Es ist nicht nur meine persönliche Lebensgeschichte, die mich zum Planungsskeptiker machte. Schützenhilfe erhalte ich zunehmend auch von Wissenschaftlern, die sich mit Systemtheorie, Komplexität und dem Gehirn beschäftigen. Aber der Zeitgeist will nun mal, dass alles Mögliche und Unmögliche geplant wird. Und von dieser Manie sind natürlich auch die Bildungsverantwortlichen und Studierenden betroffen. Wenn man also schon planen muss, dann lieber gleich richtig.
Sebastian Horndasch hat mit seinem Buch "Master nach Plan" und in der ersten Auflage von "Bachelor nach Plan" bereits bewiesen, dass er unzählige Informationen in eine übersichtliche Ordnung bringen kann, das System kennt und in der Lage ist, konkrete Hilfe zu leisten.
Die vollständig überarbeitete und aktualisierte Neuauflage hält am bewährten Konzept fest. Nach der kurzen Einleitung geht's gleich zum Fahrplan, unterteilt in "Fortschrittsdiagramm für gute Planer" und "Fortschrittsdiagramm für die Entscheidung in letzter Minute". Danach wird das System ausführlich erklärt, was auch deshalb sinnvoll ist, weil der Bologna-Prozess gar nicht so einfach zu durchschauen ist und viele Studienanfänger keine Ahnung haben, in welche Welt sie sich begeben. Dass die Kritik am Bachelor harmlos und kurz ausfällt, ist verständlich. Denn schließlich will Sebastian Horndasch keine Bildungspolitik betreiben, sondern Hilfen anbieten. Und mit Negativbotschaften seine Leser entmutigen, will er schon gar nicht.
Einigermaßen im Bologna-System drin, geht es im vierten Kapitel ins Ausland. Auf gut zwanzig Seiten wird in komprimierter Form dargelegt, was in welchem Land speziell ist und worauf temporär Auswanderungswillige achten müssen. Aber vielleicht beginnen auch viele Leser ihre Lektüre mit dem fünften Kapitel, weil sie noch nicht genau wissen, welches Studium zu ihnen passt. Auch wenn der Autor den Entscheid natürlich niemandem abnehmen kann, bietet er doch einige sinnvolle Hilfen an. Zumal er im sechsten Kapitel erneut auf diese große Frage eingeht und einen Leitfaden zur Beantwortung liefert.
Wie gut die konkreten Programme und die Hochschulen sind, versucht der Autor im siebten Kapitel zu beantworten. Natürlich ohne Gewähr, dass seine Einschätzungen richtig sind. Aber da er auf die zu beachtenden Punkte aufmerksam macht, können die Leser auch selber zu einem Urteil kommen. Wie man sich bewirbt, erfährt der Leser im achten Kapitel, in dem Horndasch die Formalien, Fristen, Zulassungsarten und Bewerbungsverfahren erläutert. Und weil es zum Studieren nicht nur Grips, sondern auch Geld braucht, findet der Leser gut sechzig Seiten über Geldbedarf, Jobben, Stipendien, BAföG, Kredite, Versicherungen und Steuern. Sollte jemand im Lauf der Lektüre die Lust am Studieren verlieren, muss er das zehnte Kapitel umso aufmerksamer lesen, Denn in ihm werden Alternativen vorgestellt. Ob Hotel Mama, WG oder Studentenwohnheim, ein Dach über dem Kopf braucht jeder. Also wird auch das noch zum Thema. Und weil es außer Studieren auch noch anderes im Leben gibt, schließt Horndasch seinen Planungsratgeber mit dem Kapitel "Was möchte ich sonst noch? Leben!"
Mein Fazit: Ein sorgfältig recherchierter Ratgeber für alle, die einen wichtigen Lebensabschnitt nicht völlig ahnungslos angehen wollen. Sebastian Horndasch beantwortet die zentralen Fragen, stellt aber auch neue. Und weil sein Buch auch schön gestaltet ist, macht die Lektüre sogar Spaß. Zumal der Autor auf Fachchinesisch verzichtet, wenn dies inhaltlich möglich ist. Wissend, dass Informationen immer unvollständig sind, gibt Sebastian Horndasch auch unzählige Webadressen bekannt, wo sich besonders Interessierte tummeln können.