Ich war doch sehr überrascht, als ich mir das neueste Output des teutonischen Powermetal-Urgesteins zu Gemüte geführt habe. Mit ihren letzten Alben konnten Grave Digger zwar zu keinem Zeitpunkt an die Glanzleistungen ihrer "Middleage Trilogy" anknüpfen, für ein paar Highlights waren die Jungs aber bisher auf jedem Album gut. Bei "Ballads of a Hangman" muss man die Highlights jedoch mit der Lupe suchen.
Auch nach mehrmaligem Hören gehen mir nur die Songs "Ballad of a Hangman", Funeral for a Fallen Angel" und der Bonustrack "Jailbreak" gut ins Ohr. Die Power-Ballade "Lonely the Innocence dies" (im Duett mit Veronica Freeman von Benedictum gesungen) hat sicher auch einen gewissen Wiedererkennungswert, vielleicht aber auch nur deswegen, weil man derartiges schon tausendmal gehört hat?! Der Rest des Albums plätschert dagegen völlig an mir vorbei. Da hilft es auch nichts, dass die Band härtemäßig einen ordentlichen Gang zugelegt hat. Denn bei den restlichen Stücken findet man auch nicht die Spur einer Innovation, sie hören sich allesamt recht altbacken an. Insbesondere fehlen die mächtigen, hymnenhaften Refrains, die ich bei der Band bisher so geschätzt habe. Stattdessen sind die Mehrzahl der Refrains einfach nur platt. Den traurigen Höhepunkt bildet insoweit "Into the War": schon ein Blick auf den Umfang des Songtextes im Booklet zeigt, dass den Jungs hier nicht viel eingefallen ist.
Aufgrund des mauen Songwritings ist das Album bei mir nahe an einer 2-Sterne-Bewertung vorbei geschrammt. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der Sound handwerkwerklich und produktionstechnisch sehr gut gemacht ist und äußerst druckvoll aus den Boxen donnert, habe ich mich aber doch dazu entschlossen, wohlwollende 3 Sterne zu vergeben. Aber eigentlich erwarte ich mir mehr von einer solch renommierten Band wie Grave Digger. Dass die Jungs ihre Instrumente bzw. Chris Boltendahl seine Reibeisenstimme beherrschen, weiß ich schließlich schon lange.