Kurzbeschreibung
Der berühmte deutsche Kinderbuchklassiker liegt hier in einem Nachdruck der Frankfurter Originalausgabe in badischer Mundart von Hermann Dischinger vor.
Der Autor über sein Buch
Wie kommt man heute auf die Idee, den berühmten Struwwlpeder in eine der badischen Mundarten her-über-zu-setzen, obwohl er schon 160 Jahre alt ist (1. Auflage 1845) und obwohl schon damals der Autor kritisiert wurde, es wäre ein grausames Kinderbuch? Nun, Rotkäppchen und der Wolf oder Schneewittchen und andere Märchen sind ganz bestimmt nicht weniger grausam, werden aber gelesen und wollen durch ihre Schwarz-Weiß-Malerei provozieren, Interesse wecken und den Leser durch eine den Geschichten innewohnende Moral beeinflussen. Mich und viele Kinder meiner Generation hat der Struwwlpeder beeinflusst, und in den Bibliotheken wird er auch heute noch fleißig ausgeliehen. Als ich ihn in einer pfälzischen Übersetzung im Buchladen des Mannheimer Nationaltheaters liegen sah, musste ich ihn haben und es stand fest, dass ich ihn in meinen Dialekt holen wollte zumal er ohnehin in der Alltagssprache verwurzelt ist: Werden doch Kinder hier oft als Zappl-Philipp, Suppe-Kaschber, Håns-guck-en-dLuft oder beeser Fridderich eingestuft. Und als ich auch noch erfuhr, dass keine badische Version mehr greifbar ist, obwohl im Struwwlpeder-Museum in Frankfurt fast 100 Übersetzungen vorliegen, war klar, dass mein Struwwlpeder geboren werden muss.
Über den Autor
Hermann Dischinger, 1944 in Östringen geboren, Studium der Anglistik und katholischen Theologie in München und Freiburg. Zahlreiche Veröffentlichungen und Rundfunkbeiträge. Mehrfacher Preisträger zahlreicher Mundartwettbewerbe.
Auszug aus Badischer Struwwlpeder. Luschdiche Geschichde unn drolliche Bilder vum Dr. Heinrich Hoffmann von Hermann Dischinger, Thomas Lindemann. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Guckt emol, do steht-er,
bäh, de Struwwlpeder!
Än all zwu Händ, oh Schreck,
schneidt-er sich kain Naggl weg,
wäscht unn kämmt sich net sei Haar,
unn des treibt-er schun e Jahr.
Bäh, ruft do fascht jeder:
Wiischder Struwwlpeder!
bäh, de Struwwlpeder!
Än all zwu Händ, oh Schreck,
schneidt-er sich kain Naggl weg,
wäscht unn kämmt sich net sei Haar,
unn des treibt-er schun e Jahr.
Bäh, ruft do fascht jeder:
Wiischder Struwwlpeder!