Nicht nur die Balance des Pferdes oder des Reiters, auch der Balanceakt zwischen Körper und Psyche, Hilfengebung und Wahrnehmung oder Medaillenjagd und Streichelzoo (das gefällt mir besonders) - all das ist in dem Buch enthalten. Und immer wieder gilt doch: in dubio pro equo! Die Tiefe dieses Buches ist mit einem Mal Lesen nicht zu erfassen und man wird sich sowieso immer wieder hinein vertiefen, weil es einfach sehr schön gemacht ist.
Es gibt dem Leser eine gigantische Fülle von Wissen und Material an die Hand und in den Kopf um Zusammenhänge zu begreifen, richtig zu reiten (egal in welcher Disziplin) und Problemlösungen zu erarbeiten. Aber es ist nichts für Leute die Probleme schnell von Zauberhand gelöst haben wollen - sondern ein Buch für Leute die es verstehen wollen, die sich nicht vor Grundlagenarbeit scheuen und langfristige Verbesserungen erreichen möchten. Damit ist es auch aktiver Tierschutz. Denn am Ende läuft es immer wieder darauf hinaus: die eigene Balance und die Balance des Pferdes. Dazu kommt eine feine Wahrnehmung für das was man selbst tut und für die Reaktionen des Pferdes. Und je eher man sich darauf einlässt, umso schneller findet man die so heiß ersehnte Harmonie.
'Wait for your horse' ist mein Lieblingsspruch. Denn das Pferd zeigt dir, wenn es soweit ist, das zu tun, was immer du von ihm erwartest. Mit Zug, Druck, Härte und Gewalt wird kein Pferd jemals entspannt folgen können.
Und pauschale und schnelle Lösungen gibt es sowieso nicht. Es gibt nur diesen Weg: gesunder Pferdeverstand, viel fachliches Wissen (sehr gern auch das alter Meister), viel Erfahrung (sehr gern auch die anderer guter Ausbilder) und Geduld: wait for your horse ...