Die Scores von James Horner gelten gemeinhin nicht gerade als musikalische Meisterwerke, vereinen sie jedoch so gut wie alle eines der charakteristischsten, und für mich wichtigsten Merkmale, die letztlich ebenso zum kommerziellen Gelingen eines Filmes beitragen und von wenigen Komponisten beherrscht werden: und das ist die (nachhaltige) emotionale Bindung. Stellvertretend hierfür steht immer noch der Soundtrack zu "Titanic" ganz weit oben auf der Liste. Dem angeprangerten Hollywood Bombast zum Trotz, handelt es sich nach wie vor um eines der besten Liebesdramen vor dem realen Hintergrund eines der bedeutendsten menschlichen Tragödien der Ära des industriellen Zeitalters. "Back To Titanic" war ein von Regisseur James Cameron angeregtes Fortsetzungsprojekt des über alle Maßen erfolgreichen und oscarprämierten ersten Originalsoundtracks. James Horner versammelte extra zu diesem Anlaß das London Symphony Orchestra und die Choiristers Of King's College aus Cambridge um sich, um seinen, teils mit neuen Motiven angereicherten, Kompositionen des ersten Teils noch mehr emotionale Dichte zu verleihen. Herausgekommen sind dabei zum einen die fast zwanzigminütige "Titanic-Suite", die eine musikalische Zusammenfassung und zum Teil Neuinterpretierung der wichtigsten Stationen des Films darstellt, sowie das das Album abschließende "Epilogue-The Deep And Timeless Sea", welche eine überwiegend getragene, fast meditative Ode an die Schönheit und Mystik der Ozeane ist. Eingebettet darin finden sich viele kleine musikalische Leckerbissen, die es aus "Platzgründen" auf die erste CD nicht geschafft haben: so zum Beispiel das an die Feierszenen der dritten Klasse erinnernde und ebenso betitelte "An Irish Party In Third Class", oder "Jack Dawson's Luck", gespielt von der Folkformation Gaelic Storm. I Salonisti interpretieren das schwungvolle "Alexander's Ragtime Band", welches als Begleitmusik der ersten Klasse im Film zu hören ist, sowie das tränenschwere "Nearer My God To Thee", das vereinzelte Passagiere in ihr ergebenes Schicksal an Bord begleitet. Das auf dem ersten Soundtrack nicht enthaltene, aber hier endlich untergebrachte Piano Solo "The Portrait", oder "A Building Panic", und komplette Neukompositionen, wie "Lament", ein melancholisches Folkstück, und das ausschließlich von Bläsern und Uilleann Pipes dominierte "A Shore Never Reached" mischen sich ebenso angenehm unter diese Zutaten, wie das eher traurig anmutende, von Máire Brennan gesungene "Come Josephine, In My Flying Machine", das Jack Rose in der berühmten, in Sonnenuntergang getränkten Bugszene sanft ins Ohr säuselt. Über die Wiederaufnahme der von Celine Dion intonierten Ballade "My Heart Will Go On" kann man geteilter Meinung sein, muß man jedoch anerkennen, daß ihre Version des Titels einen nicht unbescheidenen Beitrag zur Popularität dieses Filmes beitrug. Hier und da werden auf dieser CD noch einige Originaldialoge eingestreut, die allerdings nicht störend oder unangepaßt wirken. James Horner wird mit seinen Arbeiten weiterhin polarisieren. Der Erfolg scheint ihm allerdings recht zu geben. Viele Kritiker forderten damals einen John Williams, da sie Horner für eine dramaturgisch überzeugende Umsetzung nicht geeignet hielten. Für mich hat er sich nach all den Jahren mit diesem Beitrag zur Filmgeschichte sein eigenes Denkmal gesetzt.