Baldurs Gate 2 - Thron des Bhaal ist die nahtlos anknüpfende Fortsetzung zum epochalen Rollenspiel Baldurs Gate 2. Obwohl letzteres an Umfang und Wiederspielbarkeit nahezu jedes andere Spiel seiner Zeit übertraf und für lange Spieltage sorgte, erschien nur ein Jahr später schon das dazugehörige Addon, das die ungeduldigen Fans zufrieden stellte.
Eine Woge aus Zerstörung und Leid zieht über die Schwertküste. Dörfer verschwinden, Städte sind nur noch qualmende Ruinen. Hunderte von Menschen sterben. Armeen werden wie aus dem Nichts ausgehoben und überfluten das Land. Die Allgemeinheit fragt sich, wer oder was diese Verwüstung mit sich bringt. So langsam macht sich die Gewissheit breit, dass eines der Kinder Bhaals, des Mordgottes, dafür verantwortlich sein könnte. Den geflüsterten Gerüchten folgen verzweifelte Reaktionen und panische Schreie. Bewahrheitet sich die Prophezeiung des Alaundo, wird die Erde erneut Blut weinen, wenn die Bhaalskinder ihren Anspruch auf ihr Erbe erheben werden. Ihr seid nun eines dieser Kinder, das sich gegen seine Brüder und Schwestern gleichermassen, als auch verhüllte Unbekannte, die an Eurem Tod interessiert sind, behaupten muss. Letztendlich wird nur einer auf den Thron Bhaals steigen können.
Thron des Bhaal bietet dem passionierten Rollenspieler und Liebhaber des überragenden zweiten Teiles eine Vielzahl von attraktiven und sinnvollen Neuerungen. Schon sehr früh kommt man in den Genuss der ersten, grossen Überraschung. In der Hölle, eurem neuen und zukünftigen Domizil angekommen, kann man bequem alle bisherigen Mitstreiter aus früheren Abenteuern herbeirufen und so seine optimale Wunschtruppe zusammenstellen. Dabei taucht auch Sarevok, Euer Bruder und Hauptgegner aus dem zweiten Teil auf. Nach einem Dialog voller Witz und Sarkasmus bietet dieser Euch zu allem Entsetzen seine Unterstützung als Krieger an. Auf jeden Fall wäre die Position des Kämpfers mit ihm optimal besetzt, da er über gewaltige Fähigkeiten verfügt. Fraglich ist nur, ob sich die anderen Mitglieder mit dem gesinnungsmässig bösen Sarevok auch wirklich anfreunden können.
Steht die Wunschgruppe, macht sie sich mit dem neuen Heim vertraut. Dieser dunkle Ort, das sogenannte "Einsprengsel", ist der zentrale Ausgangspunkt des Abenteuers. Zum ersten dient es der Gruppe als Schauplatz der Herausforderung, welche der Hauptprotagonist im Laufe der Geschichte dort bestreiten muss, damit die Story vorankommt. Es dient der Gruppe aber auch als Rückzugsort, um sich etwa gefahrlos erholen zu können oder um sich neu auszurüsten. Komfortablerweise ist es hier auch möglich, ein Ausrüstungsdepot anzulegen. Da es eine kaum tragbare Menge von nützlichen Gegenständen im Spiel gibt, scheint dies recht willkommen.
Hat man neben dem Hauptplot einmal Lust auf etwas Abwechslung, hat sich Bioware eine hübsche Nebenquest einfallen lassen. Zusätzlich zur Hauptgeschichte ist nun ein riesiges Verlies namens "Die wachende Festung" erreichbar. In diesem fünfstöckigen Verlies trifft man mit stetigem Fortschritt auf immer gefährlichere und sagenumwobenere Dämonen, Monster, Geister, einiges dazwischen und am Schluss auf ein uraltes, vergessenes Übel. Diese lassen nach einem Sieg natürlich auch umso mächtigere Gegenstände zurück, die man einsacken kann. Auch zahlreiche berühmte Gegenstände können hier gefunden werden, die Bestandteile von Bauplänen sind. Hat man all die entsprechenden Teile beisammen, kann man sie im Einsprengsel beim Höllenschmied gegen eine Summe Gold zu phantastischen, legendären Waffen zusammensetzen lassen.
Konnte man im Vorgänger mit dem Charakter maximal auf Stufe achtzehn aufsteigen, ist es jetzt möglich, die unglaubliche vierzigste Stufe zu erklimmen und satte acht Millionen Erfahrungspunkte zu kassieren. Krieger erlangen dabei etwa mächtige Spezialfähigkeiten, mit welchen sie den Gegner mit einem erfolgreichen Treffer sofort ausschalten. Oder sie verbessern ihre allgemeine Magieresistenz, um effizienter zu kämpfen. Die Magier können neu die Macht des neunten und zehnten Zaubergrades entfesseln, mit diesen sie urmächtige Magie wie zum Beispiel Drachenodem oder Zeitstopp zu wirken in der Lage sind. Druiden und Priester wirken jetzt bestimmte Auftragszauber, die eine extrem tödliche Verteidigung erlauben oder es ihnen ermöglicht, verschiedene hochentwickelte Formen der Gestaltwandlung anzunehmen. Auch die Diebe werden mit neuartigen Fallen zusammen mit ihrem verbesserten Hinterhalt zu vernichtenden Gegnern.
Neben der gigantischen Auswahlmöglichkeit an verschiedenen Charakterklassen ist mit diesem Abenteuer nun eine neue Klasse geboren. Spielt jetzt die Magierklasse des Hasardeurs. Wirkt mit ihm unberechenbare, chaotische Magie.
Optisch präsentiert sich Thron des Bhaal im alten Gewand und damit wie der Vorgänger. Es ist immer noch zweidimensional. Aber das muss nicht unbedingt unschön lauten. Baldurs Gate 2 war schon damals absolut stimmig mit dieser Grafikengine, die Architekturen sind wunderschön, äusserst detailliert gestaltet und wirken sehr archaisch. Die Charaktere sind zwar stellenweise leicht verwaschen, das stört aber nicht ein bisschen. Es trägt eher zum alten Charme des Spieles bei, ausserdem ist es doch nicht mehr das neuste. Die Effekte sind gelungen, und runden das optische Bild ab, besonders Feuerelementare sind ein Blickfang.
Soundtechnisch überzeugt das Spiel auch. Die Synchronisation ist nach wie vor grandios. Die Stimmen sind sehr gut gewählt. In den verschiedenen Gefilden erklingen Backgroundgeräusche wie das Summen und Zirpen von Insekten oder das Knacken der Äste im Unterholz. In den städtischen Regionen kann man Stimmenwirrwar und handwerkliches Treiben im Hintergrund vernehmen, was die Atmosphäre verdichtet. Die Musik ist noch ein Stück besser als im Vorgänger. Sie ist rasanter und beherrscht es besser, eine gewisse Pathetik an bestimmten Stellen zu erzeugen. Zuweilen sind es aber auch sehr schöne, melancholische Melodien, die das Unbekannte beschreiben.
Fazit: Das umfangreichste Rollenspiel-Addon seit Jahren. Rollenspieler, die zudem mit dem Dungeon and Dragons-Grundwerk etwas anfangen können, werden hier nicht lange überlegen. Ein wirklich fulminanter Abschluss dieser unvergesslichen Geschichte.