Kurzbeschreibung
Der Klassiker, der Nouvelle Vague inspirierte: El Baile Alemàn Kraftwerk auf Lateinamerikanisch? "The Robots" in einer Cha-Cha-Cha-Version? "The Man Machine"-Merengue? Uwe Schmidt, ein in Chile lebender Deutscher, macht einen Traum, den bis dahin nie jemand wagte zu träumen hat, wahr. Schmidt, der mehr Pseudonyme hat als zwei Hände Finger, verkörpert auf El Baile Aleman Señor Coconut, einen elektronischen Bandleader, der seinen Sampler bis unter die Hutschnur mit dem Lebenswerk des Mambo-Gottes Dámaso Pérez Prado voll geladen hat. Wo ehemals vier ernst dreinblickende junge Deutsche stoisch den vor ihnen stehenden Maschinenpark bearbeitet haben, um den typisch unterkühlten Kraftwerk-Sound zu erzeugen, steht nun eine achtköpfige virtuelle Band und spielt zum Tanz auf. Elegante lateinamerikanische Versionen der besten Kraftwerk-Stücke aller Zeiten, zusammengesetzt aus unzähligen Miniatur-Mambo-Splittern, laden zum Paartanz ein, funktionieren allerdings auch in der Bar Ihres Vertrauens oder am Strand unter Palmen ganz hervorragend.
Auf El Baile Alemán (der deutsche Tanz) tat Schmidt das für einen deutschen Elektro-Künstler mit einer Faszination für lateinamerikanische Rhythmen und Instrumentierung einzig Logische: Mit Kraftwerk coverte er deutsche Ikonen und deren größte Hits — „Showroom Dummies“, „Trans Europe Express“, „Autobahn“ und andere – im exotischen Stil, von Cumbia bis Merengue mit Argenis Brito von Mambotour und dem chilenischen Polit-Rocker Jorge Gonzalez von Los Prisioneros am Gesang. El Baile Alemán ist nicht bloß reine Spielerei, sondern eher eine Art Dissertation über die internationalen Gegensätze in der Popmusik, die unterschwellig das konventionelle Wissen über Authentizität, Identität und Tradition justiert. Dabei – und das ist einer seiner größten Erfolge – wird demonstriert, dass Kraftwerk sich nicht nur mit Technik und Ikonografie auskannten, sondern auch ziemlich großartige Songwriter waren. Gleichzeitig fordert das Album die Definition reiner „elektronischer Musik“ heraus und erinnert die Zuhörer daran, dass zeitgenössischer Salsa und Merengue oft genauso gut durchprogrammiert werden müssen wie der verfrickelste Teutonentechno.
Der Künstler über die CD
Florian Schneider über Uwe Schmidt/Atom™ und das Baile Aleman Album: Als ich zum ersten Mal die Aufnahmen zu El Baile Alemán hörte, fragte ich mich: Ist dies eine lateinamerikanische Studioproduktion oder eine Live-Aufnahme? Musikalisch machte die ganze Sache Sinn, denn Latino-Rhythmen sind extrem präzise, ganz genau wie elektronische Sequenzer. Mich fesselten zunächst die extrem ausgearbeitete Programmierung und der Sound. Es ist für mich eine zeitgenössische Version von „Esquivel“. Ich hätte nicht gedacht, dass ein rothaariger Latino aus Frankfurt hinter den Aufnahmen stand.: Ich liebe Señor Coconuts raffinierten Humor und seine feine Ironie. Es war wirklich an der Zeit, dass dies gemacht wurde, war mein erster Gedanke als ich diese Latin-Covers von Kraftwerk hörte