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In Dai Sijies autobiografisch angehauchtem Roman Balzac und die kleine chinesische Schneiderin wird Luo gemeinsam mit dem Ich-Erzähler Anfang 1971 zur "kulturellen Umerziehung durch die revolutionären Bauern" in ein Bergdorf geschickt. Zuvor war sein Vater im kommunistischen China Mao Zedongs in einem Schauprozess verurteilt worden. Auf dem Land entdecken die zwei Studenten einen Koffer, der sie in die fremde Welt der westlichen Literatur entführt -- und die Schönheit der kleinen Schneiderin, deren glänzenden Augen Luo schließlich erliegt. So muss sich der Geschichtenerzähler zwischen seinen beiden neuen Lieben ein ums andere Mal entscheiden. Aber dann nimmt die Handlung plötzlich eine ganz andere Wende.
"Wir flüsterten Namen in die Dunkelheit", heißt es einmal im Roman, als Luo und der Ich-Erzähler über die verbotenen Bücher sprechen, "und der Klang der Worte, die Reihenfolge der Silben beschworen fremde, geheimnisvolle Welten". Genau das ist auch Dai Sijie mit seinem wunderschönen Roman gelungen, dessen Handlung mit all ihrer poetischen Magie man eigentlich gar nicht nacherzählen kann. Was für ein Zauberer, dieser Dai Sijie! --Thomas Köster -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
33 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Kulturrevolution in China einmal anders........,
Rezension bezieht sich auf: Balzac und die kleine chinesische Schneiderin: Roman (Gebundene Ausgabe)
Dai Sijie Balzac und die kleine chinesische Schneiderin Piper ISBN 3 492 04289 9 S. 199Einen hübscheren, poetischeren Roman mit einer so zarten und charmanten Liebeserzählung habe ich lange nicht auf dem Büchermarkt gefunden! Worum geht es ? Zwei Jungen im Alter von 17 und 18 Jahren werden im Zuge der Umerziehung während der Kulturrevolution in China in ein abgelegenes Bergdorf verschickt. Für die Jugendlichen aus gehobenem Bürgermilieu bedeutet das Leben und die Arbeit unter armseligsten Bedingungen, in der denkbar kärglichsten Behausung, einen Schock. Zwar erfahren wir viel über ihr Leben und die schandbaren Zustände, durch die sie in ihre Lage gebracht wurden. Aber weit entfernt davon, als pure Anklage geschrieben zu sein, erleben wir eine Art Schelmenroman mit zarten Liebesfäden, die sich von Lou, einem der Protagonisten, zur Kleinen chinesischen Schneiderin spinnen. Daß die beiden Jungen es verstehen, sich in den Besitz westlicher Literatur von Balzac über Dumas bis Flaubert u.a. zu bringen, rettet ihnen quasi ihr psychisches und mentales Überleben. Sie sind erlebnishungrig und scheuen keine Wagnisse. Auf ihren abenteuerlichen Wegen durch die zerklüftete Bergwelt hören wir die schönsten Geschichten von Tieren, Menschen und Pflanzen. Wir folgen ihnen in ihre Träume, ihre Ängste und die Freuden, die auch das ärmste Leben für den bereit hält , der richtig zu schauen versteht. Zuweilen wechseln Gut und Böse, und wir wissen nicht , befinden wir uns in einem gruseligen Märchen oder kann so die Wirklichkeit sein. Es ist jugendliche Unbefangenheit und Sinn für das Abenteuer, mit der die Geschichte ausgestattet ist. Die Erzählung ist aus einem Guß. Alles ist stimmig und nichts ist überflüssig. Die Sprache ist flüssig und voll schöner Bilder. Ich kann das Buch wärmstens empfehlen. Claudine Borries Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Balzac und die kleine chinesische Schneiderin,
Rezension bezieht sich auf: Balzac und die kleine chinesische Schneiderin: Roman (Gebundene Ausgabe)
