Bei folgenden Sachverhalten gewinnt der Indienreisende (leider erst vor Ort) den Eindruck, dass die Autoren evtl. Indien noch gar nie bereist haben:
1) Indien leidet auch heute noch (2009) unter dramatischer Armut, prekären hygienischen Verhältnissen, einer desolaten Infrastruktur, die eine sorgfältige Reiseplanung erfordern; die Empfehlungen kratzen an der Oberfläche, die Berichterstattung blendet soziale Probleme, die auch den Touristen berühren (Bettelei, Diebstahl, Elend, etc.) kategorisch aus
2) Die Empfehlungen für Unterkünfte und Speisen sind zu dünn.
3) Die touristischen Highlights, deren Bewertung naturgemäss subjektiv ist, werden überhöht, so dass vor Ort Enttäuschungen nicht ausgeschlossen sind. So ist eine Taj Mahal in Relation zum Vatikan ein nettes Gebäude und nicht mehr. Dafür ist die indische Kultur, das tägliche Leben und Überleben in Indien dermassen eindrücklich und sehenswert, die eine Reise unbedingt rechtfertigen. Dieses Phänomen wird ausgeblendet.
4) Reisen in Indien: ob mit Zug, Auto oder Bus: der Reiseführer ist zu dünn.
5) Baedeker entwirft einige nette Reiserouten für unterschiedliche Zeithorizonte, die allerdings angesichts der Fülle vorhandener Kulturschätze etwas dünn ausfällt.
Fazit: wer in Europa oder Nordamerika mit dem Baedeker gute Erfahrungen gemacht hat (wie ich), der merkt in Indien, dass die Reise andere (Informations-) Bedürfnisse bereithält, die man hier vergeblich sucht. Dann also doch mal wieder Lonely Planet!!!