Was soll ich noch großartig erklären? Zwei Frauen, die beide aus sozial schwachen Gegenden kommen, haben bereits in jungen Jahren schon so weit genug vom Leben, dass Ihnen die beiden Morde, die sie begangen haben gar nichts ausmachen. Ganz im Gegenteil. Die beiden treffen zufällig aufeinander und schießen und "schlafen" sich dann weiter durch Frankreich. Natürlich immer mit genügend Alkohol im Blut, nicht zu vergessen.
Die ersten 12 Kapitel erzählen jeweils abwechselnd von den Einzelschicksalen der beiden Protagonistinnen, im 13. Kapitel des ersten von insgesamt 3 Teilen treffen sie dann aufeinander. Ab da nimmt das Buch richtig an Fahrt auf, was wohl auch der sehr knappen Sprache und den zu meist sehr kurzen Kapiteln, die zwar zusammenhängen, dennoch aber oft wie individuelle Sequenzen anmuten, zu verdanken ist. Anfangs war ich manchmal geneigt das Buch beiseite zu legen, weil mir die Autorin doch ein wenig mit Stereotypen zu spielen schien, was sich aber im Verlauf der Lektüre änderte. Letztendlich erscheint mir "Baise-moi" einfach nur als eine extrem überspitzt dargestellte Geschichte zweier "Ausreißer aus der Gesellschaft". Die Beschreibungen der sinnlosen Gewalt und der Sexszenen sind definitiv explizit, aber bis auf eine Szene, die mich wirklich ein bisschen schockte, hat mich das nicht davon abgehalten weiterzulesen. Ich wollte einfach wissen, wo das alles die beiden "Damen" hinführen würde. Man mag vielleicht geneigt sein zu behaupten, das es spätestens ab der Mitte des Buches vorhersehbar ist was die beiden als nächstes machen und das mag sogar stimmen. Dennoch wollte ich aber wissen, ob sie tatsächlich so weiter machen, denn wie fertig oder abgebrüht oder aber dumm muss man denn sein, um am hellichten Tag um sich zu ballern, völlig egal, ob und wieviele Zeugen es gibt oder geben kann... Das hat bei mir schon irgendwie, zumindest ganz leicht, Interesse geweckt.
3 Sterne gebe ich also, weil es eben ein ganz gutes Buch für zwischendurch ist und auch wenn es nicht das einzige Buch mit derart krassem Inhalt ist, ist es doch "mal was anderes". Spannung baut sich nicht wirklich auf, das geht auch gar nicht, dafür geht hier alles viel zu schnell. Wenn man also kein Problem mit ungeschminkten (um es mal harmlos auszudrücken!) Gewalt- und Sexszenen hat und mal sehen möchte, was mit 2 Menschen passiert, die keine Perspektive und auch gar keine Lust mehr haben, der kann hier ruhig zuschlagen. Ein Muss ist dieses Buch aber nicht, für niemanden!