Unverhofft kommt oft, sagt der Volksmund. Und das Unerwartete kann ja gerade schön sein. Bei diesem Album kommt man jedoch nicht umhin, an Nick Cave und Kylie Minogue zu denken (einige Songs könnten direkt von Cave komponiert worden sein), und bei diesem Vergleich können Campbell & Lanegan nur als Zweite ins Ziel kommen. Gegensätze ziehen sich an, sagt der Volksmund, doch in diesem Falle offenbaren sie auch die Grenzen und Schwächen des jeweils anderen, die auf anderen Alben gar nicht ins Gewicht fallen: Lanegan ist viel zu brummig, und Campbell meist mit viel Hall produziert, wie um etwas zu kaschieren. Das Erdige wird zu erdig, und das Ätherische zerfließt, ohne zu verzaubern.
Als Campbell-Fan hatte ich etwas Schrulliges in der Art von "Amorino" erwartet, doch "Broken Seas" ist geradlinig und gitarrenlastig, was durchaus in Ordnung geht. Doch wo anderswo 1+1 im Volksmund gleich 3 ergibt, ergibt es in diesem Falle nicht einmal die Summe seiner Teile. Denn die Teile wollen bisweilen nicht recht zusammenpassen. So hatte ich bei einigen Songs den Eindruck, dass z. B. die Stimmen in verschiedenen Studios aufgenommen wurden.
Das Album ist in sich geschlossen und intim, das will ich ihm zugute halten; geradlinig, fast schnörkellos ist es, doch die Tatsache, dass ich nun schon ein dreiviertel Jahr mit einer Albumkritik ringe, zeigt, wie wenig glücklich ich letztlich mit der CD bin. Nachdem schon Belle & Sebastian die alten Pfade verlassen haben, war dies die zweite - ich will nicht sagen: Enttäuschung - aber doch: getrübte Überraschung. Entwicklung hin oder her: das Neue kann in diesem Fall dem Alten nicht - wie sagt der Volksmund?: das Wasser reichen.