Aus der Amazon.de-Redaktion
Verrückte Geschichten mit überraschenden Wendungen, abgedrehte Charaktere, einfallsreiche Dialoge voller Wortwitz und beißendem Humor sowie originelle Erzählstrukturen -- das sind die Zutaten von Ruffs Romanen, die keine Genre-Grenzen kennen. So lässt sich auch Bad Monkeys als Mischung aus Science Fiction, Fantasy, Mystery und Thriller bezeichnen. Im Mittelpunkt des recht kurzen -- nur 250 Seiten umfassenden -- Romans steht Jane Charlotte, die wegen Mordes im Gefängnis sitzt und einem Psychiater ihre Lebensgeschichte erzählt. Sie behauptet, sie arbeite für "Bad Monkeys" -- eine Abteilung einer Geheimorganisation, die das Bäse bekämpft. Mit hochtechnischen NT-Waffen ("natürlicher Tod") exekutiert die Sondergruppe Menschen, die unrettbar an das Böse verloren sind. Doch je länger das Verhör dauert, desto widersprüchlicher werden Janes Aussagen. Kann man ihr wirklich trauen? Warum lassen sich so wenige Dinge aus ihren Aussagen belegen? Wer ist Jane Charlotte wirklich? Je weiter die Geschichte voranschreitet, umso mehr verschwimmen Realität, Einbildung und Lügen ineinander.
Ruff selbst sagte über den Roman: "Als ich an dem Plot von Bad Monkeys arbeitete, pflegte ich den Leuten zu erzählen, dies würde mein Roman la Philip K. Dick." Und wie sein Idol Philip K. Dick treibt Ruff das Spiel um Schein und Sein, um Wirklichkeit und Illusion kontinuierlich und atemlos voran, bis der Leser am Ende feststellt: Nichts ist wie es scheint. Bad Monkeys ist äußerst spannend und rasant geschrieben und voller überraschenden Wendungen. Ein Roman, der den Leser von der ersten Seite an packt und bis zur völlig unerwarteten Auflösung am Ende nicht loslässt. -- Alexandra Plath
kulturnews.de
Pressestimmen
Kurzbeschreibung
Über den Autor
Auszug aus Bad Monkeys von Matt Ruff, Giovanni Bandini, Ditte Bandini. Copyright © 2008. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Es ist ein Zimmer, wie es sich ein einfallsloser Stückeschreiber ausdenken könnte, während er auf ein weißes Blatt starrt: Weiße Wände. Weiße Decke. Weißer Fußboden. Nicht völlig, aber hinreichend leer, um den Verdacht aufkommen zu lassen, dass die wenigen vorhandenen Gegenstände eine entscheidende Rolle in dem bevorstehenden Drama spielen werden.
Eine Frau sitzt auf einem von zwei Stühlen an einem rechteckigen weißen Tisch. Ihre Hände liegen, mit Handschellen gefesselt, vor ihr; sie trägt einen orangefarbenen Gefängnisoverall, dessen grelle Farbe in all dem Weiß stumpf wirkt. An der Wand, über dem Tisch, hängt das Foto eines lächelnden Politikers. Gelegentlich wirft die Frau einen Blick auf das Foto oder auf die Tür, den einzigen Ausgang aus dem Zimmer, aber meistens starrt sie auf ihre Hände und wartet.
Die Tür öffnet sich. Ein Mann in weißem Kittel tritt ein und bringt weitere Requisiten mit: eine Aktenmappe und einen Minirecorder.
»Hallo«, sagt er. »Jane Charlotte?«
»Anwesend«, sagt sie.
