Das Buch beschreibt sehr schön den schmalen Grat zwischen liebenswerten Charaktermerkmalen (Rot-Werden, Schüchtern-sein usw.) und sozialen Phobien inklusive ihrer Auswirkungen. Obwohl das Buch sehr strukturiert aufgebaut ist, liest es sich flüssig. Das liegt unter anderen an den vielen Beispielen, in denen die Gefühlswelt von Betroffenen zitiert wird.
Das wirklich Angenehme ist allerdings die Tatsache, dass man dieses Buch seinen Angehörigen oder Freunden in die Hand drücken kann. Insofern findet jeder Gesunde auch einen guten Einstieg, weil er sich ebenfalls mit den Einsteigerthemen identifizieren kann. Auch Erklärungsansätze der Angst und ihrer Funktion sind recht gut erläutert.
Während man im ersten Teil einen wirklich vorzüglichen Überblick über soziale Phobien erhält, finde ich den den zweiten Teil zur Therapie nicht ganz so gelungen. Die Autoren setzen im Grunde auf die Verhaltens,- bzw. Konfrontationstherapie. Bei der vorgeschlagenen Therapie ist der Therapeut mehr als Coach tätig. Erst einmal wird die Angst analysiert und verschiedene Situationen auf einer Skala von 1-10 bewertet. Dann übt er mit den Patienten die Angstsituationen mit steigenden Angstfaktor durch. Laut den Autoren ist innerhalb weniger Monate die Angst therapiert.
Das liest sich sehr schön, allerdings werden tieferliegende Informationen ignoriert. Ernährung, Stressoren, Atmung, Kindheit usw. Alles wird bei dieser Methode zu Gunsten einer "schnellen Heilung" vernachlässigt. Mir widerstrebt dieser Ansatz ein wenig. Ich bin der Meinung, jede Angst hat ihre realen Gründe. Und jeder Mensch hat sein individuelles Schicksal.
Da die meisten Menschen aber eine schnelle Lösung bevorzugen (da schließe ich mich ein), wird das Buch sicherlich vielen Menschen helfen und ist damit auf jeden Fall empfehlenswert.