Es ist bekannt, das Michelangeli um jeden Takt, jede Note feilschte und das Resultat stets das Ergebnis harter analytischer Arbeit war. Daher wirken seine Interpretationen im Detail genauso abgerundet wie im großen Strukturzusammenhang der Gesamtwerkes. Die scheinbar unzähligen dynamischen Wechsel und Akzentuierungen gepaart mit der fabelhaften Anschlagkultur, die ihn so auszeichnet machen es für andere Einspielungen dieser Stücke schwer, neben seiner zu bestehen, weil man bei Michelangeli immer das Gefühl hat, seine Interpretation ist die einzig richtige.
Bereits bei Brahms Balladen op.10 demonstriert Michelangeli seine dynamische Vielseitigkeit. Er vermag es gleichermaßen die hölzernen Akkorde der ersten Ballade mit großer Kraft in die Tasten zu schmettern als auch die ineinander verwobenen Melodiebögen der vierten Ballade im feinsten pianissimo wie durch ein Kaleidoskop gespiegelt aufzufächern.
Die Schubert Sonate mit ihrem wild-trotzigem Beginn im ersten Satz und der unmittelbar darauffolgenden resignierenden langsamen Passage, die im steten Wechselspiel zueinander stehen spielt Michelangeli derart flüssig und scheinbar wie aus einem Guss, als ob es dazwischen keine Kluft zu überwinden gäbe. Und das spritzige Finale hört man selbst bei Brendel nicht so brillant.
Zu guter letzt steht die frühe Es-Dur Sonate Beethovens, die er mit 26 Jahren komponierte und die Michelangeli als "pezzo da camara" bezeichnete. Und so spielt er sie dann auch intim und meditativ, als wäre sie ein Bläserseptett. Er selbst dachte sich das Rondothema wie von einer Flöte gespielt und die Phrasierung des zweiten Themas aus dem ersten Satz ergab sich für ihn daher, das er sich die Achtelpausen wie Atempausen vorstellte, wie sie Klarinetten und Flöten beim Vortrag dieses Themas nehmen müssten.
Der Klang der Aufnahme ist überwältigend und für den Preis ist diese CD ein Muss!