Zu Beginn des neuen Jahrtausends zeigt sich die globalisierte Weltwirtschaft mehrdimensionalen Repressalien ausgesetzt. Volatile Kapitalmärkte lassen finanzielle Investitionen und Transaktionen unsicher erscheinen, während gleichzeitig Binnenkonjunkturen durch ausbleibende Einzelhandelsumsätze unter Druck geraten. Veränderte juristische Transparenzerfordernisse erwecken die internationale Corporate-Governance-Kultur zum Leben und schaffen somit eine veränderte Erwartungshaltung der Stakeholder. Aufgrund einer fehlenden Homogenität der Unternehmensentwicklung werden Planwerte schneller zu Makulatur als sie in mühsamen Prozessen entwickelt wurden. In diesem Szenario veränderter Anforderungsparameter einer Post-Wachstumsphase reanimieren die Unternehmen ihre Controlling- und Risikomanagement-Abteilungen als zentrale Funktionen, um ihrer Unternehmensentwicklung Nachhaltigkeit und Stabilität verleihen zu können.
In diesem spannenden Szenario aufbrechender struktureller Integritäten sind Steuerungs- und Kontrollinstrumente ebenso wie Simulations- und Frühwarnmodelle in den Fokus der Unternehmenspolitik gerückt. Dabei kommt jedoch den prognostischen und prophylaktischen Fähigkeiten der Controllinginstrumente eine permanent wachsende Bedeutung zu, lassen doch die Strukturbrüche der Unternehmensumwelt keine langfristige Planung, geschweige denn die Unterstellung einer Zeitstabilitätshypothese zu. Ex-post- Betrachtungen erlauben die Analyse der Entwicklung des Ist-Zustandes, negieren jedoch einen Forecast in die Zukunft. An diesem neuralgischen Punkt setzte vor gut zehn Jahren das Konzept der Balanced Scorecard an, indem nicht nur die retrograden Finanzdaten der Rechnungslegung, sondern darüber hinaus die zukunftsentscheidenden Daten der unternehmerischen Innovationskraft, der Erfüllung von Kundenerwartungen sowie der unternehmensinternen Leistungsbereitschaft und -fähigkeit aufgezeigt werden. Historische Analysen der Entwicklung finanzieller Daten werden mit prognostischen Zukunftspotenzialen verknüpft, um derart die nachhaltige Überlebensfähigkeit eines Unternehmens abbildbar, prognostizierbar und steuerbar zu machen.
In seinen theoretischen Qualitäten gilt das Konzept und die Idee der Balanced Scorecard als immer noch innovativ, problemlösend und unbestritten. Allein an der Umsetzung in der Praxis scheiden sich die unternehmerischen Geister. Angefangen bei der Subjektivität und der grundsätzlichen Messbarkeit der gewählten Steuerungsgrößen, über die Validität und Reliabilität der Methodik werden Ergebnisse der Balanced Scorecard in wissenschaftlichen und praxeologischen Diskussionen grundlos aufgerieben. Dabei will die Balanced Scorecard doch nur einen Nutzen zusätzlicher, gegenwarts- und zukunftsbezogener Informationen generieren.
Gerade in dieser Klarstellung des eigentlichen Anwendungsgebietes der Balanced Scorecard liegt die besondere Leistung Frank Romeikes, der in seinem Buch in anschaulicher Weise Praktikern den tatsächlichen Nutzen des Mythos "Balanced Scorecard" näher bringt, ohne dabei die fundamentalen Vorteile dieses Instrumentes zu entmystifizieren. Mit hoher fachlicher Kompetenz schlägt er die Brücke von wissenschaftlich fundierten Ansätzen zu praktischen Anwendungen der Balanced Scorecard. Dass er sich dabei auf die Versicherungswirtschaft konzentriert, zeigt sein Gespür für eine Branche, die aufgrund jahrzehntelanger Marktregulierung noch gewisse Adaptions- und Evolutionsnotwendigkeiten ihres Controlling-Instrumentariums aufweist. Mit diesem Buch kann es der Versicherungswirtschaft gelingen, wieder auf Augenmaß mit aktuellsten Controlling-Ansätzen zu gelangen und eine erfolgreiche Führungsrolle in internationalen Volkswirtschaften einzunehmen.
Professor Dr. Matthias Müller-Reichart