Kenner der Musikszene wissen die vielseitige Kreativität von Ryuichi Sakamoto schon lange zu schätzen. Er ist ohne Zweifel einer der aufgeschlossensten und talentiertesten Musiker seiner Generation in Japan. Der 1952 in Tokio geborene Japaner verbindet verschiedene Musik-, Kunst- und Technologierichtungen miteinander wie Pop, Klassik, Jazz, Schauspiel, Fotografie, Akustik und Elektronik. Ryuichi Sakamoto ist ein Mensch, der die Fäden der Vergangenheit aufnimmt, um daraus neue Stoffe zu weben. Diese Arbeitsweise liegt auch seinem neuen Klavieralbum "BTTB" Back to the Basic zugrunde. Eine Kollektion hübscher Klaviermelodien irgendwo zwischen Sandmännchen und Satie.
Mit "BTTB" stellt das Multitalent seine japanischen Soloklavierkompositionen und das bisher unveröffentliche Stück "Reversing" vor. Sakamoto erfüllte sich mit diesem Album den langjährigen Wunsch eine reine Piano-CD zu produzieren, die dem Zuhörer zeigt, dass ein Klavier experimentierfreudig auf unterschiedliche Art und Weise einsetzbar ist. Dabei greift er Einflüsse von Brahms, Ravel, Satie und anderen auf und entwickelt daraus seine musikalischen Farbwelten.
In Japan, wo das Album bereits vor zwei Jahren veröffentlicht wurde, war "BTTB" ein Erfolg ohnegleichen. Mit der Singleauskopplung "Energy Flow", eine sanft am Klavier getupfte Werbemelodie für Vitaminpillen, führte Sakamoto gar acht Wochen lang die dortigen Single Charts an. In Japan war er damit der älteste Musiker, der je eine Nummer-eins-Hit in den japanischen Charts hatte.
Mit allzu großer Experimentierfreude ist Sakamoto allerdings nicht zu Werke gegangen. Er selbst nennt Satie, Debussy und Strawinsky als Bezug. Aber auch Chopin und Claydermann kommen einem beim Hören in den Sinn. Vergleichbar pseudo-klassische Alben haben auch Chick Corea und Keith Jarrett in ihrer post-elektronischen Phase veröffentlicht. Avantgarde ist das bestimmt nicht, wirklich aufregend ist es auch nicht, aber es ist hübsch, sehr hübsch.