Zugegeben, vom Layout ist der Baedeker Griechenland in seiner 14. Auflage von 2006 viel moderner, ansprechender als meine alte 4. Auflage von 1991. Die Seitenzahl wurde von 750 auf 550 Seiten reduziert, das Buch ist aber keineswegs handlicher. Weniger Seiten - das kommt sicher der von der Redaktion anvisierten Zielgruppe entgegen, die wohl einmal der informationshungrige Bildungstourist war und jetzt der sonnen- und spaßhungrige Urlauber zu sein scheint, dem man keine fünf zusammenhängende Sätze mehr zumuten kann. Zumindest nicht ohne Auflockerung durch großformatige Bilder oder farblich abgesetzte Textblöcke von der Sorte "Wußten Sie schon?", die das Überflüssigste aus dem Text noch einmal hervorheben - für den Fall dass sich der Leser auf eine Quiz-Show vorbereiten möchte. Wie groß der Informationsverlust der neuen gegenüber der alten Auflage ist, läßt sich z.B. an der Zahl der "bedeutenden Persönlichkeiten" ablesen: 1991 wurden etwa 80 Persönlichkeiten in Kurzporträts vorgestellt, jetzt weniger als 30. So wird z.B. der Archäologe Heinrich Schliemann nicht mehr mit einem eigenen Porträt gewürdigt. In der neuen Auflage hinzugekommen sind einige ausklappbare Seiten, die besondere Sehenswürdigkeiten mit leider sehr sterilen, leblosen, häßlichen computergerenderten Bildern wenig informativ und unattraktiv illustrieren.
Abgesehen davon - wie hat sich der aktuelle Reiseführer auf einer spontanen Rundreise durch den Peloponnes bewährt? Mehr schlecht als recht. Auf der Suche nach der Insel Hydra, der unter diesem Stichwort in der alten Auflage ein eigenes Kapitel gewidmet war, vermisst man zunächst ein gleichlautendes Stichwort im Register. Vielleicht Ydra? Oder Idra? Keine Einträge im Register! Allerdings - im Kapitel "Argolis" findet sich dann doch eine Passage über "Ýdra". Auf der dem Reiseführer beiligenden großen Griechenlandkarte ist der Ort Methoni als besondere Sehenswürdigkeit verzeichnet. Ich erhalte dort sogar die aktuelle FAZ, bin also wohl nicht der einzige Tourist, den es dorthin verschlagen hat. Im alten Reiseführer wieder ein eigenes Kapitel mit mehreren Abbildungen und einem Plan, im neuen nichts - kein Stichwort im Register und auch im Text habe ich nichts gefunden. Allerdings fällt bei dieser Gelegenheit auf, dass die Einträge im Register nicht einmal korrekt alphabetisch geordnet sind: Nach "Mnesikles" kommen "Méga Spileo", "Monemvasia", "Méthana" - wer soll bei diesem Durcheinander überhaupt etwas finden? Und zur beiliegenden großen Griechenlandkarte: Den Teil der Autobahn, der laut Karte von Tripoli fast bis Kalamata führt, gibt es nicht mehr, er ist nach Angaben griechischer Freunde seit langem geschlossen und eine neue Autobahn erst in Planung.
Die aktuelle Ausgabe des Griechenland-Reiseführers, die mit "Baedeker" einen großen traditionsreichen Namen trägt, enttäuscht. Wenigstens das Register sollte so überarbeitet werden, dass sich die Informationen, die der Reiseführer enthält, auch erschließen lassen. Dazu gehört die Verwendung der im Deutschen üblichen Ortsnamen. Es genügt ja, wenn diese im Register mit einem Verweis auf die "korrekten" griechischen Namen aufgeführt werden.