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Bahnwärter Thiel: Und andere frühe Meistererzählungen
 
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Bahnwärter Thiel: Und andere frühe Meistererzählungen [Taschenbuch]

Gerhart Hauptmann
3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 124 Seiten
  • Verlag: Ullstein Taschenbuch (1. Oktober 2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 354823755X
  • ISBN-13: 978-3548237558
  • Größe und/oder Gewicht: 18,3 x 11,6 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 254.629 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Schattenexistenzen, Traumgestalten, in denen sich Wahn und Wirklichkeit mischen, bevölkern die Texte Gerhart Hauptmanns. Dieser Band vereint drei frühe Erzählungen, jede ein naturalistisches Meisterstück. · Fasching · Bahnwärter Thiel · Der Apostel

Autorenporträt

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Hauptmann, Gerhart dt. Schriftsteller *15.11.1862 Obersalzbrunn (Schlesien) †6.6.1946 Agnetendorf (Riesengebirge) Bahnwärter Thiel, 1888 Gerhart Hauptmann gilt als Hauptvertreter des Naturalismus (Stichwort R S. 471) in Deutschland sowie als Begründer des modernen sozialen Dramas. Eindringlich stellte er die Wirklichkeit der industrialisierten Gesellschaft dar. 1912 wurde er mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Der Sohn eines Hotelbesitzers zeigte sich nach dem Besuch der Realschule, die er ohne Abschluss verließ, zunächst unentschlossen. Er war ein Jahr lang Landwirtschaftseleve, schrieb sich für verschiedene Studiengänge ein, betätigte sich als Bildhauer und unternahm eine Romreise. Die Heirat mit einer Großkaufmannstochter 1885 ermöglichte ihm schließlich eine Existenz als freier Schriftsteller. Hauptmann lebte abwechselnd in Berlin, Agnetendorf sowie auf Hiddensee. Seine indifferente Haltung während des Nationalsozialismus blieb bis heute ein umstrittener Punkt seiner Biografie. Bereits mit seinen ersten naturalistischen Dramen (Vor Sonnenaufgang, UA 1889; Die Weber, UA 1893) erregte Hauptmann großes Aufsehen, doch verschrieb er sich nicht allein dieser literarischen Strömung. Mythische und märchenhafte Elemente finden sich bereits in frühen Arbeiten (Hanneles Himmelfahrt, UA 1893) und durchziehen sein gesamtes Werk. Biografie: W. Leppmann, Gerhart Hauptmann, 1996; K. L. Tank, Gerhart Hauptmann (rm 50027

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Wie ein Maler zeichnet Gerhart Hauptmann mit geschicktem literarischen Pinsel in seiner wohl besten und bekanntesten Erzählung „Bahnwärter Thiel" von 1887 das Bild eines introvertierten, in seiner Arbeit aufgehenden Bahnwärters und dessen trister, karger Umgebung in einem kleinen Dorf, das nicht zufällig „Schön-Schornstein" heißt.

Nach dem Tod seiner ersten, schmächtigen Frau Minna, die in den Augen der Bevölkerung so gar nicht zu Thiel, dem Bahnwärter, passte, dauert es nur ein Jahr bis ein neues Weib an seiner Seite steht, nämlich die kräftige Lene, die sich sofort aller Dinge des Haushalts und der Verwaltung sowie Tobias, dem Sohn aus erster Ehe, annimmt. Lene gewinnt immer mehr Kontrolle über Thiel und unterjocht, seit sie eigenen Nachwuchs zur Welt gebracht hat und die Liebe Thiels zu Tobias immer größer zu werden scheint, ihr Pflegekind. Thiel merkt zwar, dass etwas schief läuft, kann sich aber nicht aus seinem Phlegma und befreien. Sein eigenes Haus wird ihm zum Gefängnis, seine eigenen vier Wände zur engen Zelle, aus der er sich nur dann befreien kann, wenn er zur Arbeit geht. Immer mehr wird ihm bewusst, dass Minna die Frau seines Lebens war und ist. So wird sein kleines, abgelegenes Wärterhäuschen zum einzigen Ort der „Andacht", zu seinem „geheiligtes Land", zu seiner „Kapelle", wo er seiner Minna gedenken kann. Als Tobias eines Tages bei einem Ausflug zu den Bahngleisen vom Zug erfasst und tödlich verletzt wird, weil Lene nicht Acht gegeben hat, hat das Leben für ihn keinen Sinn mehr und er flüchtet sich in eine Traumwelt, in der er endlich in der Lage ist, sich - wenn auch posthum - zu wehren. Das allerdings auf sehr radikale Weise...

Gerhart Hauptmann schafft es mit seiner einfachen, aber gerade dadurch mitreißenden Symbolik und Sprache einen bemitleidenswerten Charakter, den des Bahnwärters Thiel zu kreieren, der durch die tragische Situation zum Antihelden wird. Durch die geschickten literarischen „Pinselstriche" entsteht beim Rezipienten ein plastisches Bild der beklemmenden Behausung und Umgebung.

Die Erzählung schafft es auch nach über 100 Jahren noch mitzureißen und auf eigentümliche Art zu faszinieren. Ein zeitloses Werk, das es wert ist, gelesen zu werden.

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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
'Bahnwärter Thiel' has everything; suspense, jealousy, humour, depression and tragedy. Set in Neu-Zittau, Brandenburg, the novel is Hauptmann's second 'study' and signifies the shift of naturalist writing from the stage to prose. Hauptmann's youthful desire to expand the boundaries of realism and to address issues such as working class life, religion and sexual appetite are prevalent in 'Bahnwärter Thiel', not least through Thiel's own life experiences. The study also contains references to recent developments in German industrialisation; notably the building and expansion of the railways and new urban civilisation.

