Randy Newman hat sich Zeit gelassen. Seine lange Krankheit und der Mißerfolg seines "Faust" bei Kritikern und Publikum sind wohl die Hauptgründe, warum wir 11 Jahre auf ein weiteres reguläres Studioalbum warten mußten. Dafür stimmt an "Bad Love" aber auch wirklich alles: Aufwendig arrangierte Stücke wie "My Country" und "The Great Nations of Europe" wechseln sich mit ruhigen Liebesliedern voller Schmerz und Sehnsucht ab (z. B. "Every Time it Rains" oder "I Miss You", welches er in Gedenken an seine Ex-Frau geschrieben hat). Sicher, es braucht Zeit, sich mit seiner Musik auseinanderzusetzen. Songs wie "Shame" (aus der Sicht eines alternden, verbitterten Rockstars, der sich in ein junges Mädchen verliebt hat) oder "Better Off Dead" (das von einer unglücklichen Liebe handelt) sind -wie es die Titel schon andeuten- nichts, was man im Autoradio während der Fahrt höhrt und mitgröhlen kann, sondern Stücke, über die man sich mehr als einmal Gedanken machen kann. Ein weiterer bemerkenswerter Titel ist "Big Hat, No Cattle", mit dem sich Newman nach dem selben Prinzip, mit dem er es schon bei "The Masterman and Baby J" (Land of Dreams, 1988) bezüglich Rap getan hat, über Countrysongs lustig macht, indem er einfach selber einen solchen Song schreibt. Nur, daß inhaltlich selbstverständlich die Ideale der Country-Szene ad absurdum geführt werden ("I lied to my dear mother, now I`m lying to my wife", "I took my little family by my side and i lied, lied, lied..."). Fazit: ein brilliantes Album, erstaunlich ruhig und daher auch ziemlich unkommerzionell (als ob es Randy Newman jemals auf Kohle abgesehen hätte :), zynisch, ironisch und wahnsinnig ehrlich.