Der walisische Bassbariton Bryn Terfel ist bekannt für seine sehr individuell zusammen gestellten Recitals. Hier hat er unter der Überschrift "Bad Boys" Solonummern verschiedener Bösewichter aus Oper, Operette und Musical zusammen gestellt.
Die Zusammenstellung ist stilistisch ein Rundumschlag, auch nicht nach Entstehungszeit sortiert, aber sehr amüsant: Im Gegensatz etwa zu
René Papes großartigem Recital mit Szenen aus Rollen, die er alle schon gesungen hat, hat Terfel von wenigen Ausnahmen abgesehen Neuland betreten. Und es sind viele Rollen dabei, in denen man ihn sich sehr gut vorstellen könnte:
Besonders gut gefällt mir der Sänger als wirklich dämonischer Don Pizarro (Fidelio) und Kaspar (Freischütz). Überraschend subtil und witzig singt er Dulcamara (Elisir d'amore) und Don Basilio (Il Barbiere di Siviglia). Scarpia (Tosca) und Barnaba (La Gioconda) klingen angemessen lüstern und doch sehnsüchtig. Als Jago (Otello) beginnt Terfel ironisch und steigert sich zur geradezu manischen Rachsucht - in der Rolle möchte ich ihn mal live erleben.
Hörbar zuhause ist Terfel auch in der britischen Operettenwelt von Gilbert and Sullivan (Sir Roderic in Ruddygore). Geradezu mit Kabarettstimme säuselt er die Moritat von Mackie Messer (Dreigroschenoper). Den gewaltigen Hassausbruch des Sweeney Todd "Epiphany" (unterstützt von der herrlich hysterischen Anne-Sophie von Otter als Mrs. Lovett) habe ich kaum je so kraftvoll und musikalisch gehört. Auch bei "Stars" (Les Misérables) kommt echtes Musical-Feeling auf. Sporting Life (Porgy and Bess) ist musikalisch untadelig gesungen, aber nicht ganz cool genug - die Rolle war eben für einen Jazzsänger (Cab Calloway) geschrieben, den Terfel gut, aber hörbar immitiert.
An stimmliche Grenzen kommt der Sänger nur in den beiden reinen Bassarien der Sammlung - beide Male als Mephistopheles (Boito und Gounod). Hier muss er das fehlende Bassfundament eines Boris Christoff oder Nicolai Ghiaurov durch Kraft ersetzen, klingt dadurch aber nicht ganz so dämonisch, wie er müsste.
Die Sammlung endet mit der Höllenfahrt des Don Giovanni. Hier singt Terfel alle drei (!) Rollen, von denen er mindestens zwei (Titelheld und Leporello) schon auf der Bühne gesungen hat. Das ist sicher amüsant, zumal Terfel deutlich zwischen den Rollen zu differenzieren versucht, aber auch etwas verwirrend und musikalisch etwas grenzwertig.
Trotz dieser kleinen Einwände: Terfel legt hier - unterstützt vom Swedish RSO & Choir unter Paul Daniel - ein insgesamt sehr witziges, variables und hörenswertes Recital vor, das man gern öfter hört.