The plot centres around Thiel, a railway watchman and devoted father of Tobias. Thiel's deep religious conviction and strong spiritual bond with Minna, his first, now deceased, wife are plain from the outset and are heightened when we learn of the shrine which he has created in her memory. His subsequent marriage to Lene, a cow maid, begins to show signs of failure on account of her constant nagging and argumentative nature, coupled with her obvious mistreatment of Tobias. Ultimately, it is Lene's inexcusable neglect of Tobias and Minna's appearance during Thiel's vivid dreams which lead to the powerful change in his psychological state and the plot's climax.

The highly detailed sentences, the long, eloquent descriptions of the countryside and its symbolic colours show 'Bahnwärter Thiel' to be a fine naturalist novel. The use of indirect speech ('indirekte Rede') to describe Thiel's emotions, coupled with the distinct shortening in time from chapter to chapter allow the reader to feel part of the action and drive the story forward to its emotional conclusion.

To satisfied readers, Hauptmann's later 'Novelle', 'Der Apostel' offers itself as an excellent sequel, as many of the themes in 'Bahnwärter Thiel' are echoed here, in particular matters concerning religion and sexuality and the power of dreams.

Despite being appreciated primarily as a playwright, Hauptmann's early dabbling in naturalistic prose has been heralded as a triumph by authors, readers and critics alike. 'Bahnwärter Thiel' is packed full of emotions which will leave even the most hard-hearted reader fighting back the tears: it is an inspiring and thoroughly recommendable book.

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6 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Lothar Müller-Güldemeister TOP 500 REZENSENT
Gerhart Hauptmann ein "Meister" und seine Erzählungen "Meistererzählungen"? Hauptmann, der selbsternannte Nachfolger Goethes, war in erster Linie ein Meister der Selbstbeweihräucherung.

Die hier vorliegenden Erzählungen kann ich allenfalls als mittelmäßige Schreib- und Stilübungen anerkennen, ohne Pointe, ohne Unterströmung, Witz oder Ironie, ohne Rhythmus oder Stilempfinden, ohne ein Gefühl für Überflüssiges oder die Kunst des Auslassens. Jeder beliebige Satz offenbart Hauptmanns höchst konventionelle, fast beamtenhafte Schreibe im Stil seiner Zeit, weder kritisch, noch wegweisend oder innovativ: "Der Hilfswärter, ein infolge des bei seinem Dienst unumgänglichen schnellen Temperaturwechsels schwindsüchtig gewordener Mensch, der mit ihm im Dienste abwechselte, stand schon fertig zum Aufbruch auf der kleinen sandigen Plattform des Häuschens, dessen große Nummer schwarz auf weiß weithin durch die Stämme leuchtete". Was mich sogleich an die Realsatire der Definition der Eisenbahn durch das damalige Reichsgericht 1879 erinnerte ("Eine Eisenbahn ist ein Unternehmen, gerichtet auf wiederholte Fortbewegung von Personen oder Sachen über nicht ganz unbedeutende Raumstrecken auf metallener Grundlage, welche durch ihre Konsistenz, Konstruktion und Glätte den Transport großer Gewichtsmassen beziehungsweise die Erzielung einer verhältnismäßig bedeutenden Schnelligkeit der Transportbewegung zu ermöglichen bestimmt ist, und durch diese Eigenart in Verbindung mit den außerdem zur Erzeugung der Transportbewegung benutzten Naturkräften - Dampf, Elektrizität, tierischer oder menschlicher Muskeltätigkeit, bei geneigter Ebene der Bahn auch schon durch die eigene Schwere der Transportgefäße und deren Ladung usf. - bei dem Betriebe des Unternehmens auf derselben eine verhältnismäßige gewaltige, je nach den Umständen nur bezweckterweise nützliche oder auch Menschenleben vernichtende und menschliche Gesundheit verletzende Wirkung zu erzeugen fähig ist").

Wenn man sich anschaut, mit welcher Eleganz, Lässigkeit und Härte demgegenüber Schiller, Büchner, Kleist, E.T.A. Hofmann oder selbst C.F.Meyer formuliert haben, oder wenige Jahre später Robert Walser und Kafka, dann sieht man, wer der Meister ist und wer der unbegabte Schüler. Die Lektüre der drei hier versammelten Geschichten, darunter "Fasching", einer lächerlichen Moritat mit der sauren Moral "Übermut tut selten gut", und "Bahnwärter Thiel", einer vulgärpsychologischen Studie über einen stumpfsinnigen Beamten taugt für meine Begriffe nur dazu festzustellen, von was für mediokren Schreiberlingen die Nobelpreisträger-Macher sich doch immer wieder blenden lassen, von Hauptmann ebenso wie von seinen früheren bzw. späteren Preis-Kollegen Heyse, Hesse, Böll, Grass oder Jellinek.

Die Krone setzt dem ganzen "Der Apostel" auf, die Geschichte, in der Hauptmann sich wohl selbst porträtiert: "Er beugte sich vor und lauschte, als es zu ihm heraufkam. Er senkte das Haupt nicht, er kniete nicht nieder. Er horchte lächelnd wie auf eines alten Freundes Stimme, und doch war es Gottvater, der mit seinem Sohne redete". Ja, so war er, der Hauptmann.
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