"Backstage - ein Model packt aus" - es fragt sich nur, was.
Dieser "Insiderbericht" ist eindeutig auf Bravo-Leserinnen im Alter zwischen 12 und 16 Jahren zugeschnitten, die keine Folge von "Germany's Next Topmodel" verpassen, selber dem Traum vom Modeldasein nachhängen und darüber ihren Hauptschulabschluss vergeigen.
Die Autorin, die sich intellektuell offensichtlich im gleichen Entwicklungsstadium befindet, wie ihr Zielpublikum, gibt diverse Erlebnisse aus ihrem Leben als Fotomodel zum Besten, die weder originell, noch spannend, noch in irgendeiner Weise "enthüllend" oder spektakulär, sondern einfach nur plump, platt und dämlich sind.
Da geht es um wirklich um ganz irre Geschichten, z. B. wie sie eines Tages ein ganz super-süßes männliches Model kennen lernt. Der schnuckelige Boy ist ein ganz Gescheiter, er liest Dostojewski, na sieh' einer an! Als ihr es schließlich gelingt, sich bei ihm über Nacht einzuquartieren und sie die große Charmeoffensive startet, lässt der sie doch glatt abblitzen, weil er schwul ist. Nein - ist denn das die Möglichkeit!? Darauf hin telefoniert sie auf seine Kosten sechs Stunden lang mit ihrer besten Freundin in L.A. - ja, ja, Strafe muss sein. (Diese Episode ist übrigens eines der Beispiele, die zeigen, wie lustig und voller Selbstironie Frau Berger schreiben kann - hach, wirklich, gaaaanz köstlich).
Ansonsten ist das Modelleben natürlich echt anstrengend. Ständig geht es um die ganze Welt - man verdient irre viel Kohle, hat aber vor lauter Stress kaum Zeit, diese sinnvoll in Gucci-Handtäschchen oder Prada-Gürtelchen anzulegen, nein, so ein Model ist nicht zu beneiden. Ganz besonders belastend bei diesem Job ist natürlich auch, dass man vor Ort (also Paris, Mailand, Tokio....) immer gemeinsam mit einigen anderen Models in einer Art WG wohnt. Und diese anderen "Mädels", so erfährt der Leser, sind allesamt Zicken, die sich einander das Schwarze unter den Fingernägeln nicht gönnen. Da finden dann schon mal Anschläge auf die Rivalin statt, bei der die angebliche Haarkur ein schwarzes Färbemittel ist. Boaah ... das muss man sich mal vorstellen, so was Gemeines aber auch!!!
Die einzige Nicht-Zicke ist unsere Autorin, aber die ist natürlich auch in jeder anderer Hinsicht besser als alle anderen: Als einziges Model kann sie offensichtlich von alleine ihr Gewicht halten, während die anderen magersüchtig und/oder bulimisch sind, Abführmittel und Appetitzügler oder sogar Watte mit Orangensaft schlucken. Wer hätte das gedacht? Sie würde auch nie einem anderen "Mädel" die falsche Adresse für ein Casting geben, um sie so außer Konkurrenz zu halten - das machen nur die anderen, dafür aber auch ständig. Aber die sind ja auch alle mega-unerfolgreich, waren höchstens mal in irgendeiner Reklame von hinten zu sehen und leben sowieso nur mit Hilfe von Papis Kreditkarte.
Ja, ja, so ist das eben. Bei diesem anstrengenden Jet-Set auch noch das Privatleben in Ordnung zu halten, ist selbstverständlich sehr schwer. Da wollte die Autorin von Kapstadt aus doch glatt mal zu Weihnachten ihren Freund in Hamburg überraschen - tja, und wie es so kommen musste, hat sie ihn zusammen mit ihrer besten Freundin (jetzt nicht mehr in L.A.) in flagranti im Bett erwischt. Schlimm, schlimm, aber der Modeljob hat eben seine Kehrseiten.
Aber Effi Berger (gibt es die eigentlich wirklich?) plaudert nicht nur aus dem Nähkästchen, sie gibt auch unverzichtbare Insidertipps für zukünftige Models. Wenn Maß an einem relativ kleinen "Mädel" genommen wird, sollte dieses sich möglichst recken, um größer zu wirken. Große "Mädels" tun hingegen gut daran, flache Schuhe zu tragen, im ihre Größe zu kaschieren. Ganz wichtig ist auch, dass man vor einem Job möglichst nicht die ganze Nacht durchfeiert, das tut nämlich der Gesamtverfassung und dem Teint nicht gut.... Und so weiter und so fort.
Liebe Kinder, wenn ihr außer der Bravo mal tatsächlich etwas anderes lesen möchtet, das unterhaltsam und nicht zu anspruchsvoll sein soll, dann empfehle ich euch "Hanni und Nanni" - im Gegensatz zu den Enthüllungen der Effi Berger sind diese Mädchenromane nämlich geradezu authentisch und lustig geschrieben.
Backstage: Ein Model packt aus