Ein angenehmes Plätschern, ein Säuseln, leichtfüßige Klaviermusik, die nie nur Background ist, aber hervorragend als solcher geeignet ist (zum Beispiel für ein Abendessen mit den Schwiegereltern, die "Ach, das ist ja richtig angenehm" trällern und mit Erstaunen fest stellen, dass der Komponist/Improvisario noch höchst lebendig ist). Die Bagatellen sollen "heimlich" aufgenommen worden sein, doch das kann ich nicht recht glauben. Die "Bagatelle I" ist die schönste, "II" die zweit- und "III" die drittschönste, aber einen Aussetzer gibt es sowieso nicht. Silvestrov treibt seinen Stil hier auf die Spitze - das ist unangestrengte, absolut verständliche, "stille" Musik, die nicht viel will und trotzdem viel erreicht. Gewiss, es gibt auch noch andere Komponisten, die ähnlich vorgehen, Howard Skempton zum Beispiel. Aber bei Silvestrov findet diese abgeklärte Meisterschaft im Miniaturformat eine ungewohnte Spitze: Rein und leicht ist das, melodiös ohne große Bögen, einfach schön. Aber auch einfach, sehr einfach. Für Neue-Musik-Hörer wird es wohl unbefriedigend sein, dem Ukrainer bei seinen kontemplativen Träumereien zuzuhören. Die anderen Stücke auf der wie immer wunderbar gestalteten CD (und einem Top-Booklet-Text) sind sich recht ähnlich, allesamt für Streicher oder Streicher mit Klavier, puristisch, nicht im geringsten verwinkelt, direkt, melancholisch, kein Kitsch, aber kurz davor schwankend. Die CD ist randvoll mit dieser Stimmung von Ruhe, Gelassenheit und etwas träger Wehmut. Man kann "Bagatellen und Serenaden" auch verschenken an Menschen, die keine Klassik hören, schon gar nicht Klassische Moderne und erst recht nicht Neue Musik. Ablehnen wird man das nicht können. Bestenfalls ignorieren.