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Unterhaltsam und gleichzeitig aufschlussreich ist nämlich seine Auseinadersetzung mit einer Begebenheit aus Bachs Jugend: Dieser bezeichnete einen Schüler als "Zippelfagottisten" und musste sich dann nächtens einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit ihm stellen, bei der auch sein Degen zum Einsatz kam. 't Hart vergleicht nun, wie Bachs Biografen mit dieser dankbaren Geschichte -- es gibt nur äußerst wenig Material zu Bachs Alltag und Persönlichkeit -- verfahren und sie teilweise in nicht zu rechtfertigender Weise ausschmücken oder deuten. Sehr eindringlich sind am Anfang des Buches auch erzählerisch verdichtete Passagen etwa über die kurze Lebenserwartung und die hohe Kindersterblichkeit in der großen Bach-Familie: Sie bringen einem die Fakten näher, als manch trockene tabellarische Darstellung dies vermag.
Dann jedoch kommt es in mehrfacher Hinsicht zum Bruch. Möglicherweise lässt sich das eine gravierende Problem der weiteren Darstellung darauf zurückführen, dass 't Hart, der sich selbst als "ungläubiger Thomas" im Bezug auf die christliche Religion bezeichnet, Bach gern als autonomen Geist sehen und "auf seine Seite herüberziehen" möchte. Ganz offensichtlich hat er Schwierigkeiten mit Bachs recht eindeutig nachweisbarem protestantischen Glauben, denn Belege dafür zitiert er zwar, zieht aber keine Schlüsse daraus. Stattdessen äußert er sich erstaunlich unqualifiziert über den barocken Umgang mit Tod und Sterben, über die u. a. auf Luther selbst zurückzuführende Hohelied-Mystik oder ganz allgemein über die Texte der von ihm doch so verehrten geistlichen Werke. Er versteigt sich sogar dazu, den Sinn der "Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Theologische Bachforschung" anzuzweifeln, und zwar nicht etwa den ihrer Publikationen, die im sonst recht gut sortierten Literaturverzeichnis des Buches ausgespart sind, sondern den der Institution selbst.
Als wolle 't Hart nun das Ungleichgewicht, dass aufgrund der plötzlich verschwundenen Fundiertheit seiner Aussagen entstanden ist, auf anderem Wege wieder wettmachen, verliert er sich für den -- beträchtlichen -- Rest seines Buches über weite Strecken ins Schwärmen und langatmige Beschreiben, dem der Leser ohne Kenntnis der gemeinten Stücke nicht folgen kann. Schade, sehr schade, dass dem Autor die Akzentsetzung in seinem ursprünglichen Konzept Bach und ich allzu sehr auf die Ich-Seite verrutscht! Dadurch wurde eine große Chance zumindest teilweise vertan. --Michael Wersin
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
18 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Tertiärliteratur, leider ohne jeden Wert,
Rezension bezieht sich auf: Bach und ich (Taschenbuch)
Da in meinem Freundeskreis hinlänglich bekannt ist, dass ich nahezu süchtig nach dem Werk von Bach bin, bekam ich (wohlmeinend) dieses Büchlein als Urlaubslektüre zugesteckt. So vergeht praktisch kein Tag, an dem nicht wenigstens eine CD (meist mit Orgel- oder Klavierwerken) die Luft in Schwingungen versetzt.Der ersten Freude über das Geschenk und der positiven Erwartung zum Buch (und der beiliegenden CD) wich nach einem schnellen Querblättern aber eine bestürzende Enttäuschung. Denn das Buch entpuppte sich sehr rasch als ein überflüssiges Machwerk. Über weite Strecken ist es eine uninspirierte Fleißaufgabe, dergestalt, dass er sich zu Biografien anderer Autoren äußert bzw. aus diesen ein ödes (aber holpriges) Lebensläufchen zusammenschustert. Das ist Tertiärliteratur der schlimmsten (und daher überflüssigsten) Sorte! Man erfährt praktisch nichts über Bach, noch weniger über dessen psychologische oder genialische oder soziale Aufgestelltheit. Statt dessen werden einige trockene Fakten herunter geklappert. Langweilig! Im zweiten Teil des Buches werden klägliche Versuche zu Worthülsen, wo der Autor sich