8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Sehr schwach, 29. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: Bad Lieutenant - Cop ohne Gewissen [Blu-ray] [Special Edition] (Blu-ray)
Dieser Film will zwar kein 1:1 Remake des genialen Originales mit Harvey Keitel sein, reicht aber auch so in keinerlei Hinsicht an die düstere Erstverfilmung von Abel Ferrara heran. Im Original war der Bad Lieutenant in einer sich immer schneller drehenden Abwärts-Spirale aus Drogen, Verbrechen und Spielsucht gefangen. Man könnte sagen, dass Werner Herzog es jetzt geschafft hat, alles was an Bad Lieutenant genial und einzigartig war, wegzulassen, abzuschwächen oder ins Nachteilige zu verändern.
Wo soll ich nur anfangen?
Story: sehr viel schwächer als beim Original. Vielleicht ein bis zwei halbwegs gute Szenen, der Rest wirkt lächerlich, künstlich und vollkommen weichgespült, bis hin zum idiotischen und an den Haaren herbeigezogenen "Happy End". Man greift sich an den Kopf und fragt sich, was sich der Regisseur bloß dabei gedacht hat. Offenbar war ihm das Original zu hart und er hat deshalb eine Weichei-Version produziert. Grauenvoll. Auch ist der Titel irreführend - der Bad Lieutenant ist in der Neuverfilmung alles andere als ein "Cop ohne Gewissen". Schon der Grund für die Drogensucht der Hauptfigur ist jetzt ein völlig anderer. Der "Echte" war süchtig, weil er mit Job, Schuldgefühlen, Spielschulden und Realität nicht mehr klargekommen ist. Nic Cage werden aber wegen permanenten Rückenschmerzen nach einem heldenhaften Einsatz die Schmerzmittel vom Arzt aufgedrängt.
Das Argument, dass es sich bei der Neuverfilmung um eine Karikatur oder Parodie auf Hollywood oder auf Cop-Filme handeln soll, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Der gezeigte Humor kommt eher unfreiwillig zustande. Auch ist der Film nicht "so schlecht, dass er schon wieder gut ist" - es stimmt einfach vorne und hinten nichts zusammen.
Schauspieler: allesamt schwach und wenig überzeugend. Nic Cage konnte in Leaving Las Vegas einen Süchtigen noch sehr viel besser verkörpern. Eva Mendes scheitert auf ganzer Linie, die Figur der drogensüchtigen Prostituierten nimmt man ihr mit ihren perfekt getrimmten Hollywood-Body zu keinem Zeitpunkt ab. Die Dame im Original war da ein ganz anderes Kaliber. Die Mini-Rolle von Val Kilmer ist überhaupt zum Vergessen.
Die deutsche Synchro bietet die altbekannte Stimme von Nic Cage. So weit so gut. Leider leistete man sich aber auch bei der Synchronisation einen groben Schnitzer: In einer Szene spricht der Bad Lieutenant mit einer afroamerikanischen Frau, die nur gebrochenes, grammatikalisch falsches, dafür aber völlig akzentfreies (!) Hochdeutsch spricht. Niemand redet so. Sie klingt dabei fast wie Yoda und sorgte damit für unfreiwillige Komik.
Macht es Sinn, sich die teurere Blu Ray Version anzuschaffen? Nicht unbedingt. Das Bild ist zwar gestochen scharf und der Sound in DTS 5.1 HD, der Film enthält aber weder große Sound- noch Actioneffekte, sodass man sich die Mehrausgabe sparen kann.
----> Vielleicht findet man den Film ja ganz passabel, wenn man das geniale Original nicht kennt? Das halte ich für unwahrscheinlich und empfehle jedenfalls, sich Bad Lieutenant lieber auszuborgen, als zu kaufen.
Oder noch besser: sich gleich das legendäre Original von Abel Ferrara mit Harvey Keitel anzuschaffen, zB hier:
Bad Lieutenant.
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12 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Amphibisch fiebriges New Orleans, 23. Oktober 2010
Werner Herzog ist wieder da.
Na ja, eigentlich war er ja nie weg, aber ich hatte ihn irgendwie vergessen. Okay... von seinen
Dokus hörte ich mal was, aber dafür hatte ich irgendwie nie die Motivation, oder die Gelegenheit gehabt. Natürlich habe ich ihn nie ganz vergessen. Wie könnte ich die unglaubliche Kombination Herzog & Kinski aus meinem Gedächtnis verlieren! Deren gemeinsamer Wahnsinn hat sie doch die ungewöhnlichsten
Meister werke schaffen lassen. Nur... gehörte er für mich irgendwie schon zu einer längst vergangenen Dekade. Kinski starb 1991. Und der letzte Film von ihm stammt von
1987. Da kann man leicht das Gefühl bekommen, Werner Herzog sei Geschichte.
Und nun das.
Ich muss gestehen, dass ich erst ein wenig auf dem Schlauch stand. Als ich nämlich im Kino zufällig den Bad Lieutenant-Trailer begutachte, entging mir doch glatt, dass da Herzog drunter steht. ;-) Ich nahm nur Nicolas Cage wahr und... so kann es einem gehen... allein dessen Auftauchen war schon genug, um den Film als absolut unsehenswert abzustempeln.;-) Nicht falsch verstehen, ich hielt früher in den 90ern viel von Cage, ich halte ihn für sehr begabt, ich bin ein absoluter Fan von
Wild at Heart und nach
Leaving Las Vegas liebte ich Cage gar. Aber was danach kam... es gibt wohl wenige Schauspieler, die sich so sehr in billigen und billigsten Filmen verloren wie er. Eigentlich reichte mir am Ende, wenn sein Name im Cast auftauchte, um den Film abzuschreiben.
