Ich wünschte, ich könnte dem neuen Werk fünf Sterne schenken. Ich mag Schotten, Piraten find ich okay, der Musikstil gefällt mir, die Lieder machen gute Laune und ich möchte die Musik stundenlang hören. Aber da tun mir diese Kerle von Seeräubern keinen Gefallen. Genaugenommen bieten sie nur 9 eigene Lieder an (das 6-sekündige Rumpelkombo abgezogen), von denen mich auch noch eins, das leider genau in der Mitte ist, ziemlich nervt. Die 3 Coverlieder mag ich auch nicht. Da sollte Bowes sich lieber ein Stück von Tyr abschneiden (siehe "Ellindur Bóndi Á Jadri"), die nicht auf so abgelutschte Titel wie Oh La Paloma Blanca zurückgreifen. Allerdings gibt es auf dem Album auch eine große Anzahl an Liedern, die ganz schön rocken. Und der Sound ist um Weiten besser als der der Vorgängeralben. Nun kann man die Band auch mal hören, wenn man einen kleinen Schädel hat. Es klingt nicht mehr so knarzig, trotz Bowes Rumpelstilzchenstimme, die natürlich zu Piratenmusik auch sein muss.
Meine drei Lieblingslieder:
1) THE SUNK'N NORWEGIAN. Ein 60-Minuten-Album mit Liedern wie diesem wäre das Optimum. Dann sagen zwar manche, die haben keinen Anspruch, die machen nur Kommerz, aber genau so wollen es zumindest meine Ohren. In dem Lied geht es um eine düstere Kneipe mit fiesen Wirten, in der viel getrunken wird. Die ausgelassene Stimmung hört man ihm an, es ist wunderbar.
2) SHIPWRECKED. Da wurde jemand als Pirat angeheuert, und er weiß ganz genau, dass er eines Tages Schiffbruch erleidet und auf einer einsamen Insel strandet. Scheiß egal. So soll es sein. Und diese Hochstimmung transportiert auch die Musik. Im Refrain hebt man spontan die Arme und grölt mit..."Hey, your banjaxed..."
3) SCRAPING THE BARREL. Eine Art Hymne, die beim letzten Kehrvers sogar um eine Tonart höher geht. Schön was zum Schunkeln. Nur der Text irritiert mich. Es hört sich an, als wollten Alestorm dieses Projekt beenden, mit ihrer Piartenmusik aufhören. Das geht gar nicht! Kann aber auch nicht sein, das erlauben die Weltordnung und der Anspruch auf fröhliche Musik niemals.
Meine zwei ungeliebten Lieder
1) RUMPELKOMBO. Mit diesem Namen soll laut Legende ein Grave-Digger-Mitglied die Jungs verhöhnt haben. Nur ob sowas dann gleich einen Kurzaufschrei wert ist, zumal man beim Kauf der CD zunächst nicht ahnt, dass einem hierfür ein ausführliches Lied abgeht. Das macht auch das über 7-Minütige Death Throes Of The Terrorsquid nicht wett, das das nach meiner Meinung zu vielschichtig für Alestorms Musikstil ist. Solche Werke höre ich viel lieber von Turisas, die mir ohnehin wie der große, etwas artigere Bruder von Alestorm vorkommen.
2) BUCKFAST POWERSMASH. Die Strophe ist standardgemäß schön. Doch der Refrain nervt. Diese abgehackten Shouts sind weder innovativ noch erträglich und zerstören für mich das ganze Lied.
Der Kauf der LIMITED EDITION lohnt sich zum einen, weil das feste Digi-Book, das tatsächlich an ein kleinformatiges Buch erinnert, eine schöne Sache ist. Das passt zu dem gelungenen Artwork. Für die zusätzlichen Lieder lohnt sich der Kauf eher nicht. Die sind kurz und, wie oben angedeutet, nicht die spannendsten Coverversionen.
Sucht man ähnliche Musik hat mans schwer. Die in einem Lied des Albums erwähnten Swashbuckle haben nicht so schön meldoische Refrains. Anderen Piratenbands fehlt die Qualität oder sie klingen soundtechnisch zu alt(Running Wild). Turisas aus Finnland haben auf der Stand up and Fight zwar ein Piratenlied platziert, und sie gelten als eins der Vorbilder von Alestorm, doch ihre Musik ist epischer und hat weniger die roughe, geradlinige Art, die für mich ohnehin eher den Punk als den Metal streift.