Nach den beiden letzten Alben von The 69 Eyes, 'Angels' und 'Devils', hätte man die Finnen fast abschreiben können. Hochglanzpolierter Gothicmetalrock, recht durchschnittlich, ohne richtig viel Leben. Die Vampire aus Helsinki zehrten immer noch von dem grandiosen 'Blessed be' - Album, von diesem Album stammende Über-Hits wie 'Brandon Lee' sind bereits Klassiker des Genres. Danach hat die Band versucht, irgendwie etwas anderes zu machen um nicht als Selbstplagiat negativ aufzufallen und hat den Glam- und Lippenstiftfaktor fast selbstzerstörerisch erhöht.
Nun aber war offensichtlich Zeit für etwas Neues, also gingen die Helsinki Vampires nach Los Angeles, die Stadt der Engel. Dort wurde mit 'Back In Blood' das neue Werk eingezimmert - und der Erfolg könnte durchschlagender nicht sein. 'Back In Blood' ist nicht weniger als ein Meilenstein des modernen Gothic Hard Rock; sollte es eine solche Musikrichtung noch nicht geben, müßte sie für dieses Album erfunden werden.
Dabei geht die Band weiter in der eigenen Geschichte zurück, als es die meisten Fans der vermeintlich ersten 'Blessed Be' - Stunde verstehen werden. Denn The 69 Eyes haben mal als Hard Rock - Band angefangen, bevor die Dunkelheit ausbrach. Wer es nicht glaubt, möge sich 'Wrap Your Troubles In Dreams' zu Gemüte führen.
Auf diesem Weg zurück verweilen The 69 Eyes aber ausgiebig auf der Höhe von 'Blessed Be'. Und so ist 'Back In Blood' ein Album, das den Hardrock ganz früher Tage mit dem Gothic Metal der nicht ganz so frühen Tage verbindet.
Dabei achtet die Band darauf, die einzelnen Stücke nicht zu überladen. Jeder Song ist unverkennbar The 69 Eyes, aber mal Rock ('Dead Girls Are Easy' - was für ein sensationeller Rausschmeißer!) mal Gothic Metal (Songs wie 'Night Watch', 'Lips Of Blood' oder 'Eternal' wären auch auf 'Blessed Be' absolute Highlights).
Die Produktion von Matt Hyde (immerhin Grammy-Gewinner) ist sensationell hart, gleichzeitig weich und melancholisch, bis ins kleinste Detail ECHT, nichts wirkt künstlich, glattpoliert oder überladen. Ein Meisterwerk an Klang, das den Hörer sofort wie in einem Sog mitwirbelt, man hat das Gefühl, die Band stünde direkt vor einem, während man das Album hört. Vergleiche mit einem Klassiker wie 'Appetite For Destruction' von Guns n' Roses sind nicht zu weit hergeholt, auch wenn The 69 Eyes natürlich auch und insbesondere wegen Jyrkis Stimme weitaus düsterer zugange sind. 'Dead Girls Are Easy' ist ein Rocker der Güteklasse 'Paradise City'.
'All I Wanted To Do is.... ROCK!!'
Na das ist mal ne Ansage, und die 69 Eyes kommen dem 12 Songs lang nach.
Mit 'Eternal' ist auch die beste Ballade der Bandgeschichte am Start. The 69 Eyes schaffen es, düster-erotischen Gesang, Pathos, Kitsch, Zuckerguß und brettharte Gitarren perfekt zu kombinieren. Dieses Album lebt, atmet, blutet Herzblut, von untot keine Spur, außer in den Texten, die sich um die Herrschaften mit den spitzen Zähnen drehen.
The 69 Eyes waren genau zur rechten Zeit am rechten Ort, haben sich mit 'Back in Blood' neu erfunden.
Natürlich braucht man auf dem Weg zur Erleuchtung etwas Hilfe, und so durften sich die Norweger auch auf Matt Hyde (Produktion - unter anderem auch Slayer oder Monster Magnet), den berühmten Künstler und Fotografen Estevan Oriol, sowie den durchgeknallten, allseits bekannten Bam Margera (Video-Regie) verlassen, die ihnen gemeinsam den Weg ermöglichten.
Den Weg allerdings gehen, das mußte die Band selbst, und das hat sie mit solcher Bravour getan, dass selbst alteingesessene Rezensenten noch ins Staunen geraten.
01. Back In Blood
02. We Own The Night
03. Dead N´ Gone
04. The Good, The Bad & The Undead
05. Kiss Me Undead
06. Lips Of Blood
07. Dead Girls Are Easy
08. Night Watch
09. Some Kind Of Magick
10. Hunger
11. Suspiria Snow White
12. Eternal