Und nun das.
Herzog hat einen neuen Dschungel gefunden. Das geflutete New Orleans.
Und einen neuen Wahnsinnigen.
Cage spielt hier so dermaßen gut wie schon ewig nicht mehr, zum Niederknien...
Und der Wahnsinn nimmt abermals seinen Lauf in diesem Film. Wer einen (ein)gängigen Cop-Film erwartet, wird zwangsläufig enttäuscht, denn Herzogs Markenzeichen ist schließlich die Seherwartungen und -gewohnheiten zu unterlaufen. Wer hier gar Moral sucht.. *abwink *
Die Geschichte basiert lose auf dem Skript des Abel Ferrara Films, aber Herzog ist nicht in erster Linie Geschichtenerzähler. Das soll wohl wirklich kein echtes Remake des (ebenfalls tollen) Filmes von
1992 sein.
Eine Schlange windet sich durch die Gitterstäbe eines überfluteten Gefängnisses in New Orleans nach der Flutkatastrophe. In dieser genialen Eingangssequenz, weiß man eigentlich sofort in was für einem Film man da gelandet ist, bekommt gleich die richtige Dosis Noir und Gewissenlosigkeit ab. Cop Mc-Donagh (Cage) errettet während der Flutkatastrophe widerwillig einen Gefangenen und bekommt für seinen "Heldenmut" den Lieutenantstitel verliehen. Durch seinen selbstlosen ;-) Einsatz verdarb er nicht nur seine teuere Designer-Shorts, es blieb ihm auch eine dauerhaft schmerzende Rückenverletzung. Geplagt von den starken Schmerzen irrt Mc-Donagh ständig auf Vicodin und anderen Drogen durch den Dschungel von New Orleans. Selbst alte Damen im Altersheim sind nicht vor ihm sicher.
Ich hab mal drei sehr treffende Zitate aus den 1- Sterne Rezensionen rausgesucht:
<<Also was hier dem Zuschauer erwartet, ist die reinste Zumutung.>> Zitat "Owei"
<< Der Film hat keinerlei Story, davon abgesehen, dass Cage nur auf Drogen ist, sich gerade Drogen reinzieht, auf der Suche nach Drogen ist oder sich Drogen beschafft, auf welche Art auch immer.>> Zitat "Bücherwürmle Möhrle" ;-)))
<< Cage spielt einen völlig verpennerten drogensüchtigen. in diesem film gibt es keine guten, nur böse und Abschaum.>> Zitat "Herr Bergen"
Yep.
Najaa... ganz ohne Story isser ja nicht. Mc-Donagh hat immerhin einen Fall zu lösen: Drogendealer Big Fate hat ein Massaker an einer 5-köpfigen senegalesischen Einwandererfamilie verbüßt. Ihn zu jagen gilt es und den Botenjunge Daryl zu schützen. Daryl ist der einzige Augenzeuge des brutalen Mordes. Lieutnant Mc-Donagh berauscht sich während seiner Arbeit auf eigenwillige Art mit Sex- und Machspielchen, betäubt seine heftigen Rückenschmerzen, sowie seine Sucht mit Koks, Crack, Marihuana, Heroin, Vicodin, ... was er halt so findet. Grimassierend, steifschultrig, die Hand stets nervös an der Nase, klatscht er launig-gereizt in die Luft. Nur Alkohol verpönt er, glaub ich. So stromert er motiviert, aber höchst eigennützig, durch die dunstigen Hinterzimmer der Dealer. Abgefahren...
Seine Freundin, die Edelhure Frankie (Mendes), braucht ihn, emotional, aber auch als Drogenspender. Sie ist fast so druff wie er. Und sie verstrickt sich schnell mit ihm in diesem neworleanschen Sumpf.
Ein bemerkenswertes Ende, es mündet, man glaubt es kaum, in einer Art Parodie. Oder wie soll man das sonst verstehen?
Auch wen Eva Mendes für mich bisher stets lediglich eine Art Dekobeigabe war, hat sie hier eine Rolle und mich fast überzeugt. Aber eigentlich zählt hier von den Akteuren nur Cage. Das hier ist seine Show. Welcome back.
Den toten quer über der Straße liegenden Alligator fand ich auch klasse, irgendwann übernimmt die Kamera den Blickwinkel seines lebenden Artgenossen.
Dann die in der Untersicht gefilmten "Halluzinations-Leguane"...*tihi * wohl typisch für den Regisseur, allerdings riefen sie bei mir zunächst lediglich ein irritiertes "Häh?" hervor, was vermutlich auch ihre Aufgabe war, stehen aber wohl auch für "bedrohlich lauernd" und den zunehmenden Drogenwahn.
Am Ende gibt es noch träumende Fische. *g*
Ich war unglaublich überrascht von diesem Film! Wie ein Fiebertraum. Irgendwo zwischen Kunst- und B-Movie. Ich empfand ihn als dicht, noir, bissig, ungewöhnlich, auf 'ne irre Art witzig, irgendwie sogar sexy, fesselnd, völlig wertfrei aber absolut sehenswert.
Wenn man so was mag.
Über die Einzel-DVD gibt es wirklich nichts zu sagen. Unterer Standart was die Extras betrifft, s'gibt nämlich GAR keine. Dass das Bild bei einem 2009 Film TOP ist, versteht sich von selbst.
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