Ich habe mir einige Zeit gelassen, um mir eine endgültige Meinung über Clapton's neue Scheibe zu machen, um mich nicht vom ersten Gefühl in die Irre drängen zu lassen.
"Back Home" ist eine absolut ausgewogene Scheibe, die viel Soul in sich hat. Clapton hat es nicht nötig, beim Publikum "sammeln zu gehen", denn Geld hat er genug. Also macht er das, wonach ihm ist und das hat er sehr gut hingekriegt:
Gekonnt eingesetzte Bläser, ein groovendes Schlagzeug, ab und zu eine Dobro, ein wie immer kreativer Bass, perfekt arrangierte Backgroundstimmen, Streicher und Gitarren, die sich absolut songdienlich einfinden.
Letzteres ist das, was mir gerade so gut an "Back Home" gefällt und was es zu einem ernst zu nehmenden Album macht. Clapton drängt sich nie auf und spielt nur an Stellen Solos oder Melodieläufe, wo es auch wirklich reinpasst. Live sind die Songs sicherlich perfekt zum Jammen, da freue ich mich auch mal wieder drauf, aber im Studio braucht er das einfach nicht.
Anspieltipps: Außer "Say What You Will" auf jeden Fall "Love Don't Love Nobody". Man lasse sich auf letzteres Lied einfach ein und lasse es auf sich wirken. Wonderland-Dreams garantiert! Vor allem verwunderlich: Clapton's mittlerweile hervorragende Intonationen und Variationen in seiner Stimme.
Was Clapton schon immer ausgemacht hat, ist nicht, dass er sich gegen den Zeitgeist richtet, sondern dass er sich von niemandem etwas vorschreiben lässt. Wenn er ein Blues-Album über Robert J. machen will, macht er das. Und wenn er ein poppigeres Album machen will, macht er das auch. Weil er ein Vollblutmusiker ist, der sich nicht nach den Wünschen seiner Fans richtet und der sich ständig weiterentwickelt.
Fazit: Über Claptons Improvisationskünste müssen wir ja nicht reden. Vor allem überzeugt das Album, weil es stilistisch vielfaltig ist, trotzdem aber einen roten Faden hat und einfach genial produziert ist. Jedes Instrument gehört genau da hin, wo es eingesetzt ist und das zeichnet eine gute Band bekanntlich aus.