Alphabetisch geordnet, von "Abdampfen" bis "Zwiebelbett", erläutert Wolfgang Abel kompetent die Eigenheiten der badischen Küche. Wobei er "Baden", wenn es um die Beschaffung qualitativ hochwertiger Nahrungsmittel oder Küchenutensilien geht, auch gerne einmal bis nach Frankreich, in die Schweiz oder gar bis nach Italien ausdehnt. Rezepte gibt es in diesem Buch nur wenige, dafür aber viele Informationen darüber, welche Produkte man wo kaufen sollte und wie sie zubereitet werden müssen, damit sie schmecken. Zwischendurch findet man immer wieder Zitate aus alter Gastroliteratur und kursiv gedruckte Küchenweisheiten wie "Eiergeiz gehört zu den Standardfehlern" im Abschnitt über "Kratzete".
Was mir aber die Lektüre zunehmend verleidet hat, sind Abels dezidiert vorgetragene Meinungsäußerungen oder - wie man es auch formulieren könnte - seine unverblümt vorgebrachten Boshaftigkeiten. Da macht sich Abel, der gerne die Wörter "Finish" und "mollig" benutzt, darüber lustig, dass das Lieblingswort eines Kritikerkollegen "Akkord" sei. Menschen, die eine gelungene Speise als "lecker" bezeichnen, sollten seiner Meinung nach ein Synonymlexikon zurate ziehen. Und das schreibt jemand, der anstatt von der "Handhabung des Teigs" vom "Teighandling" spricht. Wer solche Wortungetüme benutzt, sollte vielleicht einmal einen Blick in den Klassiker "Gutes Deutsch in Schrift und Rede" werfen, bevor er über andere herzieht.
Wolfgang Abel ist auch der merkwürdigen Ansicht, man könne ruhigen Gewissens Gänsestopfleber essen, da auch die "Empörungsprofis" und "Moralapostel" nicht umhin kommen, Eier von gequälten Legehennen zu essen, da die in vielen industriell gefertigten Nahrungsmitteln vorhanden sind, bis bin zum Speiseeis. Offensichtlich glaubt Herr Abel, dass es auf eine mehr oder weniger gequälte Kreatur nicht ankommt, es sei denn natürlich, die Misshandlungen mindern die Qualität des Fleisches. Da Fleisch aus artgerechter Tierhaltung besser schmeckt, empfiehlt Abel tatsächlich häufig Betriebe, die Bio-Landwirtschaft betreiben, selbstverständlich ohne sich zu "empören" und ohne zu "moralisieren".
Auch fragt man sich unwillkürlich, welch traumatische Erfahrungen Wolfgang Abel mit Frauen gemacht hat. In der Gastgeberrolle sind die Damen bei ihm stets überfordert, was man daran sieht, dass sie gleich mehrfach hektische Flecken bekommen. Und manche Produkte schmecken seiner Ansicht nach "à la nature" besser als nach "Gattinnen Art". Aber Frauen halten noch andere Schrecken bereit. Laut Abel muss man als Gast befürchten, dass die Tochter des Hauses wie vor hundertfünfzig Jahren nach dem Mahl am Flügel ein schräg gesungenes Liedlein zum Besten gibt oder man hat das Pech, während des Essens neben einer dummen Nuss zu sitzen, mit der man sich nicht gepflegt unterhalten kann. Außerdem wähnt er, die bösen Feministinnen verhinderten, dass einmal wissenschaftlich untersucht wird, wie sich die Kochkunst auf die Länge der Ehe auswirkt. Dies ist nun überhaupt nicht nachzuvollziehen. Was sollten Feministinnen dagegen haben, wenn wissenschaftlich bewiesen wird, dass Ehen länger halten, wenn Männer gut kochen können???
Die nach der Anweisung von Herrn Abel zubereiteten Speisen mögen ein kulinarischer Genuss sein, der Lesegenuss wird durch seine verbalen Ausfälle erheblich gemindert.