Wer Namibias Sehenswürdigkeiten abklappern will, hat ein Problem: Gerade einmal sieben Ziele sind nach der Bewertung des Baedekers "Eine Reise wert" - und die liegen über ein Land verstreut, das mehr als doppelt so groß wie die Bundesrepublik ist. Und selbst wenn jemand alle sieben ansteuern sollte, werden sich wohl trotzdem andere Erinnerungen in sein Gedächnis einbrennen: Etwa eine Nacht alleine mit den Schakalen unter sternenklarem Wüstenhimmel oder endlos scheinende Fahrten durch immer gleiche, ausgedörrte Landschaften. Solch eine Reise läßt einen Einsamkeit und Natur erleben - das Land sperrt sich dagegen, in einen Reiseführer gepreßt zu werden.
Baedecker ist dieser Herausforderung mit einem herkömmlichen Rezept begegnet: der üblichen Dreiteilung in Landeskunde, Reiseziele und Anhang mit praktischen Informationen.
Die bedacht komprimierte Darstellung von Natur, Kultur und Geschichte gelang der Redaktion zwar außerordentlich kenntnisreich. Die Schwächen des Baedeker-Konzepts - mag es sich sonst auch bewährt haben - zeigen sich jedoch im Mittelteil. Nach zwei knappen Routenvorschlägen folgen hier gut dreißig Reiseziele von A-Z. Das wirft zunächst die Frage auf, ob die alphabetische Ordnung bei einem so großem Land noch Sinn macht - wo doch schon in einem Deutschland-Führer Berlin und Bodensee, Föhr und Freiburg auf der selben Seite verwirren würden.
Zum anderen läßt sich Namibia eben nur schwer anhand einzelner Sehenswürdigkeiten erleben - Ziele wie das ibn den Reiseführer aufgenommene Örtchen Outjo mit den "nicht allzu eindrucksvollen Überresten" einer alten Windmühle sind, da liegt Baedeker richtig, noch nicht einmal einen Umweg wert. Die Redaktion geht einen halben Schritt in die richtige Richtung und faßt in einigen Fällen zu übergeordneten Einheiten wie dem Kaokoveld zusammen. Hier bietet sie auch kurze Steckenbeschreibungen; die Nutzung der Informationen bleibt jedoch schwierig. So werden Übernachtungsmöglichkeiten höchstens beiläufig erwähnt und wenn, dann ohne Verweis auf den Anhang. Dort finden sie sich entweder bei "N" wie Naturschutzgebiete oder bei "H" wie Hotels wieder - leider ohne Hinweis auf den mittleren Teil. Auch fehlen ausgerechnet hier die Koordinaten für die beigelegte Landkarte. Geht man nun den umgekehrten Weg, und sucht sich auf der Karte eingezeichnete Unterkünfte aus, wird man feststellen, daß nur ein Teil (drei Duzend) auch im Reiseführer erwähnt wird - die Redaktion empfiehlt einen Blick in das Verzeichnis des Fremdenverkehrsamtes. Bei einer Reise im eigenen Wagen sollte man sich also nicht einzig auf den Baedeker verlassen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)