Das namenlose Mädchen aus dem Bilderbuch "Ballerina auf vier Pfoten" hat einen ganz besonderen Hund: Er holt keine Stöckchen, pinkelt nicht an Laternenpfähle und schlappt auch kein Wasser aus dem Klo - dieser Hund "mag Musik und Mondschein und er tippelt gern auf Zehenspitzen". Und: Dieser Hund denkt, "er sei eine Ballerina!".
Immer wenn sich das Mädchen für die Ballettstunde fertig macht, schaut der Hund, der übrigens Biff heißt und ein Mops ist, sehnsüchtig auf das Ballettröckchen und die Ballettschuhe, und die Kleine weiß genau, dass ihr Hund davon träumt, "einmal selbst auf der Bühne zu stehen". Also fragt sie ihren Vater, ob Biff mit zur Ballettstunde kommen darf. "'Nie im Leben", erwidert Papa. "Hunde haben beim Ballett nichts verloren'". Doch auf dem Weg zur Ballettstunde kommt sich die Kleine seltsam verfolgt vor. Und als sie gerade von der Ballettlehrerin aufgefordert wird, nochmals die erste Position vorzuführen, stürzt Biff in den Ballettsaal. Fräulein Polly ist entsetzt und schmeißt den Mops raus: "Hunde haben beim Ballett nichts verloren". Biff ist am Boden zerstört, frisst seine Hundekringel nicht mehr und liegt nur tagelang in seiner Hütte, um nachts den Mond anzuheulen.
Zum Geburtstag bekommt das Mädchen Karten für das Staatsballett geschenkt und bittet ihren Vater abermals, Biff mitnehmen zu können. Doch Papa sagt: "Ein für alle Mal: Hunde haben beim Ballett nichts verloren". So geht die Kleine mit Papa zum Ballett und hat auf dem Weg dorthin das Gefühl, verfolgt zu werden... Das Ballett ist zauberhaft - bis zu dem Moment, in dem die Ballerina stolpert und kopfüber dem Bläser im Orchestergraben in die Tuba fällt. Jetzt ist alles vorbei, denkt das Mädchen - doch sie hat die Rechnung ohne ihren Hund Biff gemacht...
Wie die Geschichte ausgeht, soll hier natürlich nicht verraten werden! Autorin Anna Kemp hat mit "Ballerina auf vier Pfoten" ein wirklich originelles Bilderbuch geschrieben, das nicht nur kleine Ballettratten ab drei Jahren begeistern wird. Es zeigt auf leichtfüßige Art, dass man sich nicht von seinen Zielen abbringen lassen soll und dass für jeden einmal die große Stunde kommt.
Übersetzt wurde das Werk aus dem Englischen von Leena Flegler, die jedoch den englischen Originaltitel "Dogs don't do Ballet" nicht übernommen hat. Da bleibt die Frage offen, ob der Hund im Original auch den Namen eines Badreinigers trägt und das Mädchen namenlos bleibt. Dies tut der Freunde an der Geschichte aber keinen Abbruch.
Illustriert wurde "Ballerina auf vier Pfoten" von Sara Ogilvie. Ihre witzigen Bilder in zarten Farbtönen untermalen die Geschichte kongenial. Spätestens wenn Biff im rosa Tutu auftaucht, wird das bei (Vor)lesern für große Erheiterung sorgen.
Für Anna Kemp und Sara Ogilvie ist "Ballerina auf vier Pfoten" jeweils ihr erstes Bilderbuch. Bleibt zu hoffen, dass wir von diesem Dreamteam noch viele weitere tolle Bilderbücher zu lesen und zu sehen bekommen!
"Ballerina auf vier Pfoten" ist ein wunderbares Bilderbuch für kleine und große Träumer sowie alle, die Ballett und/oder Hunde mögen!
© Steffani Lehmann von Literaturtipp.com