Movieman.de
Moviemans Kommentar zur DVD: Technisches Highlight. Uneingeschränkte Höchstwerte in allen Punkten und ein umfangreiches und informatives Extraprogramm. Die Fenster des Kapitelmenüs sind allerdings zu klein geraten.
Bild: Hier ist einfach alles auf höchstem Niveau. Animationsfilme haben nunmal aufgrund Ihrer Entstehung im Computer den enormen Vorteil, nicht unter den "Mängeln" des chemischen Filmes leiden zu müssen. Die Kamerafahrten über das bezaubernde Land Gaya scrollen so sanft und dennoch weitgehend ohne Verlust der Detailkraft, dass man aus dem Schwelgen kaum herauskommt. Auch die Farben leuchten fast schon zu kräftig gesättigt, beispielsweise das Rot des Kissens bei 00.07.30. Der Gesamteindruck ist nahezu dreidimensional und von äußerster Detailhaftigkeit. Artefakte oder gar Rauschen? Fehlanzeige. Hier gibt es nichts zu meckern. Gut gemacht!
Ton: Auch tonal wurde hier so richtig aus dem Vollen geschöpft. Satt bollernde Motoren zum Rennen (00.05.55), sanft quäkende Vögel im Hintergrund, die jederzeit scharf ortbar sind und doch so diffus im Hintergrund bleiben, dass sie nicht die Konzentration auf das Geschehen am Bildschirm nehmen. Die deutschen Stimmen klingen knackig und nutzen den vollen Grundtonbereich der menschlichen Stimme. Das ist fast schon Live-Atmosphäre.
Extras: Gleich mehrere Featurettes erköären dem Interessierten den Weg vom Storyboard zum fertigen Film. Dabei gibt es auch eine Szene auf einem geviertelten Bildschirm in 4 verschiedenen Produktionsschritten gleichzeitig zu sehen. Der Knaller ist jedoch die 20minütige Kombi aus Sprecheraufnahmen und Interviews. Da lassen sich z.B. Bully (spricht Buu) und No Angels Star...ach, ich habe Ihren Namen vergessen, bei der Arbeit filmen. Seltene Einblicke, die man viel zu selten zu sehen bekommt. Der Audiokommentar mit Regisseur und Produzent Leonard Krawinkel und Holger Tappe ist nicht nur für Computerfreaks und Animationsfans interessant, sondern berichtet sehr berührend über die Bemühungen, Michael Kamen als Komponisten zu gewinnen, der während der Produktion verstarb und dessen Team den Score fertig stellte. --movieman.de
VideoMarkt
Video.de
Blickpunkt: Film
Wenn man in Deutschland ein derartiges Projekt durchziehen will, benötigt man Zeit, Geld und Idealismus. Davon hatte Produzent Holger Tappe offenbar reichlich. Mindestens vier Jahre, Vorbereitungszeit inklusive, steckte er in das Projekt, dazu laut Presseheft einen Teil seiner Erbschaft und natürlich jede Menge Glauben daran, dass eine millionenschwere CGI-Produktion in Deutschland überhaupt möglich ist. Als Tappe dann in Hannover einen Standort und in seinem Freund Lenard F. Krawinkel ('Sumo Bruno') einen Regisseur/Partner gefunden hatte, wurde die Story von 'Back to Gaya' in die Tat umgesetzt.
Darin geht es um ein wunderschönes, idyllisches Land namens Gaya, das von niedlichen kleinen menschenartigen Wesen mit komischen Ohren bewohnt wird. Diese Gayaner leben friedlich vor sich hin, veranstalten zuweilen mal ein spektakuläres Autorennen, bei dem meist Zino, der gayanische Nationalheld gewinnt, und freuen sich ansonsten des Lebens. Doch eines Tages wird dem kleinen Volk der Dalamit gestohlen, ein magischer Stein, ohne den die Gayaner nicht existieren können. Also macht sich Zino mit seinem Kumpel, dem schüchternen Erfinder Buu, auf eine abenteuerliche Suche, die die beiden in die Welt der Menschen führt. Dort erfahren sie, dass sie lediglich die Helden einer TV-Serie sind. Davon lassen sich die zwei jedoch nicht beirren und bleiben dem Dalamiten auf der Spur. Hilfe erhalten Zino und Buu dabei von der schönen, mutigen und kampfsporterprobten Bürgermeister-Tochter Alanta sowie von drei frechen Schnurks, die in Gaya noch Widersacher waren, im Land der Menschen aber mit Zino und Co. gemeinsame Sache machen.
'Back to Gaya' erfüllt alle Vorgaben, die ein Fan von Abenteuerfilmen verlangt. Eine Geschichte, die gut 90 Minuten lang in Atem hält, Identifikationsfiguren, mit denen man mitfiebern kann, und jede Menge Action, Verfolgungsjagden und andere das Tempo hoch haltende Ingredienzien. Dabei zitieren Krawinkel und Tappe frisch-fromm-fröhlich-frei US-Megahits von 'Die Truman Show' über 'Matrix' bis hin zu 'Das Schweigen der Lämmer' und zurück. Da sie es aber so liebevoll und geschickt machen, stört dies den Betrachter ebenso wenig wie die Tatsache, dass die eine oder andere Figur eine gewisse Ähnlichkeit mit Charakteren aus 'Shrek - Der tollkühne Held' oder 'Die Monster AG' aufweist. Obendrein ist 'Back to Gaya' auch noch gekonnt montiert - besonders gelungen ein Schauplatzwechsel, bei der von fliegenden Zeitungsblättern in wehendes Laub übergeblendet wird.
Gleichzeitig bedeutet 'Back to Gaya' auch das Vermächtnis des kürzlich verstorbenen Komponisten Michael Kamen (u.a. 'Brazil' und die 'Die Hard'-Serie), der mit dieser Arbeit noch einmal seine Ausnahmestellung unter Hollywoods Top-Musikern untermauern konnte. Und schließlich bewiesen die Produzenten auch mit der Wahl der Synchronstimmen ein glückliches Händchen. Neben Multitalent Vanessa Petruo als Alanta, dem unverwüstlichen Wolfgang 'Käpt'n Blaubär' Völz als Bürgermeister und dem Synchro-Profi Torsten Münchow (u.a. Stimme von Antonio Banderas) punktet Allround-Genie Michael 'Bully' Herbig als Buu insbesondere auf der spaßig-sympathischen Ebene. Auch das Experiment, das Projekt von Anfang an auf den internationalen Markt auszurichten und dabei seine Eigenständigkeit gegenüber der drückend überlegenen Konkurrenz aus Übersee zu bewahren, ist aufgegangen. Jetzt müssen nur noch Rubel, Euro und Dollar rollen, um hierzulande den Weg für weitere Projekte dieser Größenordnung frei zu machen. lasso.