Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine sehr eindrucksvolle Biographie, 15. Dezember 2007
Der ausgezeichnete Biograph und Kulturkorrespondent der Süddeutschen Zeitung, Johannes Willms, hat schon über Napoleon und Bismarck viel beachtete Biographien geschrieben und nun über Honoré de Balzac. Er schreibt mit Schwung und Begeisterung darüber, was diesen außergewöhnlichen Menschen im Leben und in der Kunst antrieb. Balzac, der von sich selbst einmal sagte "Es gibt für mich nichts Erstaunlicheres als mich selbst", war neben seiner rastlosen literarischen Tätigkeit als Erzähler, Journalist, auch ein wenig erfolgreicher Dramatiker.
Willms beschreibt, in anschaulicher Form, auch das äußere wenig attraktive Erscheinungsbild dieses Lebemannes, seine fettigen Haare, kurzen Beine, Zahnlücken und die gewollt auffällige Kleidung. Trotz seiner ständig wachsenden Schulden, liebte er gute Kleidung, elegante Wohnungen und ein aufwendiges Leben in der Pariser Gesellschaft. Interessen und Aktivitäten, die er eigentlich gar nicht bezahlen konnte. So war er denn auch ein Leben lang ständig auf der Flucht vor seinen zahlreichen Gläubigern.
Er hatte voller Leidenschaft immer Affären mit Frauen, die mindestens zwanzig Jahre älter waren als er. Die Geliebten, aus den besten Kreisen, waren auch stets bereit ihn finanziell zu unterstützen. Ständige Überanstrengungen auf den unterschiedlichsten Gebieten und sein übertriebener Kaffeeverbrauch brachten ihm spätestens ab 1844 große gesundheitliche Probleme. Ab 1845 war er innerhalb Europas, mit seiner großen Liebe, der polnischen Gräfin Mme Hanska, auf Reisen. Hätte er diese sehr reiche Frau zu jener Zeit geheiratet, wären all seine finanziellen Sorgen vergessen gewesen. Er starb 1850 an Erschöpfung, nachdem er Mme Hanska im März 1850 noch geheiratet und zur Alleinerbin eingesetzt hatte. Hinter dem Ruhm, nachdem er Zeitlebens strebte, stand am Ende unendliche Einsamkeit und Leere.
Ein wunderschönes Buch, sehr beeindruckend und bewegend, übermittelt Johannes Willms ein Balzacsches Welt- und Menschenbild.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Le roi, 2. Mai 2008
Nach seiner Napoleon-Biographie widmet sich Johannes Willms zum zweiten Mal einem Franzosen. Auch diesmal gelingt es ihm, die Zeit und ihre Umstände treffend einzufangen. Wir lernen Balzac vor allem in seinen Nöten kennen, die ihn in einer schweren Kindheit, wie als armen Poeten in einer kalten Dachgeschosswohnung zeigt. Sein manischer Arbeitseifer ist seinem Überlebens-, wie Geltungswillen zuzuschreiben. Akribisch weist Willms die einzelnen Schritt aus, begründet die Verschwendungssucht des Erfolgreichen, reiht seinen Schulden auf, seine Phantasien, die ihn stets aller Sorgen entledigen sollten, nennt Affären wie Niederlagen und zeigt ihn im Kampf um eine späte Ehe mit einer ukrainischen Adligen. Was fehlt, ist das literarische Werk, der Zyklus La Comédie humaine. Er taucht eher am Rand auf, findet Beleg als biographischen Spiegel. Willms lenkt sein Augenmerk vor allem auf den Privatmenschen Balzac. Natürlich ist ein so vielbändiges Werk wie Die menschliche Komödie nicht in seiner Gänze vertretbar, aber den Menschen Balzac machte vor allem sein schriftstellerisches Leben aus. Willms widmet sich lieber den Goldverzierungen, den überbordenden Ausstattungen der Häuser als Balzacs schrifstellerischen Kunst, seiner Zeit ein Denkmal zu setzen. Die Verschwendung, die Schulden wiederholen sich mit der Zeit, ohne einen weiteren Aufschluss über Balzac zu bieten. Schillernder wäre es gewesen, Balzac auf beiden Seiten seines Lebens zu zeigen: in der Realität und der Phantasie.
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1.0 von 5 Sternen
Eine Warnung, 1. Januar 2009
Ich lese derzeit die gesamte Comédie humaine. Nach etwa 30 von rund 100 Romanen hatte ich das Bedürfnis, auch eine Biographie des Autors zu lesen; möglichst auf aktuellem Stand der Forschung. Die Biographie von Willms schien mir geeignet.
Die Lektüre von Willms Buch ist jedoch außerordentlich ermüdend und öde. Umso mehr im unmittelbaren Kontrast zu den sich leidenschaftlich überschlagenden Erzählwellen des Honoré de Balzac.
Es ist sicher ungerecht, Willms mit Balzac zu messen. Der Biograph eines Erzählgenies, das Lebensläufe in ihrem Ge- und Misslingen, in ihrer familiären Abhängigkeit oder sozialen Isolation so überaus plastisch darzustellen weiß, jeder Biograph Balzacs begibt sich aber genau in diesen Wettbewerb bei seinen LeserInnen: Hat er doch die gleiche, seitenweise fast identische Aufgabe zu bewältigen wie der Autor.
Sprich: Es ist ein nützliches Buch für alle, die Informationen über die schieren Tatsachen und möglichen Deutungen von Balzacs Leben suchen.
Es ist ein leider ungeeignetes Buch für alle, die auch vom Autor einer Biographie begeistert und mitgerissen werden wollen.
Das gelingt Balzac selbst dann weitaus besser.
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