Vorweg:
Ich bin ein riesiger Animefan und mit den unzähligen Serien, die damals auf RTL 2 liefen, aufgewachsen. Sie waren und sind ein bedeutender Teil meines Lebens. "Bakugan" habe ich damals allerdings nicht gesehen, weil es mich nicht angesprochen hat, obwohl ich Beyblade- und Yu-Gi-Oh!-Fan war und bin. Jetzt habe ich es nachgeholt und war mittelschwer entsetzt, welcher Blödsinn da fabriziert wurde und dass solch eine Serie auf DVD erscheint, viele andere aber bis heute nicht erschienen sind z. B. "Digimon" oder "Monster Rancher".
"Bakugan" ist jedoch eine Serie ganz ohne Gewalt und Düsternis. Kleine Jungs unter 10 Jahren dürften ihren Spaß haben, müssen sich nicht fürchten oder über etwas nachdenken. Eben simple und harmlose "Unterhaltung" wie "Power Rangers".
Story und Charaktere:
Wo soll man hier nur anfangen? Man ärgert sich schon vor dem Gucken über die unübersehbare Nachahmerei von "Beyblade" und "Yu-Gi-Oh!". "Duel Masters" hat zwar noch bedeutend dreister kopiert, konnte aber wenigstens mit guten Zeichnungen und einer einigermaßen spannenden Story punkten. "Bakugan" hat nichts von beidem.
Storys sind bei derartigen Serien meist Standard: Ein paar Kids müssen die Welt vor dem Bösen retten.
Okay, so wenig Story ist eigentlich gar nicht mein Fall, aber diese, ich nenne sie jetzt mal Kindheits-Animes, sind meist derart packend und wendungsreich erzählt, dass man darüber hinwegsehen kann. Darum werde ich auch bei "Bakugan" nicht weiter auf der kaum vorhandenen Story rumreiten.
Allerdings fehlt mir dabei gänzlich Innovation und Entwicklung. Alles wurde von vorne bis hinten schlecht nachgeifert. Spannende Charaktere, Storytwists oder dergleichen fehlen komplett.
Das fängt ja schon bei den Charakteren und deren Monster an. Jeden einzelnen Charakter hat man schon woanders gesehen (Kenny aus "Beyblade" wird besonders gern kopiert), jeder von ihnen ist Standard, hat wenig Tiefe und Persönlichkeit und ist austauschbar.
Einen guten Hauptcharakter gibt es nicht. Daniel ist ein selbstverliebtes, oberflächliches Kleinkind. Ich mochte ihn seit der ersten Folge nicht. Normalerweise nehmen Hauptcharas, obwohl ich meist stets Fan der Einzelgänger oder Verrückten bin, einen besonderen Stellenwert ein. Meist sind es Außenseiter (Naruto), herzensgute Personen (Ruffy aus "One Piece" oder Yugi aus "Yu-Gi-Oh!"), schusselige Typen (Ranma) oder so mutige wie kluge Anführer (Tai aus "Digimon", Genki aus "Monster Rancher" oder Inuyasha), mit denen man mitfiebern kann, die Persönlichkeit besitzen, sich weiterentwickeln und andere mitziehen. Daniel bzw. Dan aus "Bakugan" ist und hat nichts von alledem. Aber auch sämtliche anderen Charas sind ziemlich substanzlos. Keinen mag man wirklich und keiner hat Wiedererkennungswert.
Die Monster bzw. Bakugan sind nicht besser als die menschlichen Darsteller. Man sieht deutlich, dass sich beim Design keiner Gedanken gemacht hat. Man wollte einfach zu den Elementen irgendwas haben und fertig. Nach mehr sieht es nicht aus. Die Bakugan sind von vorne bis hinten austauschbar, besitzen keinen Wiedererkennungswert und keine Persönlichkeit. Höchstens Skyress, Silent Naga und Wavern sehen etwas interessant aus. Ansonsten sieht man keinerlei Innovation und Inspiration. Eben lieblos dahingeklatscht.
Zeichnungen:
Was sämtliche Charas ebenso schlecht macht, sind die miesen Zeichnungen. Bei "Shin Chan" ist das beispielsweise völlig egal, weil die Serie unendlich viel Spaß macht, aber bei "Bakugan" fällt das sehr negativ auf. "So wenig Aufwand wie möglich" schien das Motto gewesen zu sein. Die Bewegungen sind einfach, oft stockend, ungelenk und steif, Szenen wiederholen sich der Einfachheit halber ständig, die Bakugan bewegen nur selten ihren Mund und auf coole Perspektiven und Spielereien wurde ganz verzichtet. Alles ist sehr, sehr einfach gehalten und ohne viel Schatten- und Farbvariation (bessert sich alles ab Staffel 2). Das macht überhaupt keinen Spaß und habe ich so auch noch nie gesehen.
Dialoge und Synchro:
Dass bei derartigen Animes die Dialoge nicht immer auf hohem Niveau sind, weiß man. Gerade in solchen Animes werden gerne befremdliche und unnötige Sätze formuliert. Das kennt man und man kann drüber hinwegsehen. Auch das ist bei "Bakugan" etwas anders. Hier sind die Dialoge derart einfach gehalten und schlecht gemacht, dass man sich zuweilen an den Kopf fasst. Man nehme nur mal die Anfangsszene mit Naga: "... Die Kraft, spüre die glorreiche Kraft. Mehr! Großartig die Kraft. Die unendliche Kraft baut sich in mir auf. Nein! Was ist passiert? Eine Überladung mit negativer Energie! Ich kann das Gleichgewicht nicht kontrollieren. Zu viel! Zu viel! Nein! Nicht genug positive Energie! Außer Kontrolle! Neeeeeeein!" Und das ohne Punkt und Komma! Da sich die Serie wahrscheinlich eh nur weit unter Zehnjähige antun können, brauchen die vielleicht ein derartig erklärendes Gequatsche. Alle anderen nervt und verwundert es nur.
