auf der Höhe ist als in den vergangenen 25 Jahren!
Der Titelsong - "Bananas" - ist ein musikalisches Chaos, allerdings mit absoluter Berechnung. Es ist bewusst gewollter Bananensalat, ein komplexes Vehikel, um das eigene Können zu zeigen, vor allem für Airey, Morse und Paice.
Außerdem gibt es auch endlich mal wieder einen Instrumental-Track - "Contact Lost", gewidmet der Besatzung der Raumfähre 'Columbia', die im Februar dieses Jahres unter tragischen Umständen verunglückt ist und zu der die Band am Vortag noch Kontakt hatte. Alle Crew-Mitglieder waren bekennende DP-Fans und mit Gillan & Co. persönlich bekannt.
Insgesamt bezeugt "Bananas", dass Deep Purple sich wieder voller Power und Spaß zurückgemeldet haben. Sie sind alle geborene Entertainer und das wird ihnen in Deutschland wahrscheinlich so gut gelingen, dass ihr jüngster Geniestreich in die Top 10 der Albumcharts hüpfen wird. Ja, seid ihr denn alle Banane?