Aus der Amazon.de-Redaktion
Unterm Strich muss man aus dem gut recherchierten Report des freien Südosteuropa-Korrespondenten Norbert Mappes-Niediek, der seit mehr als zehn Jahren für verschiedene deutsche Presseorgane -- unter anderem für Die Zeit -- aus der Region berichtet und 1994/1995 Berater des UNO-Sonderbeauftragten für das ehemalige Jugoslawien gewesen ist, das bedrückende Fazit ziehen: Die kriminellen Banden auf dem Balkan sitzen nach wie vor fest im Sattel sitzen, fester jedenfalls, als es nicht nur den Balkanstaaten selbst lieb sein kann.
Mappes-Niediek plädiert mit überzeugenden Argumenten für ein tatkräftiges Engagement der EU auf dem Balkan, das im Übrigen nicht nur im Interesse Westeuropas liege, sondern von der überwiegenden Zahl der dortigen Bevölkerung begrüßt wird. Denn Westorientierung ist "auf dem westlichen Balkan eine stabile Grundstimmung": "Rechtstaatlichkeit, Demokratie und Marktwirtschaft stehen nur bei einer Minderheit in Frage." Über die weit gestreckten Aktivitäten dieser effektiv in Banden organisierten Minderheit gibt der vorliegende Band ebenso ausführlich Auskunft wie darüber, wie weit der lange Arm dieser Kriminellen in die Regierungsapparate hinein reicht. --Andreas Vierecke
Leipziger Volkszeitung, 9.2.04
Freitag, 25.4.03
Sächsische Zeitung, 19.3.03
Kurzbeschreibung
Wie können die EU-Staaten angemessen darauf reagieren? Soll man warten, bis die jungen Nationalstaaten mit dem Problem selbst fertig geworden sind, oder eingreifen, damit sich keine mafiaähnlichen Strukturen festsetzen?
Norbert Mappes-Niediek, seit elf Jahren Balkan-Korrespondent renommierter deutscher Zeitungen, beschreibt nicht nur die Praktiken der kriminellen Clans und zeigt ihr Vordringen nach Westeuropa auf, sondern unterbreitet auch Vorschläge, wie dem politisch begegnet werden kann.
Der Verlag über das Buch
Über den Autor
Auszug aus Balkan-Mafia. Staaten in der Hand des Verbrechens - Eine Gefahr für Europa von Norbert Mappes-Niediek. Copyright © 2003. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Mai 1980 In Ljubljana stirbt 88-jährig der jugoslawische Staatsund
Parteichef Josip Broz Tito.
März/April 1981 Im Kosovo, der vorwiegend albanisch besiedelten
Provinz im Süden Serbiens, kommt es zu Studentenunruhen.
April 1985 In Tirana stirbt mit 76 Jahren der albanische Diktator
Enver Hoxha.
Mai 1986 Slobodan Milos¡evicZ wird Vorsitzender des Bundes
der Kommunisten Serbiens.
Dezember 1987 Milos¡evicZ wird Präsident der jugoslawischen Teilrepublik
Serbien.
November 1988 Die nationale Welle in Serbien erreicht nach einer
Reihe von »Meetings der Wahrheit« in zahlreichen
serbischen Städten ihren Höhepunkt.
Februar/März 1989 Nach einem Generalstreik reduziert das serbische
Parlament die Autonomie des Kosovo beträchtlich
und ruft den Ausnahmezustand aus.
Juni 1989 Am 600. Jahrestag der Schlacht auf dem Amselfeld
(Kosovo polje) hält Milos¡evicZ eine nationalistische
Rede und spricht vage von »künftigem Streit«, der
auch kriegerisch sein könne.
November 1989 In Bulgarien wird der langjährige Staats- und Partei
chef Todor Schiwkow von Reformern in der KP
gestürzt.
Januar 1990 In Tirana stürmen Hunderte Albaner die westlichen
Botschaften, um ihre Ausreise zu erzwingen.
Februar 1990 Sloweniens und Kroatiens KP-Organisationen treten
aus dem Bund der Kommunisten Jugoslawiens aus.
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April/Mai 1990 Bei der ersten freien Mehrparteienwahl in Kroatien
setzt sich überraschend die im Vorjahr gegründete,
nationalistisch orientierte »Kroatische Demokratische
Gemeinschaft« (HDZ) unter Franjo Tudjman durch.
