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12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
man würde abraten, 13. August 2004
Zwei Passionen von JS Bach zählen zu den bekanntesten und bedeutendsten Werken der Kirchenmusik; diese Box enthält 4 Passionen, die Matthäus- und die Johannespassion, aber auch eine Markus- und eine Lukaspassion -- wie das? Um mit der wildesten Geschichte zu beginnen: Die Markuspassion hat existiert, man weiß dass Bach eine solche in Leizig aufgeführt hat, denn das Libretto wurde gedruckt und ist erhalten. Die Musik jedoch ist komplett verschollen. Allerdings haben Musikwissenschaftler Grund zur Annahme gesehen, dass es sich um ein Pasticcio handelte, dh Bach habe bestehende Musik aus seinen Kantaten verwendet, und nur die neuen Texte untergelegt. Und: die Musikwissenschaftler sagen, man könne aus dem rhythmischen Muster der Texte ermitteln, welche Kompositionen aus Bachs Kantatenwerk hier verwendet worden sein müssen! Die Rekonstruktion ist nicht ganz frei von Rest-Unklarheiten, sei aber im großen und ganzen eindeutig möglich. Im Beiheft dieser CD-Ausgabe wird das ganze dankenswerter Weise kurz erläutert. Die Rezitative sind allerdings unwiederbringlich dahin, für vorliegende Aufnahme hat man sie aus der Markuspassion des Zeitgenossen R.Keiser ausgeborgt (was eigentlich ein bisschen schwach ist, hätte man sich nicht auch trauen dürfen sie zu improvisieren?). Nun, das ist also auf jeden Fall eine aufregende Geschichte -- nur leider hat man als Hörer von der Rekonstruktion nicht viel, weil die Einspielung musikalisch wenig aufregend ist. Auch nicht schlecht, aber man wäre besser bedient, gute Einspielungen von Bachs Kantatenwerk zu hören, wenn die Musik doch identisch ist. Die Lukas-Passion ist nach Kenntnisstand der Musikwissenschaft nicht von Bach, sondern ist eine Abschrift eines Werkes von einem unbekannten zeitgenössischen Komponisten, die Bach sich angefertigt hat (ohne die Quelle zu notieren). Da sie sich unter seinem Nachlass befand, hat sie eine BWV-Nummer abgekriegt. Es finden sich in vorliegender Ausgabe keinerlei Hinweise darauf, dass dies kein echtes Werk von Bach ist, das hätte man aber erwarten dürfen, ich finde das kritikwürdig. Das Werk ist von seiner musikalischen Substanz her m.E. nicht das Niveau Bachs, aber doch eine ganz normale ordentliche barocke Komposition. Auch hier hätte eine inspirierte Aufführung etwas herausholen können, was aber nicht der Fall ist. Schließlich die Einspielungen der Matthäus- und Johannespassion: Ich weiß nicht. Ich habe sie angehört und kann nicht genau sagen woran es liegt, aber sie sind sehr farblos, vielleicht liegt der Eindruck auch am reizlosen Klangbild (wie hinter einem Vorhang)? Immerhin treten hier namhafte Solisten wie R.Covey-Crump auf! Trotzdem plätschert die Darbietung dahin ohne den Hörer zu packen; und das gilt in gleicher Weise für alle 4 Passionen hier. Man sollte die Ausgabe scheuen, und sich statt vorliegender Box lieber Herreweghes Einspielungen anschaffen, die es inzwischen teilweise auch günstig gibt, oder eine andere gute Einspielung, die eine gewisse Inspiration vermittelt. Für diese recht fade Ausgabe ist der niedrige Preis keine gute Entschädigung.
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