Dieses in jeder Hinsicht bodenständige, demgemäß auch leicht und flott lesbare Stück Trivialliteratur belegt, dass nun auch Kurt Palm vom K.u.K.-Bazillus befallen wurde, der unter Österreichs Schriftstellern bereits viel Schaden angerichtet hat. Auch er verfällt im vorliegenden Buch dem Fieberwahn, Kabarett und Krimi unter einen Hut bringen zu wollen. Dabei hätte der Autor nur auf den Theatermann hören müssen, der Palm ja auch ist und folglich sehr gut weiß, dass man nicht befreit lachen und zugleich in nervenzerfetzender Spannung den Atem anhalten kann. Vielleicht wollte er es aber gar nicht so genau wissen und das sympathisierende Augenmerk, das der Erzähler dem örtlichen Metzger im Text widmet, rührt von der inneren Verwandtschaft, dass beide sehr Abgehangenes verwursten. Dem leidenschaftlichen Fischer muss somit attestiert werden, dass er trotz blutrünstiger Jagdgelüste und trotz seines mit drängender Zweideutigkeit mitschreibenden Lendenstückes nicht Fisch und nicht Fleisch erzeugt hat.
Diese Provinz, in der die Honoratioren Bürgermeister, Postenkommandant, Fleischhacker, Kaufmann, Bestatter (als Pfarrer-Ersatz) patriarchalisch schalten und walten, faulenzen und sich auf Kosten der Allgemeinheit bereichern, scheint einem Bronner-Qualtinger-Sketch der 50er Jahre entstiegen. Mit der Wirklichkeit von heute hat dieses Setting so viel zu tun wie die österreichische Asylpolitik mit der Bergpredigt. Das Interesse am kleinen Mann geht wie bei vielen älteren Linken irgendwann den Bach runter: Mit großem Erzählaufwand wird ein alter Hoteldiener ins Spiel gebracht und unterwegs dann einfach vergessen. Das "Engagement" erkaltet und weicht einer Häme und einem Zynismus, der spätestens in der Szene, in der die entführte Politikerin verstümmelt wird, nicht nur die Geschmacks-Grenze überschreitet.
Selbstverständlich soll Herr Palm ohne Einschränkung und ohne Schere im Kopf alles sagen und schreiben dürfen. Es besteht nicht der geringste Bedarf an Zensur! Aber ein Autor muss sich auch fragen lassen, wie es ihm so gar keine Beschwerden machen kann, eine Romanfigur zu erfinden, die jeder Leser sofort wiedererkennt, um ihr als Vertreterin einer unmenschlichen Asylpolitik unmenschlich Gewalt anzutun. Wobei noch verschärfend hinzukommt, dass an dieser Stelle, die ich hier nicht zitieren will, sprachlich in sehr verlogener Weise abgewiegelt wird, als wäre alles halb so schlimm, wenn es den Feind trifft.
Andererseits soll man auch nicht päpstlicher sein als der Papst (deswegen gibt es für die Kurzweil der Lektüre und für ein paar wirklich witzige Pointen drei Sterne). Die österreichische Innenministerin hat im vergangenen Sommer Kurt Palm zu einer Lesung ins Parlament eingeladen. Sie und der Autor sind Schulkollegen. Lechts oder rinks, tutti fratelli!