Der liebe, freundliche, wohlmeinende, gebildete, großherzige Stefan Zweig, den wir für seine Biographien lieben und bewundern, hinterließ uns 1942 in seinem Nachlass 500 Seiten der großen Biographie über Balzac, die er sein Leben lang geplant und innerlich vorbereitet hatte und doch leider nie ganz vollendete. Von Anfang an verehrt Stefan Zweig den lebensfrohen, prallen, und dabei doch geschmeidigen, erzählgewandten Meister aus Frankreich, liest alles von ihm - und bietet uns hier zum Ende seines Lebens ein herrliches buntes Werk über Balzac und seine Zeit.
Hier ist alles persönlich. Persönlich einerseits, weil Zweig sich selbst ganz in und auf das Werk wirft und uns viele Einblicke in sein eigenes Denken schenkt, mit dem er Balzac erklärt und ausleuchtet.
Persönlich aber auch, weil wir Balzac von jüngsten Jugendjahren über seine Lieben und auf der Flucht vor den Gläubigern genauso begleiten wie auf seine unzähligen Reisen und in seine unerfolgreichen Projekte, aber auch bis in die Nacht an seinen Schreibtisch.
Balzac, der teuflisch brennend Arbeitende, der uns in seinem doch kurzen Leben mehr hinterlaesst als irgend ein anderer Schriftsteller, der manisch Geld Ausgebende, der stets hoch Verschuldete, der romanhaft Liebende, der Verfasser manches Schundromans und manches Geniestreiches.
Wir lernen ihn von aussen und innen kennen, ihn und seine Werke, auf die man beim Lesen große Lust bekommt.
Die hier vorliegende Biographie ist von Zweig nie ganz vollendet und nie überarbeitet worden. Ein wenig spürt man dies in mancher Wiederholung, die unter Zweigs fürsorglichem Blick sicher noch verschwunden oder geändert worden wäre.
Auch spürt man fast allzu deutlich Zweigs große Bewunderung, die manchmal den kritischen Abstand verliert,... aber genau dafuer liebe ich persönlich Stefan Zweig. Er ist eben kein Geschichtsforscher, kein Germanist, kein exakter Biograph,... sondern ein Schriftsteller mit Herz, der somit Balzac sogar vielleicht näher kommt als es manch anderer könnte.
Die herrlichste, fruchtigste, bunteste, schönste und tiefste Balzac-Biographie die ich kenne - liebenswert und unvergesslich.