Juni 1990 Erste freie Parlamentswahlen in Bulgarien bestätigen
die Bulgarische Sozialistische Partei mit dem ersten
postkommunistischen Regierungschef Andrej
Lukanow.
Juli 1990 Die meisten Abgeordneten des Kosovo-Parlaments
erklären ihre Provinz zur »gleichberechtigten und
unabhängigen Einheit in der jugoslawischen Föderation
«. Mehr als 80000 Albaner werden durch die
serbischen Behörden von ihren staatlichen Arbeitsplätzen
im Kosovo entlassen, unter ihnen 6000 Lehrer.
September 1990 In einer illegalen Volksabstimmung votieren nach
den Zahlen der Untergrund-Regierung 87 Prozent
der Kosovaren für die Unabhängigkeit.
November 1990 Bei der ersten freien Mehrparteienwahl in Mazedonien
erreicht die nationalistische VMRO die meisten
Stimmen. Die Ex-Kommunisten bleiben aber mit Hilfe
einer albanischen Partei an der Macht.
November/Dezember Erste freie Mehrparteienwahlen in Bosnien und Serbien. In
Bosnien siegen die Nationalparteien der drei
Staatsvölker, in Serbien erreicht die Sozialistische Partei
unter Milos¡evicZ einen großen Sieg.
März 1991 Bei der ersten freien Mehrparteienwahl in Albanien
setzen sich die Nachfolger der kommunistischen
»Partei der Arbeit« durch. Im ganzen Land bricht
eine gewalttätige Anarchie aus.
Juni 1991 Slowenien und Kroatien erklären ihre Unabhängigkeit
von Jugoslawien.
Juni/Juli 1991 Erster jugoslawischer Krieg: Die Nationale Volksarmee
(JNA) versucht vergeblich, die in Slowenien
liegenden Grenzübergänge in ihre Gewalt zu bekommen.
Die Kämpfe kosten 64 Tote und enden nach
nur neun Tagen.
Juli 1991 In Kroatien bricht ein offener Krieg aus, der zweite
in Jugoslawien. Die JNA verfolgt das strategische
Ziel, die überwiegend serbisch besiedelten Gebiete
unter ihre Kontrolle zu bekommen.
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September 1991 Mazedonien erklärt sich für unabhängig.
November 1991 Bulgarien bekommt eine bürgerliche Regierung, die
nach nur einem Jahr scheitert.
Januar 1992 Die heiße Phase des Krieges in Kroatien endet mit
einem Waffenstillstand. Es gab etwa 10000 Tote,
knapp 30 Prozent des Territoriums bleiben als UNOSchutzzonen
der Regierungskontrolle entzogen.
Februar/März 1992 Bei einem Referendum stimmen 63 Prozent der Bevölkerung
- fast nur Muslime und Kroaten - für die Unabhängigkeit
des Landes. Die Serben boykottieren.
März 1992 Eine Neuwahl in Albanien bringt die Demokraten
unter Sali Berisha an die Macht.
April 1992 Nach der Unabhängigkeitserklärung und der Anerkennung
durch EU und USA bricht in Bosnien der
dritte jugoslawische Krieg aus. Er dauert dreieinhalb
Jahre und kostet etwa 200000 Menschen das Leben.
Mehr als zwei Millionen verlieren ihre Wohnung.
Mai 1992 Kosovo-Albaner halten illegale Wahlen ab. Die Organisation
eines parallelen »Untergrund-Staates«
beginnt.
Mai 1992 Die UNO beschließt umfassende Wirtschaftssanktionen
und ein Embargo gegen Jugoslawien, das seit dem
vorigen Monat auch offiziell nur noch aus Serbien
und Montenegro besteht.
September 1992 Jugoslawien wird aus der UNO ausgeschlossen.
Oktober 1992 Im bosnischen Krieg verschieben sich die Fronten:
Kämpften bisher Serben gegen die vereinigten Muslime
und Kroaten, treten nun Kämpfe zwischen Muslimen
und Kroaten in der Vordergrund. Die Serben halten
etwa 70 Prozent des Territoriums.
April 1993 Mazedonien wird unter dem Namen »Ehemalige
jugoslawische Republik Mazedonien« UNO-Mitglied.
