Für die ca. 230 Seiten brauchte ich zwei Tage, bzw. drei Sitzungen. Ganz besonders heftig war für mich diesmal die Erfahrung, einen verhältnismäßig aber konzentrierten kurzen Ruff zu lesen, der mir mehrmals den Kopf in alle Achsen drehte wie's ihm passt, auf einnehmend, verwirrende und mich hinreissende Art. »Bad Monkeys« schreit danach verfilmt zu werden (was aber eigentlich nix heißt, denn ich finde das Lob 'so packend wie ein Film' für Literatur zumeist läppisch).
Der Roman ist einerseits ein Kammerstück, eine Charakterstudie, denn die Handlung setzt im Juno 2002 ein, im weißen Raum einer Gefängnispsychatrie in Nevada, wo ein Dr. Vale die festgenommene Jane verhört. Diese 'White Room'-Kapitel sind kurz, auktorial erzählt, rekapitulieren bzw. leiten zu den längeren Kapiteln über, in denen Jane als Ich-Erzählerin ihre Lebensgeschichte als 'Bad Monkey'-Agentin erzählt.
Jane ist eine packende, charismatische Erzählerin, wenn sie von ihrer wilden Kiffer-Jugend im San Francisco der Siebziger berichtet; davon, wie sie ein netter Polizist zu Verwandten aufs Land bringt, nachdem sie beim Dope-Anbau erwischt wurde und ihre allein erziehende Mutter durchdrehte. Schön sachte driftet dann die realistische Welt ins Verschwörungs-Phantastische, wenn die jugendliche Jane eine seltsame 'Natürliche Ursachen'-Knarre findet (mit der man Herzinfarkte und Schlaganfälle verursachen kann), ein Artefakt einer namenlos bleibenden Organisation, von der Jane später für die Abteilung 'Bad Monkeys' rekrutiert wird.
Ganz besonders freut und beeindruckt mich, dass Matt Ruff mit diesem Roman eine hinreissende Homage auf Philip K. Dick ' den (für mich) großartigsten US-Schriftsteller der zweitem Hälfte des 20. Jahrhunderts ' vollbracht hat. Trotz aller Späßchen und Thrills pulsen die Erz-Fragen von P. K. Dicks Werk (»Was ist Menschlich?«, »Wer bin ich?« und »Was ist Wirklichkeit?«) stets merklich durch den Strang der Erzählung. Was hab ich Seite um Seite gestaunt, wie eingängig »Bad Monkeys« ist, und doch zugleich wie verwickelt, mit seinen zig-ineinander geschachtelten Finten. Nachdem ich das Buch zuklappte, hab ich gut zwei Stunden spät nach Mitternacht am offenen Fenster gesessen, und mir den Wahnsinn durch Kopf und Gemüt gehen lassen, hie und da bestimmte Stellen noch mal gelesen und fassungslos darüber gestaunt, dass solche kunstvollen Kniffe tatsächlich möglich sind. Und wie immer bei Matt bin ich baff, wie dieser Kerl es schafft sehr ernste Dinge in einem so vergnüglichen Garn einzuweben.
Der für mich schönste, alles zusammenfassende Weisheitsspruch aus »Bad Monkeys«: OMNES MUNDUM FACIMUS (Wir alle machen die Welt)