BAD von Michael Jackson ist das erste Album, dass mir zu 100% gefällt.
Hier hat er sich musikalisch emanzipiert und diesen Jackson-Funk, der auf allen noch kommenden Platten den Ton angab, zum ersten Mal in Perfektion zelebriert.
Das Album klingt mehr so, wie MJ es mochte, und dafür weniger nach Quincy Jones. GOTT SEI DANK.
Mit BAD hat er seine Gesichtswandlung abgeschlossen ( jawohl, die Nase war danach nie mehr eine andere, und auch die kantigen Gesichtszüge und angeblich operierten Wangenknochen sind schon vorhanden ) und sich selbst musikalisch und stilistisch als Kunstfigur neu erschaffen.
Auf BAD ist der Sound von Thriller fast in Vergessenheit geraten. Natürlich musste die Kritik das Album ablehnen, und natürlich war es weniger erfolgreich.
Und es ist auch klar, dass sich die Geister seit BAD scheiden. Die Einen trauern den Thriller-Zeiten nach und jammern rum das er so schrecklich abgebaut hätte, die Anderen sind durch BAD erst richtig zu harten Fans geworden ( und ein Leben lang geblieben ).
Einen Grammy gab es selbstverständlich auch nicht. Aber mit seiner genialen Performance hat er die Verleihung gesprengt. Eins war klar: es gibt fortan nur noch einen Megastar in der Welt.
Es bleibt wohl auch deshalb nach DANGEROUS seine dritterfolgreichste Platte.
Fünf Nummer-Eins-Hits in den USA und die spektaküläre BAD World Tour sprechen für sich.
Hier war MJ als Megastar zwar dort angekommen, wo er kommerziell nicht mehr hinkonnte, aber nie mehr von einem anderen Künstler verdrängt werden konnte: an der Spitze.
Der Titelsong, eigentlich geplant als Duett mit Prince, ist ein absoluter Ohrwurm. Zum hassen oder lieben.
THE WAY YOU MAKE ME FEEL ist sein letztes flottes, fröhliches Discostück. Jeder kennt es.
SPEED DEMON, sehr experimentell und ein Song, wie ihn Geschwindigkeitsfans wohl selbst nie hören würden. Funkt erst nach mehrmaligen Hören. In MOONWALKER kommt die Tanzeinlage dazu ziemlich cool rüber.
LIBERIAN GIRL, romantisch und simpel in der Instrumentalisierung, besingt exotische Schönheiten. Dieses Thema wurde dann mit REMEMBER THE TIME auf Dangerous und YOU ARE MY LIFE auf Invincible weitergeführt.
JUST GOOD FRIENDS mit Stevie Wonder klingt irgendwie lustig. Kein Welthit, dürfte aber auch nicht fehlen.
ANOTHER PART OF ME aus CAPTAIN EO ist ebenfalls ein Ohrwurm. Fortsetzung dieses Themas ist JAM auf Dangerous.
MAN IN THE MIRROR. Der Vorgänger zu HEAL THE WORLD, HIStory, CRY und KEEP THE FAITH. Diesen Stil hat er bei EARTH SONG und WE'VE HAD ENOUGH vollendet. Simple Aussage, wird immer aktuell sein. Diese Art von Songs wird es jetzt nie mehr geben.
I JUST CANT STOP LOVING YOU. Der erste und einzige Nummer-Eins-Hit, zu dem es KEIN Video gab. Wird mit HEAVEN CANT WAIT (Invincible)fortgesetzt.
DIRTY DIANA gleicht vom Inhalt BILLIE JEAN oder auch HEARTBREAKER (Invincible) und DANGEROUS. Ein Song über die gefährlichen, berechnenden Frauen.....
Musikalisch ein Pendant zu GIVE IN TO ME ( Dangerous ).
SMOOTH CRIMINAL ist kult. SO klang MJ in den 80ern, wird man mal sagen.
LEAVE ME ALONE. Hier begann schon die große Jagd auf den Künstler und Menschen Michael Jackson. Egal was er tat, es war verkehrt. Immer gab es Besserwisser, die sich mit dummen und ekelhaften Stories über ihn ihr Brot verdient haben. Dieses Thema hat seine Musik nachhaltig beeinflusst: TABLOID JUNKIE, WHY YOU WANNA TRIP ON ME, D.S, 2BAD, MONEY, THIS TIME AROUND, PRIVACY, UNBREAKABLE, GHOSTS und, als letzter offizielle Song dieser Art: TREATENED ( von Invincible ).
Hier zeigt sich auch ganz deutlich der Unterschied zu den anderen Popsternchen, die uns immer wieder von den Musiksendern präsentiert oder seit jahren künstlich am Leben gehalten werden: auch als "Nicht-Fan" kennt man ( bis auf SPEED DEMON und JUST GOOD FRIENDS ) JEDES Lied dieser Platte. Ein Meisterwerk reiht sich an das nächste. Man kommt nicht an diesen Songs vorbei. Ob man die Musik nun mag oder nicht: unverwechselbar Michael Jackson.
Hier hat sich ein komplettes Album in das Unterbewusstsein mehrerer Generationen gebrannt. Respekt!
Mit BAD hat er seinen Mythos ab 1987 um die Welt getragen. Mit Invincible aus 2001 schloss sich dieser Kreis.
Unvergessen. 5 Sterne.