... und eben nicht um mögliche oder unmögliche Profilneurosen eines wie immer auch geschassten Rosenstolz-Ex-Managers. Dies nur vorab, bevor all die selbst ernannten Rosenstolz-Fans und besorgten Altruisten, die Peter Plate und Anna R. bereits am Hungertuch nagen sehen, mit Ein- bis Zwei-Sterne-Rezensionen wieder und wieder die vermeintlich unvermeidliche Veröffentlichungs- und Geldbeschaffungspolitik des früheren Managers meinen, aber die eigentliche Musik der beiden Künstler abstrafen. Fakt ist: Wie viele andere Bands auch wechselten Rosenstolz nach den ersten Erfolgen das Label - die Rechte der alten Songs blieben jedoch bei der alten Plattenfirma und dem Manager Tom Müller. Und dass man mit Musik Geld verdienen will, ist weder verwerflich, noch der Qualität der Musik anzulasten. Und ob alles, was rechtlich legal ist, auch moralisch richtig ist, darüber sind sich sogar Bundespräsidenten uneins. Spendieren wir also auch Herrn Müller zähneknirschend aber neidlos seinen "Ehrensold" und widmen uns den wirklich wichtigen Dingen des Lebens.
Womit wir nun beim eigentlichen Thema, der Musik und den drei Sternen, wären. Rosenstolz und ihre früheren Balladen also. 18 Songs immerhin. Nun ja, wir können es eigentlich kurz machen: Keiner der hier veröffentlichten Songs ist wirklich neu und keiner ist für sich genommen wirklich schlecht. Das Problem ist aber, dass die Songs (vielleicht mit Ausnahme von "Blumenkind", "Für dich mich dreh'" und "La Cigarette D'Apres") - aus dem jeweiligen Kontext der damaligen Alben gerissen - hier völlig willkürlich und lieblos aneinander gereiht wurden und somit ein völlig falscher Eindruck von Seichtigkeit, Uniformität und Schmalz des künstlerischen Schaffens der beiden Künstler vermittelt wird. Die kompositorische Stärke des Herrn Plate für seine schlagerhaften Chansons liegt ja gerade in seinem Blick auf die Ganzheit, der stilistischen Vielfältigkeit und Schlüssigkeit eines gesamten Rosenstolz-Albums und eben nicht in der vermeintlich lukrativen Pop-Eintagsfliege. Es sollte daher dem Künstler selbst überlassen bleiben, wann er welche Stücke unter welchem thematischen Überbau für welchen Zweck auch immer zusammenstellt. Und genau hier setzt dann doch noch meine Schelte am offenbar ausschließlich ökonomie-getriebenen Tom Müller an: Er schädigt mit einem solchen - in jeder Hinsicht - "Billig-Produkt" die Marke Rosenstolz und deren künstlerischen Wert erheblich.
Die Erkenntnis daraus kann nur sein, dass sich dieses Balladen-Album keinesfalls an Rosenstolz-Anhänger richten kann, sondern bestenfalls für Menschen konzipiert ist, denen die Kunst in ihrer Gänze ziemlich wurscht ist und die sich lediglich einem gefälligen, ungefährlichen akustischen Gefühlsbrei hingeben wollen. Der allerdings ist dann wenigstens von beachtlichem Niveau, zeigt er letztlich doch auch irgendwie die Zeitlosigkeit der frühen Lieder von Rosenstolz. Diese Melange aus Fünf-Sterne-Musik und Ein-Stern-Konzeption ergibt aus meiner Sicht eine faire Drei-Sterne-Platte. Alles andere ist dann Ideologie ...