Nach Frankreich und Norwegen legt nun auch die deutsche Filmemachergilde eine Antwort auf Halloween und die Saw-Trilogie vor und das wirklich im eigenen Gewand. Auch wenn der Film mitunter ein paar witzige Anspielungen macht, so überwiegt doch das eine: der blanke Nervenkitzel! Ohne daß man es wirklich möchte, verbreitet der Film von Anfang an eine merkwürdige Stimmung. Die Atmung wird schwerer und die Augen kleben buchstäblich am Bildschirm. Dies liegt nicht zuletzt an der überzeugenden Mitarbeit der Darsteller. Während Patrick Herion die Hauptrolle spielt, spielt Yvonne Wölke die Nebenrolle. Wenn man nun denkt, Yvonne Wölke würde als ehemalige Mrs. Germany nur mit gutem Aussehen trumpfen können, so hat man weit gefehlt. Ihre Darstellung zwischen Angst, Sorge und Arroganz läßt einen nicht mehr los und wirkt noch lange nach. Eine dichte Atmosphäre entsteht und wenn es manchmal ein sekundenlanges Auftauchen gibt, in dem man als Zuschauer merkt, daß man gerade nicht im Wald verfolgt wird, nimmt man diese Momente dankbar als Geschenke entgegen. Bei den special effects kommt natürlich die altbekannte Frage auf, CGI oder nicht. Der Regisseur verzichtet hier bewußt auf den Einsatz moderner Computertechnik, was das Grauen eher verschärft, aber nur aufgrund überragender Darsteller. Kunstblut kann eben nur so gut sein, wie die Leiche, die es trägt.
Was wie ein solider Horrorthriller beginnt, entwickelt sich zu einem sozialkritischen, psychologischen Geflecht, in dem alle Notausgänge verriegelt sind. Dieser Film klagt an und läßt uns teilweise hilflos zurück.
Wenn man bedenkt, daß Sergio Leone zwölf Jahre an seinem Mafia Epos gewerkelt hat und die Produktionszeit hier um einiges kürzer war, so ist es denkbar, daß sich dieser Film in die Gruppe der großen Klassiker einreiht. Bisher hat das Ausland noch nicht allzu viel Interesse bekundet, doch gut Ding will Weile haben.
Ich gebe für Bild und Ton 9/10, für die Darsteller 10/10, für das Drehbuch 11/10 und für den Wald 8,3/10.
2 Sterne für Bad End, von denen jeder wie 7 zählt.