"Backless" war 1978 das sechste und letzte Album mit seiner "amerikanischen" Band, die Clapton seit '74 auf seinem Comeback-Kurs begleitet hatte. Claptons Haupteinflüsse neben dem Blues waren, wie schon auf "Slowhand", Don Williams, J.J. Cale und besonders Bob Dylan. Der Albumtitel bezog sich darauf, dass Clapton festgestellt hatte, dass wenn man mit Dylan auftrat, sich aber nicht voll konzentrierte, dieser dies auch mitbekam, ohne sich umzudrehen, und einen dann mit strafenden Blicken abmahnte. Dylan war es auch, der Clapton eine Cassette mit zwei Songs gab, die er mit seiner damaligen Freundin und Chorsängerin Helena Springs geschrieben hatte und die auch auf dem Album landeten, nämlich Walk out in the Rain und If I don't be there by Morning.
Ist "Backless" stilistisch (Blues, Country, Folk, Gospel, Rock'n'Roll) stark an seinen Vorgänger "Slowhand" angelehnt, kann es leider qualitativ nicht mit diesem mithalten, obwohl starke Songs enthalten sind: die Single-Auskopplung Watch out for Lucy und Tulsa Time schieben gut los, der obligatorische Blues Early in the Morning und Marcy Levys ansprechend ordinäres Solo auf Roll it enttäuschen nicht. Mein Lieblingssong ist das J.J. Cale-Cover I'll make Love to you anytime mit seiner geilen Wah-Wah-Slidegitarre.
Von den beiden Dylan-Songs überzeugt If I don't be there by Morning mehr als Walk out in the Rain, aber - mit Verlaub - es gab auch einen Grund, warum Dylan die Songs nicht selber rausbrachte (so wie Sign Language auf "No Reason to cry").
Ich habe nichts gegen ein paar gepflegte Countrysongs, die gab's auch schon auf "Slowhand", und Tell me that you love me ist okay. Golden Ring aber ist eine Übung in Belanglosigkeit, und mit dem unsäglichen Promises ("la la lalala la la..."), das unverständlicherweise ebenfalls als Single erschien, rückt Clapton - und das trotz Duetts mit Marcy Levy und Slidegitarre! - so nahe wie selten zuvor an Schlagerniveau heran, erschreckend für einen Mann, der '65 bei den Yardbirds ausgestiegen war, weil ihm For your Love "zu kommerziell" war, und der nur 8 Jahre zuvor ein Album wie "Layla" vorgelegt hatte. Clapton beklagte später die allgemeine Lethargie seiner Band, ihn selbst eingeschlossen, die in diesen Songs sehr gut zum Ausdruck kommt. Vielleicht war sie mit ein Grund dafür, dass er seine nächsten Alben "Just one Night" und "Another Ticket" in komplett neuer Besetzung (diesmal britischer Nationalität) einspielte.
Fazit: eher für Clapton-Fans geeignet; überzeugender ist bei stilistischer Verwandtschaft eindeutig "Slowhand" ausgefallen.
Auf Vinyl ist Early in the Morning 5:36 lang; auf CD erschien der Song dann in einer ungekürzten, fast achtminütigen Fassung. Aus diesen Sessions sind mittlerweile auf "Crossroads 2" und vor allem auf "Blues" vier weitere Outtakes erschienen: zwei Versionen von Before you accuse me (das Clapton dann später auf "Journeyman" und "Unplugged" offiziell veröffentlichte), Cryin' und To make somebody happy.