»Ich bin Dr. Vale.« Er schließt die Tür und kommt an den Tisch. »Ich bin hier, um mich mit Ihnen zu unterhalten, wenn's Ihnen recht ist.« Als sie die Achseln zuckt, fragt er: »Wissen Sie, wo Sie sind?«
»Wenn die das Zimmer nicht in der Zwischenzeit verlegt haben ...« Dann: »Las Vegas, Strafvollzugsanstalt Clark County. Beklopptentrakt.«
»Und Sie wissen, warum Sie hier sind?«
»Ich bin im Gefängnis, weil ich jemand getötet habe, den ich nicht hätte töten sollen«, sagt sie nüchtern. »Warum ich in diesem Zimmer bin, mit Ihnen - das hängt vermutlich mit dem zusammen, was ich den Detectives gesagt habe, die mich festgenommen haben.«
»Ja.« Er deutet auf den leeren Stuhl. »Darf ich mich setzen?«
Ein weiteres Achselzucken. Er setzt sich. Er hält sich den Recorder vor den Mund und sagt auf: »5. Juni 2002, ungefähr 9.45 Uhr. Dr. Richard Vale im Gespräch mit Untersuchungsperson Jane Charlotte, wohnhaft ... Wie lautet Ihre derzeitige Heimatadresse?«
»Ich bin zur Zeit irgendwie unbeheimatet.«
»... ohne festen Wohnsitz.« Er stellt den weiterhin eingeschalteten Recorder auf den Tisch und schlägt die Mappe auf. »So ... Sie haben den festnehmenden Beamten gesagt, dass Sie für eine Geheimorganisation zur Verbrechensbekämpfung namens »Bad Monkeys« arbeiten.«
»Nein«, sagt sie.
»Nein?«
»Wir bekämpfen nicht das Verbrechen, wir bekämpfen das Böse. Das ist nicht das Gleiche. Und Bad Monkeys ist der Name meiner Abteilung. Die Organisation als Ganzes hat keinen Namen - jedenfalls kenne ich keinen. Sie ist einfach nur »die Organisation«.«
»Und was bedeutet »Bad Monkeys«?«
»Das ist ein Deckname«, sagt sie. »Jede Abteilung hat einen. Die offiziellen Namen sind so lang und kompliziert, dass sie nur für Briefköpfe taugen, also denken sich die Leute Kurzformen aus. Wie die Verwaltung, offiziell ist das »Die Abteilung für optimale Nutzung von Sach- und Humanressourcen«, aber jeder nennt sie bloß »Kosten-Nutzen«. Und die Nachrichtendienstler, die sind »Die Abteilung für ubiquitäre intermittierende Observierung«, aber mündlich sind sie bloß »Panopticon«. Und dann gibt's noch meine Gruppe, »Die Abteilung für die finale Ausschaltung nicht zu rettender Personen« ...«
»Nicht zu rettende Personen.« Der Arzt lächelt. »Bad Monkeys: Schlechte Affen.«
»Genau.«
»Aber sollte es dann nicht besser Bad Apes heißen?« Als sie nicht antwortet, fängt er an zu erklären. »Apes, also Menschenaffen, sind mit dem Menschen näher verwandt als -«
»Sie channeln Phil«, sagt sie.