Februar 1994 Die NATO greift zum ersten Mal ein und schießt serbische
Flugzeuge ab, die ein Flugverbot über Bosnien
missachtet haben.
März 1994 Bosnische Kroaten und Muslime schließen in Washington
Frieden.
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Mai/August 1995 In zwei Blitzaktionen erobert die kroatische Armee
die UNO-Schutzzonen in Kroatien. Sowohl die serbische
Armee als auch die internationale Gemeinschaft
halten still.
Juli 1995 Serbische Truppen nehmen die muslimische Enklave
Srebrenica ein. Alle Männer zwischen 16 und 60 Jahren,
wahrscheinlich an die 7 000 bis 8000, werden
entwaffnet, abgeführt und ermordet.
September 1995 Mit Luftunterstützung der NATO nehmen kroatische
und muslimische Truppen in Bosnien Teile der von
Serben gehaltenen Gebiete ein.
November 1995 Die Präsidenten Serbiens, Kroatiens und Bosniens
schließen in Dayton (Ohio) einen Friedensvertrag.
Bosnien besteht seither aus zwei weitgehend autonomen
»Einheiten« unter einem losen Dach.
Februar 1996 Im Kosovo tritt mit Bombenanschlägen erstmals die
albanische »Befreiungsarmee« UÇK auf den Plan.
Oktober 1996 In Sofia wird der Ex-Regierungschef Andrej Lukanow
erschossen.
Januar 1997 Nach dem Rücktritt des glücklosen Regierungschefs
Jean Widenow bricht in Bulgarien eine Hungerrevolte
aus.
Februar 1997 Nach dem Zusammenbruch einiger Pyramidensysteme
bricht in Albanien ein Volksaufstand los, der
ein halbes Jahr der Anarchie und der Plünderungen
nach sich zieht.
April 1997 Neuwahlen in Bulgarien bringen die bürgerlichen
Parteien an die Macht. Iwan Kostow wird Regierungschef.
Juni 1997 Bei Neuwahlen in Albanien setzen sich die Sozialisten
durch. Berisha tritt als Präsident zurück.
Februar/März 1998 Nach serbischen Polizeiaktionen gegen die dörflichen
Anwesen des UÇK-Gründers Adem Jashari und anderer
Rebellen, bei denen 87 Menschen ums Leben
kommen, bricht im Kosovo ein albanischer Aufstand
los.
Mai 1998 Der neue montenegrinische Präsident Milo Djukanovic
Z bricht mit Belgrad.
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März 1999 Nach dem Scheitern von Friedensverhandlungen auf
Schloss Rambouillet bei Paris bombardiert die NATO
78 Tage lang Jugoslawien.
Juni 1999 Das Kosovo wird UNO-Protektorat; eine NATOgeführte
Schutztruppe marschiert friedlich ein.
Februar 2000 In drei südserbischen Gemeinden wird eine weitere
albanische »Befreiungsarmee« unter dem Kürzel
UÇPMB aktiv. Der Konflikt wird erst im Jahr darauf
unter NATO-Vermittlung beigelegt.
Oktober 2000 Slobodan Milos¡evicZ wird nach einer gefälschten Wahl
durch Massendemonstrationen gestürzt. In der Folge
werden die Sanktionen gegen Jugoslawien aufgehoben.
März 2001 Eine dritte albanische »Befreiungsarmee« tritt in
Mazedonien auf den Plan.
Juni 2001 Bei der Parlamentswahl in Bulgarien erringt die soeben
gegründete Bewegung des Ex-Königs Simeon
von Sachsen-Coburg-Gotha einen erdrutschartigen
Sieg. Simeon wird Regierungschef.
Juni 2001 Slobodan Milos¡evicZ wird von serbischer Polizei an
das Haager Kriegsverbrechertribunal überstellt.
August 2001 Nach Anschlägen und einigen Schießereien schließen
mazedonische und albanische Parteien in Ohrid ein
Abkommen, an dem die mazedonische UÇK indirekt
beteiligt ist.
März 2002 Die beiden letzten jugoslawischen Teilrepubliken Serbien
und Montenegro einigen sich unter dem Druck
der EU, unter einem gemeinsamen staatlichen Dach
zu bleiben.
Januar 2003 Jugoslawien wird in »Serbien und Montenegro« umbenannt. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.