Jede andere Serie, die ich kenne, glänzt immer wieder mit nachdenklichen, tiefgründigen Dialogen, Weisheiten und Erkenntnissen. Auch das fehlt in "Bakugan" komplett. Alles ist einfach, ohne Düsternis, ohne Tiefgründigkeit, ohne Ungerechtigkeit, ohne Gewalt, ohne Lehre, ohne tieferen Sinn. Für kleinere Kinder natürlich ideal!
In der Serie tummeln sich viele bekannte und gute Synchronsprecher, die manchmal ihr Bestes geben, manchmal aber auch nicht. Wahrscheinlich war auch ihnen das Ganze zu banal.
Nervfaktor und Albernes:
Ich muss es seperat ansprechen. "Bakugan Kampf! Bakugan Stand!", hört man gefühlte 100mal pro Folge und das geht einem wahnsinnig auf die Nerven!
Und dann dieses mega obercoole "Spieler des Schicksals". *würg*
Kleine Jungs finden das aber bestimmt richtig cool!
Intro und Musik:
Was wäre ein Kindheits-Anime ohne Ohrwurm-Intro? Es grenzt fast schon an Kunst, dass "Bakugan" hier ebenfalls völlig abkackt. Der Song ist zum Fremdschämen schlecht und voller Anfänger-Haus-Maus-Reime. Jedes Kind hätte bessere Reime und eine bessere Melodie hinbekommen. Mehr als einmal ist das Ganze nicht zu ertragen.
Mir ist kein einziger Anime ohne guten Intro-Song bekannt!
Auch sonst herrscht musikalisch tote Hose. In der Serie selbst gibt es fast nichts. Wenn man genau hinhört, vernimmt man ein paar leise E-Gitarren-Klänge und das war's. Mehr gibt es nicht. Darf ich an dieser Stelle mal an Serien wie "Naruto", "Inuyasha", "Ranma 1/2", "One Piece", "Detektiv Conan", "Digimon", "Pokemon", "Yu-Gi-Oh!" usw. erinnern? Gerade "Naruto" und "Inuyasha" bieten wunderbare Musikuntermalung.
Ich wage es kaum zu sagen, aber selbst Geräusche z. B. von Monstern oder der Kämpfe sind Fehlanzeige. Alles kommt vom Band, passt nicht oder ist plump.
"Bakugan" ist in jeder Hinsicht eine klangtechnische Vollkatastrophe.
Humor:
"Bakugan" ist zwar vollkommen harmlos, besitzt aber auch nicht viel Humor. Ich habe nur ein einziges Mal gelacht. Wer Serien wie "Ranma 1/2" oder "One Piece" kennt, weiß wie viel es dort zu lachen gibt, obwohl z. B. "One Piece" recht ernst und erst ab 16 freigegeben ist!
Das Spiel Bakugan und die fehlende Spannung:
Bakugan ist das banalste Spiel, das ich kenne und trotzdem bin ich bis zum Schluss nicht ganz durch die Regeln gestiegen. Betrachtet man nur mal Duel Monsters aus "Yu-Gi-Oh!", ein komplexes und sehr unterschätztes Spiel, das man nach einigen Folgen zumindest grundlegend verstanden hat, verwundert es stark, dass das bei Bakugan nie gelingt. Zwar wurde von "Yu-Gi-Oh!" das Zauberkarten-Fallenkartenprinzip übernommen, aber wie genau das alles funktioniert kapiert man auch wegen der scheinbaren Willkürlichkeit der Aktionen nicht und das macht keinen Spaß. Wo man bei "Yu-Gi-Oh!" oder "Beyblade" mehrere Folgen lange Duelle verfolgt und vor lauter Anspannung Schweißausbrüche bekommt, sitzt man bei "Bakugan" gelangweilt vor der Glotze und hofft, dass es bald vorbei ist. Das Nichtverstehen des Spielprinzips, die schlechten Zeichnungen, die ungelenken Bewegungen, die fehlende Dynamik und die geringe Abwechslung in jeglicher Hinsicht tragen dazu bei.
Noch dazu wiederholt sich jede Folge endlos. Ein bisschen dummes Gelaber und dann irgendwann ein Kampf. Dann ist der stinklangweilige Kampf vorbei und gut ist. Wenn man Glück hat, kommt nebenher auch mal die lahme Story ein wenig voran.
Wer auf ein gelungenes Finale hofft, dürfte allerdings enttäuscht werden. Es verläuft ähnlich unspektakulär wie der Rest und ist bis zur letzten Sekunde Standard.
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Fazit:
"Bakugan" ist eine schlecht gezeichnete Serie mit Standard-Story, Standard-Charakteren, Standard-Verlauf, austauschbaren Monstern und depperten Dialogen. Die Regeln des banal einfachen Spiels bleiben undurchsichtig und die Kämpfe sind unendlich lahm. So viel Langeweile ist kaum zu ertragen. Es ist wirklich eine Qual, sich durch die über 50(!) Folgen zu gucken.
Wer "Bakugan" sehen möchte, kann sich die Serie momentan auf Youtube (Bakupedia inklusive Staffel 2) oder bei Lovefilm ansehen, sofern einen der begrenzte Bildschirmausschnitt nicht stört (ist das auf DVD auch so?). Ich habe sie auf die PS3 gestreamt, denn derart viel Geld für eine derart schlechte Serie hinzulegen, hätte verdammt weh getan.
Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass kleine Jungs ihre helle Freude an "Bakugan" haben, aber dem Rest kann ich nur dringstens abraten.