»Was?«
»Sie quatschen wie mein kleiner Bruder. Der ist auch so ein Haarspalter.« Sie zuckt die Achseln. »Ja, streng genommen sollte es wohl apes heißen und nicht monkeys. Und streng genommen«, sie hebt die Hände und lässt die Kette rasseln, »sollten die Dinger hier Handgelenkschellen heißen. Tun sie aber nicht.«
»Worin besteht Ihre Arbeit bei Bad Monkeys«, fragt der Arzt, »also was tun Sie? Böse Menschen bestrafen?«
»Nein. Normalerweise töten wir sie einfach.«
»Und Töten ist keine Strafe?«
»Nur dann, wenn man's tut, um jemand irgendwas heimzuzahlen. Aber das ist nicht das Ziel der Organisation. Wir versuchen lediglich, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.«
»Indem Sie böse Menschen töten.«
»Nicht alle. Nur die, bei denen Kosten-Nutzen zu dem Schluss kommt, dass sie durch ihre weitere Existenz erheblich mehr Schaden anrichten würden als Gutes tun.«
»Macht es Ihnen etwas aus, Menschen zu töten?«
»Eigentlich nicht. Es ist nicht so, als wenn man Polizist wär. Ich meine, Bullen, die haben es mit allen möglichen Leuten zu tun, und manchmal müssen die im Namen des Gesetzes Typen einbuchten, die eigentlich gar nicht so schlimm sind. Ich kann mir schon vorstellen, dass einen das in Gewissenskonflikte stürzen kann. Aber die Typen, die wir bei Bad Monkeys uns vorknöpfen, sind keine von der Sorte, die einem gemischte Gefühle verursachen.«
»Und der Mann, wegen dessen Tötung Sie verhaftet wurden, Mr. -«
»Dixon«, sagt sie. »Der war kein schlechter Affe.«
»Nicht?«
»Er war ein Arschloch. Ich konnte ihn nicht leiden. Aber er war nicht böse.«
»Warum haben Sie ihn dann getötet?«
Sie schüttelt den Kopf. »Ich kann Ihnen das nicht einfach so erklären. Selbst wenn ich davon ausgehen würde, dass Sie mir glauben, ergibt die Sache nur dann einen Sinn, wenn ich Ihnen zuerst alles andere erzähle. Aber das ist eine zu lange Geschichte.«
»Ich habe heute Vormittag nichts anderes vor.«
»Nein, ich meine, es ist eine lange Geschichte. Heute Vormittag könnte ich Ihnen vielleicht die Einleitung erzählen; für die ganze Sache würde ich Tage brauchen.«
»Es ist Ihnen doch klar, dass Sie noch eine Weile hierbleiben werden.«
»Natürlich«, sagt sie. »Ich bin eine Mörderin. Aber das ist noch kein Grund, dass Sie Ihre Zeit verplempern sollten.«
»Wollen Sie die Geschichte erzählen?«
»Ein Teil von mir will das bestimmt. Ich meine, schließlich hätte ich den Bullen gegenüber ja kein Wort von Bad Monkeys zu sagen brauchen.«
»Also bitte - wenn Sie bereit sind zu erzählen, bin ich bereit zuzuhören.«
»Sie werden bloß denken, dass ich verrückt bin. Das tun Sie wahrscheinlich sowieso schon.«
»Ich werde mich bemühen, unvoreingenommen zu bleiben.«
»Das wird nichts nützen.«
»Warum fangen wir nicht einfach an und sehen, wie es läuft?«, schlägt der Arzt vor. »Erzählen Sie mir doch, wie Sie überhaupt mit der Organisation in Kontakt gekommen sind. Wie lange haben Sie für sie gearbeitet?«
»Ungefähr acht Monate. Rekrutiert haben die mich letztes Jahr, nachdem die Türme vom World Trade Center eingestürzt sind. Aber das ist nicht der eigentliche Anfang. Das erste Mal, als sich unsere Wege gekreuzt haben, da war ich noch ein Teenager.«
»Wie kam es dazu?«
»Ich bin in eine Bad-Monkeys-Operation reingestolpert. So werden viele rekrutiert: Sie sind zur falschen Zeit am falschen Ort, sie geraten in eine Veranstaltung, und obwohl sie nicht so recht kapieren, was da eigentlich abläuft, zeigen sie so viel Potential, dass die Organisation auf sie aufmerksam wird. Und irgendwann - vielleicht Tage, vielleicht Jahrzehnte später - gibt's einen Job zu erledigen, und »Frisches Blut« stattet ihnen einen Besuch ab.«
»Dann erzählen Sie mir doch von der Operation, in die Sie hineingestolpert sind.«
»Tja, angefangen hat das alles, als ich eines Tages darauf gekommen bin, dass der Hausmeister meiner Highschool der Würgengel war ...«