Das kleine Buch (200 S) war mir ein seltenes Juwel im Literaturgetümmel. An einem langen Winterabend vor knisterndem Kaminfeuer bin ich in die Geschichte eingetaucht und war verzaubert: von dem fremdländischen Charme, dem Schicksal der von den Maoisten in ein kleines Bergdorf zur Umerziehung verbannten Studenten, der wie mit einer chinesischen Tuschezeichnung gemalten Liebesgeschichte, dem philosophischen Ende...Vielleicht hat es mich besonders berührt, weil ich die 68er Jahre erlebt habe, als Kommilitonen "Mao Mao Mao Tse Tung" skandierend durch die Straßen liefen. Die 68er-Generation hat bei Mao eine neue verheißungsvolle Politik der Gleichheit aller Menschen erhofft. Die chinesische Wirklichkeit sah anders aus und wird in dem kleinen Bändchen so witzig und einfühlsam beschrieben, dass ich begeistert war.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine homage an die Literatur, das Leben und die Liebe,
Von
Rezension bezieht sich auf: Balzac und die kleine chinesische Schneiderin: Roman (Taschenbuch)
Mit trockenem Humor erzählt Dai Sijie in seinem Erstlingswerk eine Wunderolle Geschichte, die Tragik und Absurdität dieser düstern Epoche Chinas entlarvt. Zur Zeit der chinesischen Kulturevolution werden zwei junge Männer, deren einziges Schandtat darin besteht Söhne gebildeter Bürger zu sein, zur „Umerziehung" in ein primitives Dorf in einer entlegenen Bergregion verbannt. Gemeinsam trotzen die beiden Freunde ihrem tristen Dasein ohne (oder mit verschwindend geringer) Hoffnung auf eine Rückkehr in die Stadt und in die kulturelle Zivilisation. Sei es nun durch das Retten ihrer Geige durch eine List (das spielen des Stückes „Mozart ist mit seinen Gedanken immer beim Großen Vorsitzenden Mao"), „Manipulation" des Dorfvorstehers durch einen beliebig verstellbaren Wecker, die kleine Schneiderin (die von beiden Freunden geliebt wird, jedoch nur die Liebe des einen erwidert) oder letztendlich durch das Lesen von Büchern westlicher Autoren (welche wiederum durch List und Tücke gestohlen worden sind). Balzac, Dumas, Flaubert und Romain Rolland führen die beiden Halbstarken in eine neue Welt, bieten ihnen eine Ausflucht aus der dogmatischen Realität. Die Bücher werden der Mittelpunkt ihres erzwungenen Bauerndaseins, zum Universalmittel um zum Beipiel die kleine Schneiderin zu verführen, Ärzte zu bestechen und vieles Anderes. „Nachdem ich es fertig gelesen hatte, waren weder mein verdammtes Leben, noch meine verdammte Welt wie zuvor", berichtet der peronelle Erzähler. Dai Sijie erzählt die kuriosen Geschichten und Anekldoten der beiden Protagonisten mit einer Leichtigkeit und feinem Humor, so dass man fast das ganze Buch mit einem Schmunzeln liest. Die an sich dramatischen Ereignisse schildert er mit trockenem Humor und doch mit erschreckender Authenzität (das Buch ist teils autobiographisch). Die Unbeschwertheit Dai Sijies Stil, seine Art die kleinen Dinge zu beschreiben und den Leser in das Buch hineinzuzaubern, so dass er sich etwa der „begehrtesten Schönheit des Phönix des Himmels" (die kleine Schneiderin) mit iherem anfänglich naiven Gebaren inmitten der filigranen Bergwelt direkt gegenüber sieht, zeichnen dieses Buch aus. „Balzac und die kleine chinesische Schneiderin" ist eines jener Bücher die man an einem Abend verschlingt und sich am Ende 200 Seiten fragt: Wie? Schon vorbei? Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
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