In Baden Baden geht die Angst um. Ein maskierter Räuber überfällt bevorzugt alleinstehende reiche Witwen, die er zuvor offenbar umfassend ausgekundschaftet hat. Bislang galt er als Gentleman, denn trotz des erlittenen Schreckens hat er die alten Damen zuvorkommend behandelt.
Der letzte Raubzug jedoch ging schief, denn das Opfer war herzkrank und hat den Überfall nicht überlebt. War dies vom Täter geplant oder hat er in diesem Fall einen Fehler gemacht? Während die Polizei fieberhaft nach dem Täter sucht, macht sich Marie-Louise, die Freundin des letzten Opfers, mit Hilfe der Journalistin Lea auf eigene Faust auf die Suche nach dem Täter.
Was nach einem gemütlichen Krimi im beschaulichen Baden Baden klingt, entwickelt sich im Lauf der Geschichte fast schon zu einem Thriller, als sich die Vorgehensweise bei den Überfällen furchtbar verändert.
Neben den Ermittlungen der Polizei sowie des Duos Marie-Louise und Lea kommt in eingeschobenen Passagen auch der Täter selber zu Wort, gibt dem Leser einen Einblick in sein verkorkstes Leben, seine Spielsucht, aus der er keinen Ausweg mehr findet. Es hat schon etwas Beunruhigendes, wenn man Zeuge seines immer weiter voranschreitenden Absturzes wird, der Skrupel, die ihn befallen und nie ganz loslassen. Verstärkt wird diese Beunruhigung noch durch einen weiteren Aspekt in seinem Leben, den Rita Hampp nach und nach vor dem Leser aufdeckt und mit dieser Wendung, die man nicht erwartet hat, durchaus überrascht. Menschliche Abgründe tun sich auf und Fassaden werden eingerissen, hinter die man lieber nicht geblickt hätte.
Aber es gibt auch Verschnaufpausen, in denen man sich von den weniger schönen Seiten des Lebens - und den eigenen Ermittlungen, die man beim Lesen anstellt - erholen kann, nämlich wenn man mit Lea in Olivers Käselädchen sitzt, mit Marie-Louise beim Tanztee über das Parkett schwebt oder einen heißen Sommertag in Baden Baden genießt. Viel Lokalkolorit bringt Rita Hampp in ihrem Buch dem Leser nahe und man merkt, dass sie die Stadt, über die sie schreibt, kennt und liebt. Zwischen den Zeilen spürt man oft die Freude, die die Autorin beim Schreiben der Geschichte hatte und das Augenzwinkern und den liebevollen Humor, wenn Sie die Eigenarten und Schrullen ihrer Protagonisten beschreibt.
Als Quereinsteiger ohne Vorkenntnisse der ersten drei Bücher der Autorin hatte ich kein Problem, das komplizierte Beziehungsgeflecht der Hauptprotagonisten zu verstehen und nachzuvollziehen. Es ist also durchaus auch für Leser geeignet, die die ersten drei Bücher nicht kennen.
Ich jedenfalls habe dieses Buch sehr gerne gelesen und freue mich schon auf weitere spannende Geschichten aus Baden Baden.