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5.0 von 5 Sternen
Exzellent dargebotenem Beat mit Drive und Witz, 9. Juli 2003
Rezension bezieht sich auf: Back in the World (Audio CD)
Passend zu seiner anstehenden Europa-Tournee veröffentlicht der Ex-Beatle ein Live-Album, das auf seiner abgeschlossenen USA-Tour aufgenommen wurde. Dabei greift Paul (wie wir älteren sagen) ungehemmt auf das zurück, was er am besten kann: Beatles-Stücke spielen. Zwei Drittel des gesamten Programms (und auch dieser CD) stammen aus den alten Tagen der 60er Jahre. Wobei diese Songs fast schon zum Weltkulturerbe gehören. Und so erfreuen wir uns an exzellent dargebotenem Beat mit Drive und Witz vergangener Zeiten. Und wer könnte die alten Balladen besser darbieten als McCartney selbst. Von erster Güte präsentieren sich auch die Begleitmusiker. Zwei Gitarristen, ein Keyborder, ein Schlagzeuger und Macca selbst. Das reicht von "Hello Goodbye" bis "Sgt. Peppers" und "The End" vom letzten großen Beatles-Album "Abbey Road". Mit bestens eingespielter Band zelebriert McCartney diesen Live-Mitschnitt als bemerkenswert nahe, intime Reminiszenz an früher. So frei und locker hat er sich noch nie aus dem Beatles-Fundus bedient. Und tontechnisch ist dieses Album hervorragend eingespielt, so dass man schon jetzt einen Vorgeschmack auf seine Europa-Tour bekommt.
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4.0 von 5 Sternen
back in the world, 2. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: Back in the World (Audio CD)
2003 erschien analog zu "back in the u.s." Paul McCartneys "Rest der Welt"-Version seines dritten Solo-Live-Albums; für mich wie immer ein freudiger Anlass. Bei der Songauswahl finden sich die üblichen zu erwartenden Verdächtigen: von den insgesamt 36 Songs sind allein 22 (!) aus Beatles-Tagen; mit dieser Tatsache hat Paul inzwischen ganz offensichtlich längst seinen Frieden gemacht. Aus den Siebzigern (Wings & solo) gibt's dagegen bloß acht, und von seinen Soloalben aus den restlichen Jahren weitere sechs, davon allein drei aus seinem damals aktuellen (und äußerst blassen) Album "Driving Rain", die allesamt erst in ihren Live-Versionen zünden.
Es gibt wie üblich ein paar Überraschungen, wenn Paul seinen eigenen Back-Katalog plündert: Hello Goodbye, Getting better, Mother Nature's Son und She's leaving Home hat er noch nie zuvor live gespielt, ebenso wenig Here today, seine (ohne die Streicher weniger kitschige) Hommage an John Lennon. Seine rührende Hommage an George Harrison, eine Ukulele-Version von Something (die auf dem "Concert for George" in eine von Clapton geführte Rockversion überging) ist ebenfalls ein willkommenes Novum. Vom '97er Album "Flaming Pie" gibt's erfreulicherweise noch Calico Skies, eine Linda gewidmete Liebeserklärung.
Von der Dramaturgie her greift Paul eine Idee seiner Mittsiebziger-Wings-Konzerte wieder auf: nach ein paar einleitenden Rockern folgt ab Titel 10 (CD 1) bis Titel 4 (CD 2) die "akustische" Abteilung, unplugged mehr oder weniger, es wird über einen längeren Zeitraum ruhiger, was riskant ist, aber klappt, da Paul gekonnt mit dem Nostalgiefaktor spielt und einige Songs fast gänzlich solo bringt. Leider sind ein paar davon nicht ganz so gelungen: Mother Nature's Son kommt einfach nicht an die Zartheit des Originals heran, und auch Carry that Weight (eigentlich ein Medley mit You never give me your Money) klingt eher wie ein gelangweilt herunter gesungenes E-Piano-Demo (was für ein Abfall gegenüber der "Abbey Road"-Version!), und dem Gag, wo er singt, er könne sich an die ursprüngliche Textzeile nicht mehr erinnern, würde es aber bis zum Ende der Tour dabei belassen, merkt man an, dass er beim ersten Mal spontan witzig war, inzwischen aber fest eingebaut ist.
Ansonsten finden sich hier viele alte Bekannte seiner beiden vorigen Live-Alben "tripping the live fantastic!" ('90) und "Paul is live" ('93) wieder, die aber ab und zu leicht variiert werden: so kombiniert er z.B. ein Medley aus Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (Reprise) und The End; die '90er Live-Versionen fand ich allerdings gelungener.
Die Band wurde bei "Driving Rain" ('01) vorgestellt und besteht bis auf seinen bewährten Allround-Keyboarder Paul Wickens (bereits '89-'93 in McCartneys Band) aus frischen, jüngeren Musikern, die die Chance ihres Lebens be- und ergreifen und McCartneys Songs voller frischer Begeisterung mitrocken. Hatte Pauls Stimme allerdings bereits auf seinen letzten drei Studio-Alben zunehmend Alterserscheinungen gezeigt, so stellt sie auf diesem Live-Album erstmals ein Manko dar. Sie schafft teilweise nicht mehr die hohen Stellen, die sie früher mühelos erreichte, und klingt öfters bemüht, manchmal gar gequält und leicht daneben (was umso erstaunlicher ist, als Mick Jaggers Stimme im selben Zeitraum praktisch ungealtert scheint!). Ich habe Paul McCartney am 27.4. 2003 in der Kölnarena gesehen, fand seinen Gesang wie gewohnt klasse und frage mich, warum er (alter Perfektionist, der er ist) Aufnahmen veröffentlicht, bei denen man bei seinem Gesang deutliche Abstriche machen muss! Durch das (unverständliche) Weglassen sämtlicher Ansagen wirkt die Platte etwas unpersönlich (an Platzmangel auf den CDs kann es nicht gelegen haben), so als spule Paul nur sein Programm ab, was seinen Konzerten überhaupt nicht entspricht. Anders als andere Rezensenten finde ich den Gesamtsound der CD allerdings klar, kraftvoll und gut abgemischt.
Die parallel eine Weile vorher erschiene Do-CD "back in the u.s." (diese ohne Kopierschutz) unterscheidet sich in der Songauswahl, an der amerikanischen Zielgruppe ausgerichtet, leicht von "back in the world": dort finden sich zusätzlich Vanilla Sky (sehr schön), C Moon - und Freedom, für mich der absolute Tiefpunkt, der Gipfel an Trivialität in McCartneys Oeuvre. Dafür fehlen dort Calico Skies, Michelle, She's leaving Home und Let 'em in. Die Version von Hey Jude auf "back in the world" stammt aus Mexico City, die auf "back in the u.s." aus New York City. Sammler wie ich brauchen natürlich wieder beide; schade, denn alle Songs hätten zusammen auf einer Doppel-CD Platz gehabt.
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