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In Dai Sijies autobiografisch angehauchtem Roman Balzac und die kleine chinesische Schneiderin wird Luo gemeinsam mit dem Ich-Erzähler Anfang 1971 zur "kulturellen Umerziehung durch die revolutionären Bauern" in ein Bergdorf geschickt. Zuvor war sein Vater im kommunistischen China Mao Zedongs in einem Schauprozess verurteilt worden. Auf dem Land entdecken die zwei Studenten einen Koffer, der sie in die fremde Welt der westlichen Literatur entführt -- und die Schönheit der kleinen Schneiderin, deren glänzenden Augen Luo schließlich erliegt. So muss sich der Geschichtenerzähler zwischen seinen beiden neuen Lieben ein ums andere Mal entscheiden. Aber dann nimmt die Handlung plötzlich eine ganz andere Wende.
"Wir flüsterten Namen in die Dunkelheit", heißt es einmal im Roman, als Luo und der Ich-Erzähler über die verbotenen Bücher sprechen, "und der Klang der Worte, die Reihenfolge der Silben beschworen fremde, geheimnisvolle Welten". Genau das ist auch Dai Sijie mit seinem wunderschönen Roman gelungen, dessen Handlung mit all ihrer poetischen Magie man eigentlich gar nicht nacherzählen kann. Was für ein Zauberer, dieser Dai Sijie! --Thomas Köster -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Einen hübscheren, poetischeren Roman mit einer so zarten und charmanten Liebeserzählung habe ich lange nicht auf dem Büchermarkt gefunden!
Worum geht es ? Zwei Jungen im Alter von 17 und 18 Jahren werden im Zuge der Umerziehung während der Kulturrevolution in China in ein abgelegenes Bergdorf verschickt. Für die Jugendlichen aus gehobenem Bürgermilieu bedeutet das Leben und die Arbeit unter armseligsten Bedingungen, in der denkbar kärglichsten Behausung, einen Schock. Zwar erfahren wir viel über ihr Leben und die schandbaren Zustände, durch die sie in ihre Lage gebracht wurden. Aber weit entfernt davon, als pure Anklage geschrieben zu sein, erleben wir eine Art Schelmenroman mit zarten Liebesfäden, die sich von Lou, einem der Protagonisten, zur Kleinen chinesischen Schneiderin spinnen. Daß die beiden Jungen es verstehen, sich in den Besitz westlicher Literatur von Balzac über Dumas bis Flaubert u.a. zu bringen, rettet ihnen quasi ihr psychisches und mentales Überleben. Sie sind erlebnishungrig und scheuen keine Wagnisse. Auf ihren abenteuerlichen Wegen durch die zerklüftete Bergwelt hören wir die schönsten Geschichten von Tieren, Menschen und Pflanzen. Wir folgen ihnen in ihre Träume, ihre Ängste und die Freuden, die auch das ärmste Leben für den bereit hält , der richtig zu schauen versteht. Zuweilen wechseln Gut und Böse, und wir wissen nicht , befinden wir uns in einem gruseligen Märchen oder kann so die Wirklichkeit sein. Es ist jugendliche Unbefangenheit und Sinn für das Abenteuer, mit der die Geschichte ausgestattet ist.
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