Der ausgezeichnete Biograph und Kulturkorrespondent der Süddeutschen Zeitung, Johannes Willms, hat schon über Napoleon und Bismarck viel beachtete Biographien geschrieben und nun über Honoré de Balzac. Er schreibt mit Schwung und Begeisterung darüber, was diesen außergewöhnlichen Menschen im Leben und in der Kunst antrieb. Balzac, der von sich selbst einmal sagte "Es gibt für mich nichts Erstaunlicheres als mich selbst", war neben seiner rastlosen literarischen Tätigkeit als Erzähler, Journalist, auch ein wenig erfolgreicher Dramatiker.
Willms beschreibt, in anschaulicher Form, auch das äußere wenig attraktive Erscheinungsbild dieses Lebemannes, seine fettigen Haare, kurzen Beine, Zahnlücken und die gewollt auffällige Kleidung. Trotz seiner ständig wachsenden Schulden, liebte er gute Kleidung, elegante Wohnungen und ein aufwendiges Leben in der Pariser Gesellschaft. Interessen und Aktivitäten, die er eigentlich gar nicht bezahlen konnte. So war er denn auch ein Leben lang ständig auf der Flucht vor seinen zahlreichen Gläubigern.
Er hatte voller Leidenschaft immer Affären mit Frauen, die mindestens zwanzig Jahre älter waren als er. Die Geliebten, aus den besten Kreisen, waren auch stets bereit ihn finanziell zu unterstützen. Ständige Überanstrengungen auf den unterschiedlichsten Gebieten und sein übertriebener Kaffeeverbrauch brachten ihm spätestens ab 1844 große gesundheitliche Probleme. Ab 1845 war er innerhalb Europas, mit seiner großen Liebe, der polnischen Gräfin Mme Hanska, auf Reisen. Hätte er diese sehr reiche Frau zu jener Zeit geheiratet, wären all seine finanziellen Sorgen vergessen gewesen. Er starb 1850 an Erschöpfung, nachdem er Mme Hanska im März 1850 noch geheiratet und zur Alleinerbin eingesetzt hatte. Hinter dem Ruhm, nachdem er Zeitlebens strebte, stand am Ende unendliche Einsamkeit und Leere.
Ein wunderschönes Buch, sehr beeindruckend und bewegend, übermittelt Johannes Willms ein Balzacsches Welt- und Menschenbild.