Seit jeher verbinde ich mit dem Namen Michel Portal und dessen Musik etwas, das mich sehr anspricht. Doch ging ich dem nie nach, hatte von Portal auch nie 'ne Platte. Dann kam "Bailador", im letzten Jahr, und das gesellt sich jetzt neben Werke von Sidsel Endresen, David Sylvian - among a bunny bunch of other things - zum Jahresbesten aus Zweitausendelf.
Die Musik ist spritzig und belebend, entspricht dem Element Feuer. Eine Recherche ergab, dass es Portal in erster Linie darum gehe, einfach nur Spass zu haben beim Musizieren und das hört man auch. Ethno-Elemente und Folklore aller Weltteile verweben sich mit der Tradition des Jazz in einer unangestrengten Spielfreude, fernab jeder krampfhaften Bemühung um Originalität: vielmehr schlichtweg und freiweg wird aufgespielt.
Jack de Johnette ist mit von der Partie. Der hatte ja schon immer ein Faible für magisch angehauchte Rhythmen - so zu hören etwa auf "Dancing With The Nature Spirits" (ecm). Diese Naturgeister bringt er auch auf "Bailador" zum Tanzen. Der vielbeschäftigte Scott Colley spielt den Bass. Sein Sound ist ähnlich satt und erdig wie der des Charlie Haden, aber knackiger - not to say: more funky.
Dazu gesellen sich Ambrose Akinmusire an der Trompete, der Gitarrist Lionel Loueke, Bojan Z an Piano und Keyboards - und Meister Portal an Saxophonen und Bassklarinette. Alle spielen dabei unaufgeregt, aber mit Verve. Das letzte Stück heißt "Tutti No Hysterique" frei übersetzt: alles, bloss nicht hysterisch werden. Und so knistert es denn auch dahin wie ein akustisches Kaminfeuer - that keeps you safe, warmhearted and ... dancing.