Anfang der 1960er Jahre konnte ich anhand dieser Aufnahmen erste Bekanntschaft mit der zauberhaften Ballettmusik von Peter Tschaikowsky machen. Die beiden Suiten aus "Schwanensee" op. 20 und "Dornröschen" op. 66a werden von der Warschauer Philharmonie temperamentvoll gespielt, unter Leitung von Witold Rowicki, der dem Orchester jahrelang vorgestanden hat. Nach der "Szene. Moderato", im Tempo ein wenig gezügelt und nicht ganz tanzgerecht vorgetragen, dafür aber mit viel Liebe zum Detail gestaltet, entfaltet sich die "Schwanensee"-Musik granziös und steigert sich über den berühmten Walzer und den rasanten Ungarischen Tanz bis zu einer eindrucksvollen "Scène finale", der dann ebenso überzeugend die schönsten Stücke aus dem "Dornröschen"-Ballett folgen. Auf der Original-LP war noch die Polonaise aus "Eugen Onegin" untergebracht. Sie wurde hier ausgespart, um noch der ganzen Nußknacker-Suite op. 71a Platz zu machen, die von Ferdinand Leitner und den Berliner Philharmonikern souverän und klangschön interpretiert wird.
Alle drei Suiten wurden 1959 eingespielt, und ich habe den Eindruck, daß die Klangqualität der Berliner Aufnahme ausgereifter und eine Spur dezenter ist. Die Produktionen aus Warschau klingen härter und direkter, aber auch sie sind insgesamt gut gelungen. Die einzigartige Klangkulinarik, mit der Herbert von Karajan diese Musik einige Jahre später ausgestattet hat, darf man hier allerdings nicht erwarten. Für den günstigen Preis erhält man aber eine Menge guter Musik, die CD ist prall gefüllt. Leider fehlt jede Textinformation.