abmüht, seine subjektiven Eindrücke und Wertungen zu einzelnen Kompositionen in Worte zu fassen. Ein Beispiel soll genügen, das zeigen kann, wie anämisch und belanglos diese Sätze sind: "Die Sonaten für Querflöte und Klavier haben Hanneke und ich seit den frühen Tagen unserer Verlobung immer gespielt. Doch es gibt nur zwei unter ihnen, deren Echtheit nicht angezweifelt wird: die Sonaten in H-Moll (BWV 1030) und A-Dur (BWV 1032)." Der Leser erfährt typischerweise nichts interessantes über Bach und auch nicht (was eine literarische Verarbeitung ja rechtfertigen würde) über den Autor. Es bleibt bei Belanglosigkeiten beiderseits: "Der zweite Satz ist ein wunderbares Stück, doch mein Herz gehört dem dritten Satz, dem Andante." Wer sich statt solcher überflüssiger Poesie-Album-Texte dem Phänomen Bach durch die Augen eines kreativen Dritten nähern möchte, sei daher lieber auf Glenn Gould verwiesen, der in seinem Buch "Von Bach bis Boulez" die Ohren zu öffnen vermag. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Zwanghaftes Klein-Klein ohne jeden Unterhaltungswert,
Von Alfred E. Neumann "Alfi" (Rheinfelden) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Bach und ich (Taschenbuch)
Als musikalisch interessierter Mensch und Hobbymusiker habe ich das Buch zu Weihnachten bekommen. Es ist schnarchlangweilig und verliert sich in kleinkarierten Details, Pseudoexpertentum und unnützem Zitieren aus anderen Bachbiografien. Völlig unwichtige Details werden zwanghaft aufgelistet, unnötig ausführlich diskutiert, und das Ganze z. T. auch noch in übler Sprachdiktion. Immer wieder finden sich bis an groben Kitsch reichende, für Leser wahrscheinlich nur wenig informative Sympathiebekundungen des Autors, der sich m. E. hier viel zu wichtig nimmt. Insofern ist der Buchtitel also gar nicht so irreführend; immerhin derjenige, der wissen will, dass der Autor den Komponisten Bach ganz toll, andere Komponisten (ausser Mozart und Verdi vielleicht) schon viel weniger toll und Jazz gar völlig grauenvoll findet, wird hier gut bedient. Wen das verständlicherweise nicht interessiert, darf das Buch getrost auf den Kompost tun, einen Fisch darin einwickeln oder es als Türstopper verwenden (CD vorher rausnehmen!).
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18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eigenwillig und gewöhnungsbedürftig,
Von
Rezension bezieht sich auf: Bach und ich (Taschenbuch)
Nachdem ich das erste Kapitel gelesen hatte, wollte ich das Buch eigentlich beiseite legen.Maarten t'Hart schreibt hier über die Liebe seines Lebens: über Johann Sebastian Bach. Und er schreibt so, wie man es von einem Verliebten erwartet: eigenwillig, starrsinnig seine Liebe verteidigend, und den Menschen "Bach" sich so zurechtlegend, wie er ihn sich erträumt. In diesem Zusammenhang hat t'Hart es dann leider auch nötig, über andere Bach-Forscher herzuziehen, sie gar beim Namen zu nennen und Stellen ihrer Werke zu zitieren, die er dann widerwillig kommentiert oder bewusst ironisiert oder fast persönlich werdend kritisiert. Deswegen wollte ich zuerst auch nicht weiterlesen. Lassen Sie mich Ihnen an dieser Stelle ein Beispiel geben: Eine Szene beispielsweise, die sich auf dem Marktplatz ereignete, bei der der junge Bach wohl einen Degen oder ein Messer gezogen hat, als ein Schüler ihn zum Duell forderte, weil Bach ihn zuvor beleidigte - diese Szene wird hundertfach, aus vielen Quellen, beleuchtet und umgedreht und gewendet und beschaut, t'Hart kommentiert dabei die historischen Quellen und zieht diese Szene auf viele Seiten hin, wobei er aufweist, in welcher Quelle es ein Degen war, wo ein Messer und wo Bach dies sagte und wo der Gegner jenes. Warum habe ich weitergelesen und warum empfehle ich das Buch nun doch? Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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